Österreich

Der Wiener und sein Blut

Triumphiert: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Foto: dpa

Zu den Klängen des Walzers »Wiener Blut« ließ sich FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Sonntagabend vor dem Rathaus der österreichischen Bundeshauptstadt feiern. Bei der Landtagswahl in Wien fuhren die Rechtspopulisten einen fulminanten Wahlsieg ein: Sie legten um 12,2 Prozentpunkte zu und landeten mit 27 Prozent der Stimmen auf Platz zwei hinter den Sozialdemokraten, die bisher die absolute Mehrheit hatten. Die FPÖ hält nun 28 der insgesamt 100 Sitze im Wiener Stadtparlament und schließt damit an ihre Hochzeiten in den 90er-Jahren an. Durch die Wahlkartenstimmen könnten sich allerdings noch leichte Verschiebungen ergeben. Das endgültige Ergebnis wird für kommenden Montag erwartet.

Plakatkampagne Der Titel des Walzers hatte bereits im Wahlkampf eine wichtige Rolle gespielt: Zu Beginn der Plakatkampagne hatte Strache den Slogan »Mehr Mut für unser ›Wiener Blut‹. Zu viel Fremdes tut niemandem gut« ankleben lassen. Die Integration sei gescheitert, weitere Zuwanderung nicht erwünscht, so der Haupttenor des FPÖ-Wahlkampfes. Die Hetze richtete sich vor allem gegen islamische Migranten. Christliche Serben hingegen umwarb Strache wie schon in den vergangenen Jahren.

Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant, sagte der Jüdischen Allgemeinen: »Es zeigt, dass mehr als jeder vierte Wiener nichts dabei findet, Kellernazis als FPÖ-Funktionäre in den Gemeinderat zu wählen.« Muzicant betonte aber auch: Es sei an der Zeit, dass die jüdischen Gemeinden in Europa aufhören, sich davor zu scheuen, gegen Islamismus aufzutreten – aus Angst, dann mit den Rechten in einen Topf geworfen zu werden. »Das Wahlergebnis zeigt, dass ein Viertel der Menschen in Wien ein Problem mit Muslimen hat.« Diesem Problem müsse man begegnen.

Besorgt über den Zustand der Demokratie und den »offensichtlichen sozialen Unfrieden« äußerte sich die jüdische Schriftstellerin Julya Rabinowich, die selbst als Kind aus der ehemaligen Sowjetunion nach Österreich zugewandert ist. In Wien sei nun klar, wie viele Wähler »Menschenhass und sogar Aufrufe zur Gewalt tolerieren und gut finden, obwohl man ihnen außer einem Kanal für ihre Wut keine einzige Lösung angeboten hat«.

Schweiz

Noah bleibt der beliebteste Jungenname

Kein anderer Jungenname wurde 2025 häufiger an Neugeborene vergeben. Bei den Mädchen setzte sich Sofia an die Spitze

von Nicole Dreyfus  24.08.2026

Österreich

Exodus über die Alpen

Zehntausende Juden flohen nach der Schoa über die Hohen Tauern nach Italien und weiter nach Palästina. Heute folgen ihre Nachfahren und andere Wanderer der historischen Route

von Pascal Beck  24.08.2026

Russland

Putins Doppelschlag gegen Jabloko

Die einzige Antikriegs-Partei wurde von der Wahl ausgeschlossen und ihr Anführer zu mehr als elf Jahren Straflager verurteilt

von Alexander Friedman  24.08.2026

New York

Gouverneurin Hochul fordert Mamdani auf, sich weniger auf Israel zu konzentrieren

In einem Interview legt die Gouverneurin des Bundesstaats New York dem Bürgermeister der gleichnamigen Metropole nahe, seinen Fokus auf das »Handwerkszeug der Stadtregierung« zu legen

 23.08.2026

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Philanthropie

Lauder-Stiftung lässt Förderung jüdischer Schulen in sieben europäischen Städten auslaufen

Zum Abschluss der jahrzehntelangen Förderung stellt die Ronald S. Lauder Foundation noch einmal 75 Millionen Dollar bereit. Die Strategie: Hilfe zur Selbsthilfe

 21.08.2026

Yotam Ottolenghi (l.) und Anthony Bourdain

Kulinarisches

Als Yotam Ottolenghi mit Anthony Bourdain einmal in der Wüste landete

Der israelisch-britische Koch erinnert sich zum Filmstart von »Tony« an seine Begegnung mit seinem berühmten amerikanischen Kollegen

von Katrin Richter  21.08.2026

Schweiz

»Death to Zionism«: Anti-Israel-Demo sorgt in Basel für Unruhe

Ausgerechnet am Jahrestag des Ersten Zionistenkongresses soll eine Kundgebung stattfinden, bei der die Vernichtung Israels propagiert wird

 20.08.2026

Wien

Sieben Tage vermisst

Das Verschwinden zweier Israelinnen löste eine groß angelegte internationale Suchaktion aus. Die Geschichte aus realer Angst, einer Nachrichtensperre und wilden Gerüchten hat zwei Versionen

von Sophie Albers Ben Chamo  20.08.2026