Paideia

»Europa gehört zu mir«

Frau Oz-Salzberger, Sie treten in diesen Tagen Ihre neue Stelle als Direktorin von Paideia, dem European Institute for Jewish Studies in Stockholm, an. Geben Sie dafür Ihre Professur in Haifa auf?
Nein, ich werde Israel nicht verlassen! Ich bleibe Professorin an der Universität Haifa. Ich hatte ja im Laufe der Zeit immer wieder Jobs nebenher: Zum Beispiel habe ich fünf Jahre lang an der Universität Melbourne gelehrt und bin zwischen Israel und Australien gependelt. So werde ich es auch jetzt handhaben. Ich werde Professorin in Haifa bleiben und immer wieder nach Stockholm reisen. Ich werde an beiden Orten sehr präsent sein und weiterhin mit meiner Familie und meinen Hunden in Zichron Yaakov in Israel leben.

Welches wesentliche Ziel möchten Sie als Direktorin von Paideia verfolgen?
Es geht mir und meinen Mitarbeitern darum, jüdisches Denken in Europa wieder zu einem Motor zu machen. Paideia will Menschen in Europa – ganz gleich, ob jüdisch oder nicht, religiös oder säkular – mit dem jüdischen Erbe in Berührung bringen und zeigen, dass das Judentum eine verlässliche ethische und politische Kultur für heute bereithält. Paideia ist ein sehr vielschichtiges Unternehmen. Auch ein sehr akademisches, denn bei uns kann man einen Masterabschluss machen und in Zusammenarbeit mit zwei Universitäten auch promovieren. Wir haben inzwischen Hunderte Absolventen – verstreut auf der ganzen Welt.

Sie sprechen vom jüdischen Denken in Europa. Was sagen Sie denen, die sich fragen, ob jüdisches Leben in Europa noch eine Zukunft hat?
Als liberale israelische Zionistin sage ich: Ich bin sehr glücklich darüber, wie die jüdische Welt außerhalb Israels gedeiht. Und ich fühle mich ganz besonders der Zukunft eines jüdischen Europa verpflichtet. Das liegt daran, dass meine Vorfahren aus Europa kamen. Ebenfalls europäischer Herkunft ist der bessere Teil der israelischen Rechtskultur. Dazu habe ich wissenschaftlich gearbeitet und publiziert. Und ein weiterer Grund dafür, dass ich mich über die Entwicklung jüdischen Lebens in Europa freue, ist die Tatsache, dass das moderne Europa eben auch von Juden mitaufgebaut wurde. Aus all diesen Gründen lehne ich es ab, nicht weiter an ein jüdisches Europa zu glauben. Wir sollten es vielmehr stärken, sowohl kulturell und akademisch als auch moralisch und politisch.

Inwiefern fühlen Sie sich selbst als Europäerin?
Meine vier Großeltern wurden in der heutigen Ukraine geboren. Sie sahen sich selbst als Europäer, als sie in den 20er- und 30er-Jahren aufwuchsen. Sie gingen auf europäische Universitäten, studierten europäische Literatur, Geschichte, Kultur. Und sie fühlten sich auch als Europäer, als sie nach Eretz Israel auswanderten. Manche von ihnen gingen freiwillig, denn sie waren Zionisten; andere wurden durch den aufkommenden Nationalsozialismus zur Ausreise gezwungen. Mein Erbe ist also zum Teil europäisch. Ich denke, dass Europa zu mir gehört. Es ist Teil meiner Identität.

Mit der israelischen Historikerin sprach Tobias Kühn.

Karin Prien

»Meine Großmutter war für die Nazis genau so eine Frau«

Die Bildungsministerin begegnet beim Besuch des Holocaust-Museums in Washington der Erinnerung an ihre eigene Familie. Und sie zieht Schlüsse für ihre heutige Aufgabe

 15.03.2026

Rotterdam

Brandanschlag auf Synagoge: Vier Personen festgenommen

Die niederländische Polizei hat am Freitag vier Personen im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf eine Synagoge festgenommen

 14.03.2026

Amsterdam

Explosion an jüdischer Schule

Nach einem nächtlichen Angriff auf eine jüdische Schule betonen Stadt und Regierung: Antisemitismus darf keinen Platz haben. Die Überwachung jüdischer Einrichtungen bleibt verstärkt

 14.03.2026

Rotterdam

Wieder Brandanschlag auf Synagoge - diesmal in Holland

Erneuter Terrorakt gegen die jüdische Gemeinschaft: Am Freitagmorgen wurde am Eingang des Gotteshauses der jüdischen Gemeinde Rotterdam ein Feuer gelegt

 13.03.2026

Michigan

Anschlag auf Synagoge: »Gezielter Gewaltakt gegen die jüdische Gemeinschaft«

Der Täter fährt mit einem Fahrzeug in die Synagoge »Temple Israel«. Dort wird er erschossen, bevor er Gemeindemitglieder ermorden kann

 13.03.2026

Trondheim

Vorfall vor Synagoge in Norwegen

Im norwegischen Trondheim drang ein bewaffneter Mann in die Synagoge ein. Die Polizei konnte ihn festnehmen

 13.03.2026 Aktualisiert

Michigan

Antisemitischer Anschlag: Amokläufer fährt mit Truck in Synagoge

Ein Amokläufer hat ein jüdisches Gemeindezentrum angegriffen, in dem sich auch ein Kindergarten befindet. Donald Trump spricht von einer »schrecklichen Sache«

 13.03.2026 Aktualisiert

Irak

»Ich wurde von Idioten entführt«

903 Tage lang war die russisch-israelische Wissenschaftlerin Elizabeth Tsurkov als Geisel in der Gewalt pro-iranischer Terroristen. Dies ist ihre persönliche Feldstudie zur Brutalität autoritärer Regime

von Elizabeth Tsurkov  12.03.2026

Belgien

Steckt der Iran hinter dem Terroranschlag von Lüttich?

Ein Bekennervideo, das die Explosion vor der Lütticher Synagoge am frühen Montagmorgen zeigt, deutet auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin

 12.03.2026