Polen

»Eine persönliche Beleidigung«

Polens Oberrabbiner Michael Schudrich Foto: dpa

Polens Oberrabbiner Michael Schudrich hat es polnischen Medienberichten zufolge abgelehnt, an einer Zeremonie zum 75. Jahrestag der Gründung der Untergrundgruppe Brygada Swietokrzyska (»Heilig-Kreuz-Brigade«) im Zweiten Weltkrieg teilzunehmen.

Er betrachte die Einladung zur Ehrung der Brigade als »persönliche Beleidigung«, schrieb Schudrich in einem Brief an den Minister für Veteranenangelegenheiten, Jan Kasprzyk. Kämpfer der Brigade hatten während des Krieges gegen die deutschen und sowjetischen Besatzer Polens gekämpft, aber nach dem Urteil von Historikern auch mit der SS kollaboriert und jüdische Partisanen ermordet.

Schirmherrschaft In dem Schreiben des Oberrabbiners hieß es: »Die Organisation dieser Zeremonien beleidigt das Andenken aller polnischen Bürger, die im Kampf gegen Deutschland getötet wurden.« Die geplante Gedenkzeremonie am Sonntag, den 11. August, steht unter der Schirmherrschaft des polnischen Präsidenten Andrzej Duda, der aber an der Veranstaltung nicht teilnehmen wird.

Die am 11. August 1944 gegründete Brygada Swietokrzyska galt als taktische Einheit der rechtsnationalen und antikommunistischen Gruppierung »Nationale Streitkräfte« (NSZ), die gegen die deutschen und die sowjetischen Besatzer Polens kämpfte. Die Ideologie der NSZ war ultranationalistisch, antidemokratisch und judenfeindlich.

Die Brygada Swietokrzyska weigerte sich, sich der Armia Krajowa (»Heimatarmee«, AK) anzuschließen, die in Abstimmung mit der polnischen Exilregierung in London gegen die Deutschen kämpfte.

Antikommunisten »Diese (NSZ-)Antikommunisten töteten Deutsche, Russen, und sie töteten Juden«, die polnische Bürger waren, sagte Schudrich laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP. Außerdem wurde der Rabbiner mit den Worten zitiert: »Es gibt so viele polnische Helden. Wir müssen nicht diejenigen auswählen, die andere Polen getötet haben, und in diesem Fall viele, die der jüdischen Religion angehörten.«

2016 urteilte die damals am Jüdischen Historischen Institut Warschau tätige Historikerin Alina Cała, die NSZ habe mehr Juden als deutsche Besatzer umgebracht. Im Februar 2018 hatte der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki internationale Kritik geerntet, weil er als erster polnischer Offizieller am Grab von Kämpfern der Brygada Swietokrzyska in München Blumen niederlegte. ag

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026

Ungarn

Netanjahu gratuliert Wahlsieger Magyar – und lobt Orban

Israels Premier: »Orban ist ein wahrer Freund Israels, der fest an der Seite Israels stand angesichts ungerechter internationaler Verleumdungen«

 13.04.2026

Nachruf

Ein Leben, das amtlich nicht vorgesehen war

Mit Robert Kreutner ist einer der letzten Menschen, der 1938 vom St. Galler Polizeihauptmann Paul Grüninger gerettet wurde, gestorben

von Stefan Keller  13.04.2026

Budapest

Nach Wahlsieg: Magyar äußert sich erstmals zu Israel

Ungarns designierter Ministerpräsident will künftig wieder mit dem Internationalen Strafgerichtshof kooperieren. Auch zu möglichen EU-Sanktionen gegen Israel bezog Péter Magyar Stellung

 13.04.2026

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 Aktualisiert

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026