Ukraine

»Es ist ein Genozid«

Elias Dray Foto: privat

Ukraine

»Es ist ein Genozid«

Elias Dray über russische Kriegsverbrechen

von Helmut Kuhn  01.06.2022 08:12 Uhr

Herr Dray, die European Union of Jewish Students (EUJS) hat festgestellt, dass die Ereignisse in der Ukraine einem Völkermord entsprechen. Woran machen Sie das fest?
Unsere Forderung basiert auf der Völkermordkonvention der Vereinten Nationen von 1948. Wir denken, der Genozid ist gegeben, weil die Russische Föderation Einwohner der Ukraine tötet, ihnen ernsthaften physischen und psychischen Schaden sowie große Zerstörung zufügt und Kinder tötet. Das spiegelte sich in Städten wie Butscha und Irpin wider und zeigt sich in der Deportation ukrainischer Kinder zu russischen Familien. Wir finden zudem ausgesprochene Genozid-Rhetorik im nationalen russischen Fernsehen, in Zeitungen und Regierungserklärungen, die der Ukraine ihre Existenz, Geschichte und Sprache verweigern.

In einem Schreiben an mehr als 25 europäische Staatschefs, den Generalsekretär der Vereinten Nationen sowie an Europaparlament, Europarat und Europäische Kommission fordern Sie, das Geschehen in der Ukraine ebenso als Genozid zu bezeichnen. Haben Sie bereits Antwort erhalten?
Noch nicht. Es ist noch zu früh dafür. Aber als wir diese Entscheidung trafen, hatten wir bereits festgestellt, dass die kanadische Regierung die Vorgänge als Genozid anerkannte. Inzwischen taten dies auch das litauische Parlament sowie in der Woche zuvor das European New Forum. Es bezeichnen also mehr als 100 weitere europäische Jugendorganisationen die Ereignisse als Genozid.

Wir sehen, dass selbst strikte Sanktionen bisher offenbar wenig bewirken. Glauben Sie, dass die Bezeichnung Völkermord etwas ändern kann?
Vielleicht ändert Herr Putin nicht seine Meinung – aber ich bin überzeugt, dass Worte wichtig sind. Wenn man Kriminelle zur Verantwortung ziehen möchte, muss es eine Anklage geben. Ich glaube, dies ist ein sehr ernster Fall, der verhandelt werden muss, und dazu braucht es eine Begrifflichkeit.

Was planen Sie weiterhin, um auf Ihre Aktion aufmerksam zu machen?
Wir hoffen, dass mehr und mehr Regierungen, Institutionen, internationale Körperschaften und Politiker unsere Forderung unterstützen und weitere effektive Aktionen bezüglich des Krieges in der Ukraine in die Wege leiten. Wir hoffen auf Frieden sobald als möglich und auf die territoriale Integrität der Ukraine. Das würde auch bedeuten, dass die ukrainische jüdische Gemeinschaft in ihr Land zurückkehren und ihr Leben dort wiederaufnehmen könnte.

Mit dem Präsidenten der European Union of Jewish Students (EUJS) sprach Helmut Kuhn.

Italien

Licht der Erinnerung

Die Juden Lecces wurden 1541 aus dem Königreich Neapel vertrieben. Fast 500 Jahre später wird ihre Geschichte in dem kleinen »Museo Ebraico« zu neuem Leben erweckt – dank zweier engagierter Familien

von Lydia Bergida  17.01.2026

Der Eruv kann auch teilweise aus ergänzten bei der Sigi-Feigel-Terrasse

Schweiz

Ein Eruv für Zürich

Unsichtbar im Stadtbild, spürbar im religiösen Alltag. Die größte jüdische Gemeinschaft der Schweiz spannt einen symbolischen Faden – und macht jüdisches Leben sichtbarer

von Nicole Dreyfus  16.01.2026

England

Maccabi-Fan-Bann: Ministerin entzieht Polizeichef das Vertrauen

Ein Bericht zum Agieren der West Midlands Police beim Ausschluss von Fans des israelischen Vereins Maccabi Tel Aviv vom Spiel gegen Aston Villa hat schwere Fehler zutage gefördert

 15.01.2026

Irak

Humor als Waffe

Elizabeth Tsurkov berichtet über ihre 903 Tage als Geisel einer pro-iranischen Terrormiliz und was ihr beim Überleben half

von Michael Thaidigsmann  15.01.2026

Auszeichnung

Vier Deutsche mit Obermayer Awards ausgezeichnet

Seit dem Jahr 2000 verleiht die amerikanische Obermayer-Stiftung jährlich einen Geschichtspreis an Heimatforscher und Gedenk- und Aufarbeitungsprojekte in Deutschland. In diesem Jahr werden vier Personen und eine Initiative geehrt

 13.01.2026

Nachruf

Zum »idealen arischen Baby« erklärt: Hessy Levinsons Taft gestorben

Der Fotograf sagte Tafts Familie damals, er habe bewusst das Foto eines jüdischen Kindes eingereicht, um die Rassenideologie der Nazis ad absurdum zu führen

von Imanuel Marcus  13.01.2026

Jackson

Brandanschlag auf Synagoge in Mississippi

Zwei Torarollen hat das Feuer vollständig zerstört. Der Verdächtige wurde vom FBI gefasst. Er bezeichnete das Gebäude während eines Verhörs als »Synagoge Satans«.

 12.01.2026 Aktualisiert

Fußball

Als Bayern gegen Prag verlor

Vor 125 Jahren traf der FC Bayern bei seinem ersten Auslandsspiel auf den legendären DFC Prag – und unterlag 0:8. Nach dessen Auflösung 1938 geriet der jüdische Verein fast in Vergessenheit, doch seit einigen Jahren wird er von Enthusiasten wiederbelebt

von Kilian Kirchgeßner  11.01.2026

Armenien

Offene Arme in Jerewan

Juden finden in einer der ältesten Städte der Welt Sicherheit und Gemeinschaft. Ein Ortsbesuch

von Stephan Pramme  11.01.2026