USA

Für die Rechte der Behinderten

Pionierin im Kampf für Gleichberechtigung: Judith (Judy) Heumann (2. v.r.) Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die amerikanische Aktivistin für Behindertenrechte, Judith (Judy) Heumann, ist am Samstag im Alter von 75 Jahren in Washington gestorben. Heumann kämpfte seit den 70er-Jahren für Gesetzesänderungen und arbeitete mit Regierungen und NGOs sowie Interessengruppen für Behinderte zusammen.

Eines von Heumanns Hauptanliegen war, dass Menschen mit Behinderungen unabhängig leben können. Jahrelang arbeitete sie bei der Weltbank sowie im US-Außenministerium und engagierte sich dafür, dass das sogenannte Mainstreaming von Behindertenrechten in die internationale Entwicklungsarbeit eingeführt wurde.

Biografie Heumann wurde 1947 in New York geboren. Ihre Eltern waren in den 30er-Jahren aus Nazi-Deutschland geflohen. Heumanns Großeltern und zahlreiche weitere Familienmitglieder wurden in der Schoa ermordet.

Im Alter von anderthalb Jahren erkrankte Heumann an Kinderlähmung und war seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen. Es war schwierig für ihre Eltern, eine Schule zu finden, die sie aufnahm. Die örtliche Bildungsbehörde empfahl, sie zu Hause zu unterrichten. Doch ihre Mutter Ilse blieb hartnäckig – mit Erfolg: Als Judy Heumann 14 Jahre alt war, durfte sie die örtliche Highschool besuchen.

In ihren Memoiren Being Heumann (2020) schreibt Heumann, sie glaube, dass es die Erfahrungen ihrer Eltern waren, die sie dazu brachten, den Rat der Ärzte abzulehnen, ihre Tochter in ein Heim einzuweisen, nachdem sie an Kinderlähmung erkrankt war. »Sie kamen aus einem Land, in dem Familien getrennt, einige Kinder weggeschickt, andere von den Behörden aus ihren Familien geholt wurden und nie mehr zurückkehrten.«

Nach dem Schulabschluss studierte Judy Heumann Logopädie. Amerikanischen Medienangaben zufolge sagte man ihr, als sie das Studium abgeschlossen hatte, sie könne nicht an New Yorker Schulen unterrichten, weil diese nicht behindertengerecht gebaut seien. Heumann klagte – und bekam Recht: Sie erhielt eine Stelle an der Grundschule, die sie als Kind nicht besuchen durfte.

Ein Dokumentarfilm über Judy Heumann mit dem Titel Crip Camp (2020), der ihr lebenslanges Engagement festhält, brachte ihr den Beinamen »Mutter der Behindertenrechtsbewegung« ein. ja

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