Nachruf auf Michael Lerner

»Der coolste und talentierteste Typ«

Michael Lerner in »The Baltimore Bullet« (1980) Foto: picture alliance / Everett Collection

Nachruf auf Michael Lerner

»Der coolste und talentierteste Typ«

Der brillante amerikanisch-jüdische Darsteller ist im Alter von 81 Jahren gestorben

von Imanuel Marcus  11.04.2023 13:20 Uhr

Am Pessach-Wochenende verbreitete der Schauspieler Sam Lerner eine traurige Nachricht in den sozialen Medien: Sein Onkel Michael Lerner starb demnach bereits am Samstag im Alter von 81 Jahren in Burbank, Kalifornien.

»Er war der coolste, selbstbewussteste und talentierteste Typ«, so der ebenfalls begabte Neffe Sam Lerner, der in die Fußstapfen von Michael Lerner trat und aus der TV-Serie »The Goldbergs« bekannt ist. »Jeder, der ihn kannte, weiß, wie verrückt er war – im besten Sinne. Wir haben Glück, dass wir seine Arbeit für alle Zeiten werden sehen können. RIP Michael, genieße deine kubanischen Zigarren, bequemen Stühle und einen endlosen Filmmarathon.«

Abschied Der emotionale Abschieds-Post des Neffen ist nicht übertrieben. Millionen Kinogängern und Fernsehzuschauern älterer Generationen ist Michael Lerner gut bekannt.

Geboren wurde er 1941 in Brooklyn. Seine Eltern waren Juden rumänischer Herkunft. Über seinen Vater sagte Lerner einst: »Er dachte, er sei Antiquitätenhändler, aber de facto war er Gerümpelverkäufer.« Die Schauspielerei liegt in der Familie Lerner offensichtlich in den Genen, denn Ken, der jüngere Bruder des Verstorbenen, ist ebenfalls Darsteller.

1991 wurde Michael Lerner für seine Rolle in »Barton Fink« für den Oscar nominiert.

Während seiner Zeit im Brooklyn College verkörperte Michael Lerner Willy Loman, die Hauptperson aus Arthur Millers »Death of a Salesman«, in einem Schultheaterprojekt. Danach fasste er einen Entschluss: Seinen Plan, Englischprofessor zu werden, warf er kurzerhand über Bord. Stattdessen wollte er auf Bühnen und vor der Kamera stehen. So kam es dann auch.

studium Dass er ein Stipendium für die University of California in Berkeley erhielt, war ein Glücksfall. Hier bekam er seinen Master in »Englisches Schauspiel«. Die Stapel an Shakespeare-Texten, die er auswendig lernen musste, waren mit Sicherheit astronomisch hoch. Dies galt erst recht, als er für zwei Jahre nach London ging, um sein Studium an der London Academy of Music and Dramatic Art fortzusetzen.

Die Mitbewohner seiner Londoner WG waren Yoko Ono und John Lennon. Auch daher tauchte Michael Lerner in einem von Yokos Experimentalfilmen auf: »Ich war in dem Film, ebenso wie Paul McCartney«, sagte Lerner einst. »Außerdem redete ich darin als Sprecher über Zensur und diesen ganzen Mist.«

In den späten 1960er-Jahren wurde er Teil des American Conservatory Theater in San Francisco. Dann, 1969, vollzog er den Sprung ins Fernsehen. In der populären Serie »MAS*H«, in der das amerikanische Militär durch den Kakao gezogen wurde, tauchte Lerner regelmäßig auf.

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Tankstellenbesitzer Ein gutes Jahrzehnt später, im Jahr 1981, war niemand geringerer als Michael Lerner in dem nicht jugendfreien Kinoklassiker »Wenn der Postmann zweimal klingelt« mit Jessica Lange und Jack Nicholson zu sehen. Als griechischer Tankstellenbesitzer, der seine Frau enttäuschte, überzeugte er ebenso wie in anderen Kino-Rollen.

Eine weitere Dekade später, 1991, wurde Lerner sogar für einen Oscar nominiert, für die Verkörperung des Film-Moguls Louis Mayer in »Barton Fink«. Die Liste an Filmen, in denen er mitwirkte, ist fast so lang wie das Telefonbuch von New York City. Sie reicht von »Alex in Wonderland« (1970) bis »Frankenstein’s Monster’s Monster, Frankenstein« (2019). Hinzu kommen zahllose Fernsehproduktionen.

Mit Michael Lerner verlor die Welt einen schlicht brillanten Darsteller, einen mit Persönlichkeit. Und einen, den es nur einmal gab.

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