Einspruch

Es ist nicht nur Corbyn

Daniel Zylbersztajn Foto: privat

Labour hat in Großbritannien die Parlamentswahlen deutlich verloren. Inwieweit dies auch mit den Antisemitismusvorwürfen gegen den Vorsitzenden Jeremy Corbyn zu tun hat, lässt sich schwer sagen.

Aber es ist diese krachende Niederlage, die den Weg zu einer deutlicheren Kritik an der Labour-Führung frei machen könnte. Beispielsweise sagte Polly Toynbee, eine labourfreundliche Kolumnistin, dass Corbyn bloß seine Beziehungen zu Extremisten und Judenhassern vertuschen wollte.

wandel Wie schwierig aber die Hoffnung auf einen Wandel in der britischen Politik ist, offenbarte die Oberhausabgeordnete Jennifer Tonge, eine Ex-Liberale, die tönte, die Labour-Niederlage sei »die Schuld der Israellobby«, und der britische Oberrabbiner »tanzt wahrscheinlich dazu«. Derzeit ist es so, dass man Corbyn gar nichts glaubt.

Es ist die krachende Niederlage, die den Weg zu einer deutlicheren Kritik an der Labour-Führung frei machen könnte.

Das zeigte sich besonders an einem Beispiel, das – ausnahmsweise – einmal nichts mit Juden zu tun hatte: Corbyn, eigentlich ein Antiroyalist, hatte erzählt, er verfolge zu Weihnachten immer frühmorgens die Fernsehbotschaft der Queen; als die Interviewerin ihn darauf hinwies, dass diese traditionell nicht morgens, sondern nachmittags ausgestrahlt wird, war auch dem letzten Zuschauer klar, was von Corbyns Glaubwürdigkeit zu halten ist.

versprechen Für jüdische Wähler waren nicht nur Labours Versprechen sozialer und ökologischer Investitionen und die Option, eventuell doch noch den Brexit zu verhindern, zu unglaubwürdig. Vor allem ging es ihnen um Schutz vor Antisemitismus, und der ist eher von Johnson zu erwarten.

Also doch die Tories? Nein, dort wurden nun zwei Abgeordnete gewählt, die Verschwörungstheorien über George Soros verbreiten. Die Tories haben eine Untersuchung eingeleitet. Es ist schließlich nicht das erste Mal, dass Vorurteile, seien sie antisemitisch, rassistisch oder islamophob, in der Partei verbreitet werden. Dass aber Boris Johnson sich für eine Bemerkung über muslimische Frauen, die Niqab tragen, entschuldigt hat, lässt auf Besserung hoffen.

Der Autor arbeitet als Großbritannien-Korrespondent in London.

Alija

Auswanderung im Trend

In der Corona-Krise entschließen sich in Nordamerika und Osteuropa immer mehr Menschen, nach Israel zu gehen

von Daniel Killy  28.05.2020

Spanien

Neu an der Spitze

Der Unternehmer Isaac Benzaquén Pinto wird Chef des Gemeindeverbands

von Andreas Knobloch  28.05.2020

Frankreich

Im Schatten von Corona

In Paris und Straßburg sind an Covid-19 überproportional viele Juden gestorben – allmählich beginnt das Gemeindeleben wieder

 28.05.2020

Antisemitismus

In Österreich wächst der Hass auf Juden

Die IKG Wien hat im vergangenen Jahr 550 judenfeindliche Vorfälle erfasst – ein Zuwachs von fast zehn Prozent

von Michael Thaidigsmann  27.05.2020

Schweden

»Eine der stärksten jüdischen Stimmen«

Der Journalist Jackie Jakubowski starb im Alter von 68 Jahren. Eine Würdigung

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  26.05.2020

Argentinien

Experten für Koscher-Fleisch gefragt

Israelische Rabbiner werden eingeflogen – der jüdische Staat ist wichtiger Abnehmer von argentinischem Rindfleisch

 26.05.2020

USA

»Gutes Blut« sorgt für böses Blut

Präsident Donald Trump wird nach einem Kommentar zu Henry Ford von jüdischen Organisationen kritisiert

von Michael Thaidigsmann  25.05.2020

USA

Gebete unter freiem Himmel

In Bergen County plädieren Rabbiner für »Outdoor-Minjamin« – unter strikter Einhaltung der Corona-Regeln

 25.05.2020

Frankreich

Paris ohne Filter

Der Maler, Comic-Zeichner und Autor Joann Sfar bildet die Stadt so ab, wie er sie sieht

von Ute Cohen  24.05.2020