Kroatien

Hass am Ball

Ustascha-Anhänger beim Gedenken an die Schlacht um Vukovar vor 24 Jahren (November 2015) Foto: imago

Za Dom Spremni» – «Für die Heimat bereit». Diesen Gruß des faschistischen Ustascha-Regimes haben Fans der kroatischen Fußballnationalmannschaft kürzlich in der Stadt Osijek bei einem Freundschaftsspiel gegen Israel geschrien. Der sogenannte unabhängige Staat Kroatien (NDH) bestand von 1941 bis 1945. Er war ein Vasallenstaat, in dem Juden, Serben, Roma und Oppositionelle von den Ustascha verfolgt und ermordet wurden.

Kroatiens Premierminister Tiomir Oreskovic saß bei jenem Freundschaftsspiel als Zuschauer im Stadion, reagierte aber nicht auf den faschistischen Gruß. Ognjen Kraus, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in der Hauptstadt Zagreb, schüttelt den Kopf: «Wieder einmal haben wir diese Parole gehört. Aber das Gesetz ist doch in diesem Punkt ganz klar: Das Spiel hätte abgebrochen werden müssen.» Den derzeitigen Zustand in der kroatischen Gesellschaft führt Kraus auf den Wahlkampf im vergangenen Herbst zurück, aus dem die rechtskonservative HDZ als Sieger hervorgegangen ist.

Kulturminister Kroatiens Juden empfinden vor allem den neuen Kulturminister ihres Landes, Zlatko Hasanbegovic, als Zumutung (vgl. Jüdische Allgemeine vom 18. Februar). Die jüdische Gemeinde forderte den Rücktritt des Ministers wegen seiner rechtsextremen Vergangenheit und der anhaltenden Verharmlosung des Ustascha-Regimes. Aus diesem Grund will die Gemeinde am 22. April die jährliche Gedenkveranstaltung für die Opfer des Konzentrations- und Vernichtungslagers Jasenovac – es war eines der größten in Europa – boykottieren.

«Die Situation in unserem Land ähnelt zunehmend der in Deutschland 1933 und der in Kroatien 1941», sagte Ognjen Kraus sichtlich wütend nach dem Fußballspiel gegen Israel, als es zu einem Eklat wegen des faschistischen Grußes gekommen war.

Deportation «›Za Dom Spremni‹ galt als Dienstgruß des NDH-Staats, den Hitler und Mussolini geschaffen hatten», sagt Zlatko Nikolic von der Fangruppe «Bijele Andele» (Weiße Engel), die sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Homophobie einsetzt. «Die Grußformel stand auf den Dokumenten, in denen die Deportation und Vernichtung der Juden beschlossen wurde. Sie ist die kroatische Version des deutschen ›Sieg Heil‹.»

Im sozialistischen Jugoslawien war der Gruß so gut wie nicht in Gebrauch. Doch nach der kroatischen Unabhängigkeit 1991 und dem darauffolgenden Krieg wurde «Za Dom Spremni» zunächst beim kroatischen Militär sehr beliebt und bürgerte sich allmählich auch bei Teilen der Bevölkerung im Alltagsjargon ein.

Im August forderte eine Petition die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic auf, «Za Dom Spremni» zum offiziellen Gruß der Armee zu machen. Ernsthaft diskutiert wurde der Vorschlag zwar nicht. Aber vor allem im kroatischen Fußball hat sich der faschistische Gruß inzwischen etabliert.

Fankultur Der in Graz lehrende Sportsoziologe Dario Brentin hat sich im Rahmen seiner Forschungsarbeiten damit beschäftigt. Er kritisiert, dass Politik und Medien den Gruß als «Teil der Fankultur» akzeptieren. Zu einer Debatte komme es erst, «wenn das Thema im Ausland aufgegriffen wird und eine Rechtfertigung konstruiert werden muss».

An einen direkten Zusammenhang zwischen dem Ustascha-Gruß und dem Spiel gegen Israel glaubt Brentin jedoch nicht: «Der Nationalismus in kroatischen Stadien ist sehr selbstreferentiell. ›Za Dom Spremni‹ wird auch bei Spielen gegen Wales oder Island gesungen.» Die mangelnde Sensibilität für das Thema resultiere daraus, dass viele wenig über den Holocaust wissen, so Brentin.

Chiune Sugihara

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