Lyon

Frankreich: Erneuter Mord aus Judenhass?

Foto: IMAGO / Martin Winter

Der 89-jährige René Hadjaj, der am 17. Mai vor seinem mehrgeschossigen Wohnhaus in Lyon tot aufgefunden wurde, ist möglicherweise getötet worden, weil er Jude war. Dies sagte am Freitag ein Staatsanwalt in der französischen Stadt.

Der Tatverdächtige, Hadjajs 51-jähriger Nachbar, war bereits am 17. Mai festgenommen worden, doch die Ermittler gingen bisher nicht von Judenhass als Tatmotiv aus. Der Nachbar soll Hadjaj aus dem 17. Stock in den Tod geworfen haben.

STREIT Nach einem Bericht der Lokalzeitung »Le Progrès« hatte die Polizei zwar zunächst ein mögliches antisemitisches Motiv untersucht, es dann aber ausgeschlossen, weil man glaubte, der Vorfall sei das Ergebnis eines Streits, der nichts mit der Tatsache zu tun hatte, dass Hadjaj Jude war.

Über die Identität des Verdächtigen oder seine Herkunft haben französische Medien bisher nichts berichtet.

Aus Sicht von Beobachtern fügt sich die mutmaßliche Tat in eine Reihe mehrerer schockierender antisemitischer Morde in Frankreich in den vergangenen Jahren. Das Bureau National de Vigilance contre l’Antisémitisme (BNVCA) erklärte wenige Tage nach der Tat, es wolle versuchen, in dem Fall als Kläger aufzutreten und verwies auf die Ähnlichkeit mit dem judenfeindlichen Mord an der 65-jährigen Sarah Halimi im Jahr 2017. Auch sie war von einem Nachbarn aus einem Fenster ihrer Wohnung in den Tod geworfen worden.

SOZIALE MEDIEN »Nachdem uns Beiträge in den sozialen Medien zur Verfügung gestellt wurden, hat die Staatsanwaltschaft die Richter gebeten, den erschwerenden Umstand einer Tat zu berücksichtigen, die aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit, Nationalität, Rasse oder Religion des Opfers begangen wurde«, sagte Staatsanwalt Nicolas Jacquet im Gespräch mit AFP.

»Es geht nicht mehr darum, uns zu sagen, dass dies die Tat einer psychisch gestörten Person ist. Die Wahrheit des Antisemitismus darf nicht länger verheimlicht werden«, twitterte der französisch-israelische Anwalt und Fernsehkommentator Gilles-William Goldnadel.

Frankreich hat seit Jahren mit einem starken Anstieg der Gewalt gegen die rund 500.000 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde des Landes sowie mit dschihadistischen Angriffen zu kämpfen.

Der Mord an Sarah Halimi erregte besondere Empörung, nachdem der Mörder, der auf Arabisch »Allahu akbar« geschrien hatte, einem Gerichtsverfahren entging. Der Grund dafür war, dass ein Richter festgestellt hatte, der Täter habe unter dem Einfluss von Drogen gestanden und könne daher strafrechtlich nicht zu Verantwortung gezogen werden.

Dies veranlasste den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, eine Gesetzesänderung anzustreben. Sie soll sicherstellen, dass Menschen, die Gewaltverbrechen verüben, während sie unter Drogen stehen, zur Verantwortung gezogen werden können. Im vergangenen Dezember wurde die Gesetzesnovelle verabschiedet. ja

Lesen Sie mehr dazu in der kommenden Printausgabe der Jüdischen Allgemeinen.

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