Kiew

Golda Meir als Vorbild

Golda Meir (1898–1978) Foto: imago/ZUMA Press

»Ich bin Zionist«, sagt ein ukrainischer Soldat in einem mehr als 100.000-mal abgespielten Twitter-Video eines israelischen Journalisten. Dann holt er aus seinem Rucksack sein, wie er betont, »Lieblingsbuch« – Elinor Burketts Golda-Meir-Biografie in ukrainischer Übersetzung.

Die vierte Ministerpräsidentin Israels, die das Land von 1969 bis 1974 – unter anderem während des Jom-Kippur-Krieges – regierte, ist zu einer Art Galionsfigur des ukrainischen Widerstands gegen die russischen Invasoren avanciert.

tweet Schon kurz nach Kriegsbeginn fand der Tweet eines New Yorker Publizisten Beachtung, der einen damals in der Ukraine tätigen US-Missionar zitierte: »Wenn Russland seine Waffen niederlegt, gibt es keinen Krieg mehr. Wenn die Ukraine ihre Waffen niederlegt, gibt es keine Ukraine mehr.« Die Sentenz paraphrasiert einen Golda Meir zugeschriebenen Ausspruch: »Wenn die Araber ihre Waffen heute niederlegen würden, gäbe es keine Gewalt mehr. Wenn die Juden ihre Waffen heute niederlegen würden, gäbe es kein Israel mehr.«

In seiner Rede vor der Knesset am vergangenen Sonntag berief sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Worte von Golda Meir.

In seiner Rede vor der Knesset am vergangenen Sonntag berief sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Worte von Golda Meir: »Wir wollen leben, aber unsere Nachbarn wollen uns tot sehen.« In einem Gespräch mit internationalen Journalisten vor rund zwei Wochen erinnerte Selenskyj daran, so das Onlineportal »Ukrinform«, dass Golda Meir, eine der Gründerinnen des Staates Israels, in Kiew geboren und aufgewachsen sei.

botschafterin Einige Tage zuvor sprach Oksana Markarova, ukrainische Botschafterin in den USA, bei einer Videokonferenz mit Selenskyj und führenden Vertretern amerikanisch-jüdischer Organisationen über Meir: »Es wäre großartig gewesen, sie jetzt bei uns zu haben. Ich denke, sie würde uns in diesem großen Kampf sehr helfen.«

Zu Golda Meirs 120. Geburtstag 2018 berichtete die »Jerusalem Post«, sie werde in der Ukraine und ihrer Geburtsstadt als Heldin gefeiert. Dass Meirs Familie im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts aufgrund antisemitischer Pogrome aus dem damals russisch-zaristischen Kiew floh, gerät dabei in den Hintergrund. Es ist vor allem Golda Meirs Ruf als unnachgiebige Kämpferin, der sie als Vorbild für den ukrainischen Widerstand qualifiziert.

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