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Der neue Star im Silicon Valley

Das Wagemutige hat bei ihm System: Sam Altman Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

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Der neue Star im Silicon Valley

Sam Altman brach sein Studium ab und »erfand« das KI-Dialogsystem ChatGPT. Wer ist dieser Mann?

von Ralf Balke  25.03.2023 19:21 Uhr

Pulitzer-preisverdächtig ist das Ganze wirklich noch nicht. »Sam Altman wurde 1985 geboren und ist ein amerikanischer Unternehmer und Investor«, so fängt der Text an, den ChatGPT innerhalb weniger Sekunden präsentiert, wenn man das Programm um eine 100 Wörter lange Biografie des Gründers von OpenAI mitsamt einigen Zitaten bittet. Das Unternehmen hat das Künstliche-Intelligenz-basierte Dialogsystem entwickelt.

»Er ist der ehemalige Präsident von Y Combinator, einem der einflussreichsten Start-up-Inkubatoren der Welt«, heißt es dann weiter. »Altman gründete auch Loopt, ein soziales Netzwerk, das später von Green Dot erworben wurde. Altman hat oft betont, wie wichtig es ist, Risiken einzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: ›Sie müssen bereit sein, alles zu riskieren, um wirklich etwas zu erreichen‹, sagte er. Er ist auch ein Verfechter der Künstlichen Intelligenz und sagte einmal: ›Ich denke, dass die KI die nächste große Welle der Innovation in der Technologiebranche sein wird.‹ Altman ist bekannt für seine Vision und seine Fähigkeit, andere zu inspirieren. Er sagte einmal: ›Ich denke, es ist sehr wichtig, eine große Vision zu haben. Man muss glauben, dass man etwas erreichen kann, das größer ist als das, was man gerade tut.‹«

KARRIERE Einige wichtige Karrierestationen von Sam Altman nennt die KI auch. Doch über die Person, die bis vor wenigen Monaten allenfalls Investoren und einige Internet-Nerds auf dem Radar hatten, erfährt man erst einmal relativ wenig. Weitere Fragen wären nötig. Dabei ist der 37-Jährige gerade der neue Star im Silicon Valley. Kaum war ChatGPT am 30. November 2022 an den Start gegangen, schossen die User-Zahlen sofort durch die Decke. Innerhalb von nur fünf Tagen meldeten sich rund eine Million Nutzer an, Ende Januar waren es bereits mehr als 100 Millionen.

Noch nie in der Geschichte des Internets hatte eine Software in so kurzer Zeit so viele Anwender gefunden. Und selten zuvor hat sie für derart heftige Diskussionen gesorgt. Denn das Programm, das Texte als Antwort auf eine Eingabeaufforderung generiert, wird von den einen gefeiert, weil es ihnen nervige Arbeit abnimmt. Andere dagegen befürchten den Untergang des Abendlandes. Ihrer Meinung nach werden Plagiaten, Verdummung und Desinformations-Kampagnen nun Tür und Tor geöffnet, da niemand mehr erkennen kann, ob Menschen oder die Künstliche Intelligenz als Autoren hinter den Texten stehen.

»Ich persönlich bekomme zu viel An-erkennung für OpenAI«, twitterte Altman noch am 8. Dezember 2022. »In einem Unternehmen wie dem unseren sind es die Forscher und die Ingenieure, die die Technik geschaffen haben und mehr Einfluss besitzen als der Chef. Wenn man unbedingt gratulieren will, dann ihnen.«

Altman vergleicht die Künstliche Intelligenz mit der Erfindung des Rades.

Das klingt erst einmal sehr nach Understatement für jemanden, der ansonsten viel darüber spricht, dass der technologische Fortschritt, den die KI seiner Meinung nach der Menschheit in den nächsten 100 Jahren bescheren wird, »weitaus größer sein dürfte als alles, was wir seit der Erfindung des Rades und der Kontrolle des Feuers gesehen haben«. Und er selbst versteht sich nicht nur als eine treibende, sondern auch gestaltende Kraft dahinter. Altman denkt die gesellschaftlichen Folgen gleich mit und sucht nach Lösungen. So erklärte er in einem Interview mit Bloomberg-TV: »KI wird uns die Gelegenheit geben, einen neuen Gesellschaftsvertrag zu formulieren und eine gerechtere Welt zu schaffen.«

Die Motive dafür sind in Altmans Vita zu finden. Für ihn hatte Technik stets etwas Emanzipatorisches, und das bereits seit seiner frühen Jugend. Schon im Alter von acht Jahren konnte der Sprössling einer jüdischen Arztfamilie aus Chicago, die nach St. Louis gezogen war, mit Computern nicht nur umgehen, sondern sie auch in ihre Bestandteile zerlegen und wieder zusammensetzen.

All das half ihm ebenfalls im Umgang mit seiner Homosexualität als Teenager. »In den Nullerjahren im Mittleren Westen schwul aufzuwachsen, war nicht unbedingt die schönste Erfahrung«, sagte er einmal in einem Gespräch mit dem Magazin »New Yorker«. »Die Entdeckung der Chatrooms von AOL war dabei sehr befreiend. Geheimnisse haben es schwer, wenn man elf oder zwölf Jahre alt ist.«

SCHEITERN Folgerichtig schrieb sich Altman dann auch nach der Highschool an der Elite-Uni Stanford für das Fach Computerwissenschaften ein, schmiss das Studium aber schon nach kurzer Zeit, um 2005 Loopt zu gründen, eine mobile Social-Media-Plattform, mit deren Hilfe Nutzer ihren Standort selektiv mit anderen Personen teilen können. Zwar floppte der Laden, aber Scheitern gilt in der Start-up-Szene bekanntermaßen nicht als Stigma, sondern als Ansporn zum Weitermachen.

Also steckte er eigenes sowie fremdes Geld in vielversprechende Unternehmen, und das mit enormem Erfolg. 2015 bereits listete Forbes ihn als einen der 30 wichtigsten Investoren im Alter von unter 30 Jahren. Darüber hinaus rief er eigene Start-ups ins Leben. So auch vor acht Jahren Open­AI. Bereits 2019 sah Microsoft das Potenzial und machte eine erste Milliarde Dollar für die KI-Pioniere locker. Und wenn die Meldungen von Bloomberg, die Ende Januar die Runde machten, stimmen, wird der Softwaregigant OpenAI nun wohl weitere zehn Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, um einige der KI-Anwendungen mit seinen eigenen Consumer- und Unternehmensprodukten zu verschmelzen.

Dieser Deal vermittelt ebenfalls Einblicke in das Denken von Altman. Denn laut Bloomberg wird Microsoft ungefähr die Hälfte der Finanzerträge von OpenAI erhalten, wobei eine nicht näher genannte Obergrenze ausgehandelt wurde. Alles, was mehr an Gewinnen erwirtschaftet wird, die Investoren und der Belegschaft von OpenAI vertraglich zustehen, soll in das Unternehmen zurückfließen, um so zu garantieren, dass man weiter als eine Non-Profit-Organisation agieren kann.

struktur »Um sicherzustellen, dass eine fortschrittliche KI der gesamten Menschheit zugutekommt, bleibt OpenAI ein gewinnorientiertes Unternehmen und wird von der OpenAI-Non-Profit-Organisation verwaltet«, heißt es dazu in einer Firmenmitteilung. »Diese Struktur ermöglicht es uns, das Kapital zu beschaffen, das wir benötigen, um unsere Mission zu erfüllen, ohne dabei unsere Kernüberzeugungen zu Fragen einer größtmöglichen Verteilung von Gewinnen und dem Vorrang von Sicherheit zu opfern.«

Altman hat auch schon recht konkrete Vorstellungen davon, wie diese Mission aussehen soll. Einer seiner Pläne ist die Schaffung einer neuen Kryptowährung als Basis für eine Art bedingungsloses Grundeinkommen, das weltweit funktio­niert, und zwar mithilfe eines biometrischen Scanners, der die menschliche Iris erfasst und sie identifiziert.

Er sagt, dass Tikkun Olam, die Verbesserung der Welt, eine Rolle in seinem Leben spielt.

Worldcoin nennt sich das Projekt, das jeder und jedem die Chance auf kostenloses Geld verspricht und laut eigener Webseite »Milliarden Menschen soziale und wirtschaftliche Chancen« ermöglichen könnte. Finanziert werden soll das alles durch die verstärkte Besteuerung von Vermögen oder einer jährlichen Unternehmensabgabe in Höhe von 2,5 Prozent des Marktwertes in einen Fonds – so Altmans Vision.

investition Das Wagemutige hat bei ihm System. Seit Jahren bereits investiert er in teils absurd, teils megalomanische Projekte, wie das Kernfusion-Start-up Helion oder den Hyperschallflieger Hermes. »Jeder will ins Weltall fliegen«, begründete er im Gespräch mit dem »New Yorker« seine Entscheidungen, die erst einmal sehr nach Luftgeschäft aussehen.

Wenn man wissen will, inwieweit Altmans jüdischer Hintergrund eine Rolle in seinem unternehmerischen Handeln spielt, kann man sich die zahlreichen Medienauftritte ansehen, in denen er sich dazu äußert. Oder man macht es sich einfach und fragt ChatGPT. »Sam Altman hat öffentlich über seine jüdischen Wurzeln gesprochen und wie sie seine Sichtweise auf die Welt und seine Arbeit beeinflussen«, erhält man da zur Antwort.

»In einem Interview mit der Zeitschrift ›J.‹ im Jahr 2017 sprach Altman darüber, wie er als jüdischer Mann in der Tech-Branche ein Gefühl der Verantwortung verspürt, positive Veränderungen in der Welt zu bewirken. Er sagte: ›Ich denke, es gibt eine lange jüdische Tradition des Tikkun Olam, der Reparatur der Welt, und ich denke, dass das eine Rolle in meinem Leben spielt.‹«

identität Weiter heißt es da: »Altman hat auch öffentlich über seine Erfahrungen als jüdischer Mann gesprochen, der in einer christlich geprägten Gesellschaft aufgewachsen ist. In einem Essay auf seiner persönlichen Webseite schrieb er: ›Als Jude in einer weitgehend christlichen Kultur aufzuwachsen, hat mir das Gefühl gegeben, dass ich immer ein wenig anders bin. Aber ich glaube, dass ich dadurch auch eine tiefere Verbindung zu meiner eigenen Identität und zu meiner Kultur habe.‹«

In einem weiteren Interview mit »J.« im Jahr 2021 sprach Altman darüber, wie seine jüdischen Wurzeln seine Arbeit bei OpenAI beeinflussen. Er sagte: »Ich denke, dass der jüdische Glaube und die jüdische Tradition eine starke Verbindung zum Lernen und zur Bildung haben. Wir glauben an die Wichtigkeit von Bildung und Wissen. Und das spiegelt sich auch in der Arbeit von OpenAI wider, wo wir uns darauf konzentrieren, Wissen und Verständnis zu schaffen, um Künstliche Intelligenz sicherer und nützlicher zu machen.‹«

Und so fasst ChatGPT über seinen Gründer zusammen: »Insgesamt scheint das Jüdischsein für Sam Altman ein wichtiger Teil seiner Identität und seiner Arbeit zu sein, der seine Sichtweise auf die Welt und seine Verantwortung als Unternehmer und Investor beeinflusst.«

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