Fußball-WM

Der Erfolg des José Pékerman

José Pékerman beim Spiel Kolumbien gegen Polen Foto: dpa

Fußball-WM

Der Erfolg des José Pékerman

Kolumbiens jüdischer Nationaltrainer führt sein Team zum 3:0-Sieg über Polen

von Hans-Ulrich Dillmann, Martin Krauss  25.06.2018 11:05 Uhr

Der polnischen Tageszeitung »Rzeczpospolita« war es eine Erwähnung wert: José Pékerman, Trainer der kolumbianischen Nationalmannschaft und am Sonntagabend glücklicher 3:0-Bezwinger Polens bei der Fußball-WM, ist Jude. Konkret und durchaus sympathisch schilderte das konservative Blatt, dass Pékerman, ein Kind jüdisch-ukrainischer Einwanderer nach Argentinien, auch eine polnische Großmutter hatte.

In der Tat ist der gebürtige Argentinier, der mittlerweile auch eine kolumbianische Staatsbürgerschaft hat, in gewisser Weise auch ein Kind osteuropäisch-jüdischen Fußballs. Nicht zuletzt, dass er seine erste fußballerische Ausbildung dem Makkabi-Club in Buenos Aires verdankt, in dem viele Zuwanderer spielten, deutet darauf hin.

achtelfinale Den deutlichen 3:0-Sieg seiner Mannschaft, der Kolumbien die schon verloren geglaubte Chance aufs Erreichen des Achtelfinales wiedereröffnete, widmete Pékerman dem nach einer Roten Karte gesperrten Verteidiger Carlos Sánchez. Der war nämlich bei Kolumbiens 1:2-Auftaktniederlage gegen Japan schon in der dritten Minute wegen Handspiels vom Platz gestellt worden.

Teilen der kolumbianischen Öffentlichkeit galt er deswegen als Schuldiger an der Niederlage. Pékerman aber erklärte: »Wir teilen diesen Sieg mit ihm, die ganze Mannschaft fühlt mit ihm.«

Weltklasse Als Profi spielte Pékerman in den 70er-Jahren in Argentinien und Kolumbien, bei der Asociación Atlética Argentinos Juniors und bei Deportivo Independiente Medellín. In beiden Ländern hat er auch meist als Trainer gearbeitet. Seit 2012 ist er kolumbianischer Nationaltrainer, von 2004 bis 2006 war er auch Trainer der argentinischen Auswahl, doch nach der WM in Deutschland trat er zurück. Seinem Ruf als Weltklassetrainer hat das nicht geschadet.

Sein akribischer Stil ist berühmt und berüchtigt, nichts überlässt er dem Zufall. Und wenn er scheitert, übernimmt er die Verantwortung, wie bei der Weltmeisterschaft 2006, als Argentinien bereits im Viertelfinale gegen die deutsche Elf verlor. Begründet hat er seinen Ruhm als Trainer der argentinischen Jugendnationalmannschaft, deren U20-Auswahl sich 1995, 1997 und 2001 den WM-Titel sicherte.

Belgien

Uni-Rektorin: »Haben bereits viele Partnerschaften verloren«

Die Besetzer verlangen einen vollständigen Boykott Israels und wollen weitermachen - obwohl die Uni-Leitung ihnen nun erneut entgegenkam

von Michael Thaidigsmann  15.05.2026

Jewrovision 2026

Die Nervosität steigt …

Schon bald gehen die Scheinwerfer an und 600 jüdische Jugendliche aus ganz Deutschland werden ihre Showacts zum Besten geben

von Nicole Dreyfus  15.05.2026

Genf

Ronald Lauder warnt vor Entfremdung zwischen Israel und der Diaspora

»Wir müssen bestehende Risse reparieren, bevor es zu spät ist«, sagt der Präsident des Jüdischen Weltkongresses

 15.05.2026

Nachruf

Mann mit Prinzipien

Ein halbes Jahrhundert lang stand »Abe« Foxman im Dienst der Anti-Defamation League, die Hälfte davon als ihr Chef. Nun ist der Schoa-Überlebende im Alter von 86 Jahren gestorben

von Michael Thaidigsmann  14.05.2026

Washington D.C.

Mehr als eine Million Dollar für Schutz jüdischer Einrichtungen in Los Angeles

Das Geld fließt ins Community Security Initiative Program. Das Projekt arbeitet mit jüdischen Einrichtungen zusammen und koordiniert Kontakte zu Sicherheits- und Rettungsbehörden

 12.05.2026

Jubilar

Architektur als Zeichen der Hoffnung - Daniel Libeskind wird 80

Das Jüdische Museum Berlin, der Masterplan für Ground Zero in New York: Für den Amerikaner ist Bauen Teil der Erinnerungskultur

von Sigrid Hoff  12.05.2026

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Runder Geburtstag

Meister der Linien: Architekt Daniel Libeskind wird 80

Er hat weltberühmte Gebäude entworfen – aber noch nie eines für sich selbst. Für den Architekten ist das gar kein Widerspruch, denn ihn interessiert ja etwas anderes

von Julia Kilian  11.05.2026