Porträt

Eleganz und Lässigkeit

Halb sinnlich, halb zynisch: der berühmte Lauren-Bacall-Blick Foto: imago

Porträt

Eleganz und Lässigkeit

Vor 100 Jahren wurde die jüdische Hollywood-Legende Lauren Bacall geboren

von Sabine Horst  16.09.2024 11:05 Uhr

Anfang der 1940er Jahre konnte eine Frau im amerikanischen Kino sehr, sehr cool sein: Da gab es Gangsterbräute, schlagfertige Komödiantinnen - und schließlich die fatalen Verführerinnen in den düsteren Krimis der sogenannten Schwarzen Serie. Lauren Bacall (1924-2014) war eine der stärksten Repräsentantinnen dieser Ära: Ihre spezielle Mischung aus Eleganz und Lässigkeit, verhaltenem Sex-Appeal und provozierendem Witz mutet noch heute großstädtisch und modern an. Lauren Bacall war ein New-York-City-Girl.

Als sie 1944 in Howard Hawks‘ Hemingway-Verfilmung »Haben und Nichthaben« zum ersten Mal auf der Leinwand erschien, war ein neuer Typ geboren. Die Art der gerade mal 20-Jährigen, mit gesenktem Kopf und schmalen Augen weitreichende Andeutungen zu machen, trug ihr die Bezeichnung »The Look« (Der Blick) ein.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Vor 100 Jahren, am 16. September 1924, kam sie zur Welt und gilt heute als Hollywood-Legende. Betty Joan Perske, so ihr bürgerlicher Name, wuchs als einziges Kind eines Verkäufers und einer Sekretärin im New Yorker Stadtteil Bronx auf, ihre Vorfahren waren jüdische Immigranten aus Europa. Entdeckt wurde sie als Model auf dem Titelbild der Zeitschrift »Harper’s Bazaar«, als das Ehepaar Hawks eine Partnerin für Humphrey Bogart in »Haben und Nichthaben« suchte.

Ihre Vorfahren waren jüdische Immigranten aus Europa

Das Zusammentreffen von Bogart und Bacall war ein Glücksfall der Filmgeschichte. In vier Thrillern entfaltete das Paar eine unverwechselbare Chemie: Auf »Haben und Nichthaben« folgten die klassische Raymond-Chandler-Verfilmung »Tote schlafen fest«, »Das unbekannte Gesicht« und »Gangster in Key Largo«. Die beiden Stars entwickelten eine ausgesprochen emanzipierte, untergründig erotische Film-Beziehung, die auf Bacalls Seite von einer ebenso graziösen wie nonchalanten Körpersprache gestützt wurde.

Der Funke zwischen Bacall und dem 25 Jahre älteren Bogart war schnell auch im Privatleben übergesprungen: Sie heirateten 1945, bekamen zwei Kinder und führten bis zu Bogarts Krebstod 1957 eine Ehe, die im flatterhaften Showbiz als vorbildlich galt und offenbar von gemeinsamen Überzeugungen getragen war - so protestierten die beiden vehement gegen die »Schwarzen Listen« in der McCarthy-Ära, mit denen vermeintliche Kommunisten verunglimpft wurden. 2023 wurden die Eheringe von Bacall und Bogart für fast 200.000 Dollar versteigert.

Nicht ganz so glücklich verlief die Partnerschaft mit dem auf die zeittypischen Krimis spezialisierten Warner Studio. Nachdem sie einige Rollen abgelehnt hatte, überwarf sich Bacall mit Warner. In den 1950ern wurde sie gewissermaßen zur Freiberuflerin und wechselte mit den Studios auch die Rollenfächer. So war sie etwa in den Society-Komödien »Wie angelt man sich einen Millionär« (1953) und »Warum hab ich ja gesagt!« (1957), aber auch in Melodramen unter der Regie von Vincente Minelli (»The Cob Web«, 1955) oder Douglas Sirk (»In den Wind geschrieben«, 1956) zu sehen.

Sie drehte »Mord im Orient-Express« und wechselte zum Broadway, wo sie Triumphe feierte

Nach Bogarts Tod heiratete Bacall zum zweiten Mal - die Ehe mit dem Schauspielerkollegen Jason Robards (»Spiel mir das Lied vom Tod«), Vater ihres Sohnes Sam, scheiterte nach wenigen Jahren. Sie drehte 1974 »Mord im Orient-Express« und wechselte zum Broadway, wo sie in Erfolgsstücken wie »Die Kaktusblüte« Triumphe feierte.

Im Kino war die Schauspielerin, deren Autobiografie »Lauren Bacall by Myself« die Kritik durch einen angenehm unprätentiösen Tonfall bestach, noch lange präsent, wenn auch nicht alle ihrer Filme das deutsche Publikum erreichten. 2003 und 2005 stand sie für den renommierten und umstrittenen Arthouse-Regisseur Lars von Trier in »Dogville« und »Manderlay« von der Kamera. 2009 erhielt sie einen Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk.

Unter der Regie von Paul Schrader spielte sie 2007 in »Walker«, da war sie schon über 80. Immer wieder war ihre berühmte, rauchige Stimme zu hören - wie in dem japanischen Animationsfilm »Das wandelnde Schloss« oder in der kultigen TV-Serie »Family Guy«. Sie starb am 12. August 2014, kurz vor ihrem 90. Geburtstag, an den Folgen eines Schlaganfalls.

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  11.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026

New York

Familie orthodoxer Jugendlicher verklagt Uber nach mutmaßlicher Vergewaltigung

Ein Uber-Taxichauffeur soll das minderjährige Opfer transportiert und damit gegen Regeln verstoßen haben, bevor es zu dem Sexualverbrechen kam

 11.05.2026

London

Mann nach antisemitischem Angriff angeklagt

Der 34-Jährige soll in Enfield mehrere Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft bedroht, beleidigt und attackiert haben

 11.05.2026

London

Tausende demonstrieren gegen Judenhass

Die Kundgebung nahe der Downing Street fand vor dem Hintergrund einer Serie antisemitischer Vorfälle und Angriffe in Großbritannien statt

 11.05.2026

New York

Abe Foxman gestorben

Der Holocaust-Überlebende und frühere ADL-Chef galt über Jahrzehnte als eine der bekanntesten Stimmen im Kampf gegen Judenhass in den USA

 11.05.2026

Kanada

B’nai Brith: »Jüdische Kanadier werden terrorisiert«

Kanada erlebt eine Serie antisemitischer Gewalttaten. Laut einer jüdischen Organisation ist das Jahr 2026 für die Gemeinschaft bereits jetzt das gewalttätigste in ihrer jüngeren Geschichte

 10.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Berlin

Daniel Libeskind warnt vor Judenhass und AfD-Erfolgen

In einem Interview kritisiert der Architekt die israelische Regierung und äußert Sorgen in Zusammenhang mit dem Erstarken der AfD in der Bundesrepublik. Auch spricht er über jüdische Identität

 08.05.2026