Österreich

Großrazzia bei Neonazis

Startseite von www.alpen-donau.info Foto: screenshot

Seit Februar 2009 verbreiten die Betreiber der rechtsextremen Homepage www.alpen-donau.info Tag für Tag nationalsozialistische Ideologie. Im Visier sind Juden, linke Politiker, Antifaschisten, Homosexuelle – und Migranten. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG), Ariel Muzicant, wird auf der Online-Plattform regelmäßig als »Stänkerjude« bezeichnet, Kritiker werden verunglimpft, ihre Fotos und Wohnadressen veröffentlicht.

Bundesinnenministerium und Justizbehörden betonen gebetsmühlenartig, der Server, auf dem dieser Webauftritt liegt, stehe in den USA. Dort gelte Meinungsfreiheit, ein Zugriff sei schwierig, doch man ermittle. Im Sommer legten Die Grünen umfangreiche Recherchen zu den mutmaßlichen Verfassern der Seite vor. Die Liste enthält Namen wie Gottfried Küssel, 1993 wegen NS-Wiederbetätigung verhaftet und bis 1999 in Haft, oder Franz Radl, der als Vertrauter des verurteilten Holocaust-Leugners Gerd Honsik gilt. Es werden aber auch Verbindungen zur FPÖ aufgezeigt.

»Familiäres Naheverhältnis« Vergangenen Samstag dann der Knalleffekt: Die Austria Presse Agentur berichtet, dass es zwischen einem Beamten des Verfassungsschutzes und einem Verdächtigen »ein familiäres Naheverhältnis« gebe. Der Beamte sei im August in eine andere Abteilung versetzt worden. Zeitgleich wird in Zeitungsberichten bekannt, dass es in der vergangenen Woche zu 18 Hausdurchsuchungen gekommen ist.

Die für Montag einberufene Pressekonferenz des Bundesinnenministeriums war entsprechend stark besucht. Die Journalisten erwarteten Ermittlungsergebnisse. Bestätigt wurden zwar die Hausdurchsuchungen, der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Vecsey, verweigerte jedoch unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen inhaltliche Auskünfte. Dies führte zum Eklat und zum vorzeitigen Ende der Pressekonferenz.

Ehrenrettung Dem Innenministerium ging es bei dieser Veranstaltung um Ehrenrettung: Man wollte klarstellen, dass der nunmehr versetzte Beamte sich nichts zuschulden habe kommen lassen, wie Herbert Anderl, Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, betonte. Er räumte aber ein, »dass sich der Sohn im Dunstkreis der rechtsextremen Szene bewegt«.

IKG-Generalsekretär Raimund Fastenbauer betonte, dass auf dieser Homepage Gemeindefunktionäre und jüdische Privatpersonen »in übelster antisemitischer Art und Weise beflegelt und bedroht werden«. »Wir stellen uns die Frage, ob wirklich alle diplomatischen und technischen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind, um die Urheber zu ermitteln.«

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thadigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026