Belgien

Hass aus dem Lautsprecher

Auf der Fahrt von Namur nach Brüssel hatten sich Jugendliche Zugriff zum Lautsprecherdurchsagesystem verschafft. Foto: imago

In einem belgischen Zug haben Unbekannte das Lautsprecherdurchsagesystem benutzt, um Juden aufzufordern, in Auschwitz auszusteigen und im Konzentrationslager zu duschen. Der Vorfall ereignete sich am 31. Januar und wurde erst jetzt bekannt. Wie der Sender RTL am Dienstag berichtete, hat die belgische Eisenbahngesellschaft SNCB bei der Polizei Anzeige wegen Aufstachelung zum Hass erstattet.

Die Verdächtigen hatten sich, so RTL, am späten Nachmittag in der Hauptverkehrszeit auf der Fahrt von Namur nach Brüssel Zugriff zum Lautsprecherdurchsagesystem verschafft. Auf Französisch sagte der Täter: »Meine Damen und Herren, wir nähern uns Auschwitz. Alle Juden werden gebeten, auszusteigen und eine kurze Dusche zu nehmen.«

Jugendliche Der Vorfall wurde Viviane Teitelbaum, einer jüdischen Abgeordneten in der Region Brüssel, gemeldet. Teitelbaum sagte im Gespräch mit RTL-Journalisten, der Zeuge des Vorfalls habe den Verdacht geäußert, dass einige aus einer Gruppe von Jugendlichen Zugang zu den Schlüsseln hatten, die das Bahnpersonal dazu verwendet, um Lautsprecherdurchsagen zu machen.

Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich vor zwei Jahren in einem Zug auf derselben Bahnstrecke. Die Täter, die nie gefasst wurden, sagten damals: »Willkommen in diesem Zug nach Auschwitz. Alle Juden werden gebeten, in Buchenwald auszusteigen.« jta

Grossbritannien

Universität Bath sagt Seminar mit Hochschule in Gaza ab

Eine Dozentin hatte britische Studenten aufgefordert, palästinensische Darstellungen des Nahostkonflikts nicht infrage zu stellen. Die Universität entschuldigte sich für die Vorgaben.

von Nicole Dreyfus  15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

»The Social Reckoning«

Empörungsköder

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

von Sophie Albers Ben Chamo  15.10.2026

New York

Magische Juden

Handleser, Geisterbeschwörer, Wahrsager und Wunderheiler: Eine neue Ausstellung beleuchtet die Lust am Okkulten

von Eva C. Schweitzer  15.10.2026

Irland

Ausgerechnet eine Antisemitismuskonferenz fällt dem Judenhass zum Opfer

In Dublin fand eine Tagung von Antisemitismusbeauftragten und jüdischen Vertretern statt. Ein Hotel verweigerte die Unterbringung. Für Irlands Gemeindevorsitzenden zeigt das, wie Antisemitismus sich immer wieder neu manifestiert

von Maurice Cohen  14.10.2026

USA

Süß und gut zu werfen

»Sunkist Fruit Gems« gehören in vielen Gemeinden zum Feiern. Ihr angekündigtes Aus sorgte für Aufregung – nun kommen sie zurück

von Sophie Albers Ben Chamo  13.10.2026

»Imanuels Interpreten« (26)

Paul Simon: Der Brückenbauer

Seit den 60er Jahren schreibt und spielt der New Yorker Künstler Musik, deren Texte durchweg stark sind. Mehrere Generationen haben zugehört. Heute wird das jüdische Talent 85 Jahre alt

von Imanuel Marcus  13.10.2026

Katharina von Schnurbein

»Ich habe das Gefühl, den richtigen Weg gegangen zu sein«

Die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein wechselt von Brüssel nach Berlin. Sie folgt dort Felix Klein nach. Ein Porträt

von Michael Thaidigsmann  14.10.2026 Aktualisiert

Porträt

Geboren in Auschwitz

Angela Orosz-Richt kam im Dezember 1944 in einer Baracke des deutschen Vernichtungslagers zur Welt. Im Januar wird sie bei der Gedenkstunde im Deutschen Bundestag sprechen. Unserem Autor hat sie ihr bewegtes Leben geschildert

von Michael Thaidigsmann  09.10.2026