London

Der Boykott fiel aus

Einige Tage, bevor vergangene Woche in London das israelische Filmfestival »Seret« eröffnet wurde, luden die Botschaften Israels und Deutschlands zu einer kleinen Veranstaltung. Anlass war der 50. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Man zeigte den Dokumentarfilm Farewell, Herr Schwarz. Darin erzählt die in Berlin lebende israelische Regisseurin Yael Reuvney ihre deutsch-israelische Familiengeschichte über drei Generationen.

Begleitet wurde die Veranstaltung von Zaungästen der »Boycott, Divestment and Sanctions«-Bewegung gegen Israel (BDS). Sie protestierten gegen das Filmfestival und riefen zum Boykott auf.

Angela Merkel Ins Fadenkreuz des BDS geriet an diesem Tag auch Deutschland, da Berlin das »rassistische Apartheidsregime«, so die Demonstranten, mit der Lieferung von U-Booten unterstütze. Auf Plakaten wandten sich die Demonstranten auch an Bundeskanzlerin Angela Merkel – mit der zynischen Frage, ob denn »zwei Weltkriege und Millionen Tote nicht genug« seien. Die inhaltliche Verknüpfung des NS-Regimes mit dem Staat Israel ist bei BDS Methode.

Am selben Tag veröffentlichte die britische Tageszeitung »The Guardian« einen Leserbrief, den rund 40 renommierte Filmschaffende unterzeichnet hatten, unter ihnen der Drehbuchautor und Regisseur Ken Loach sowie der Schauspieler Mike Leigh. Darin riefen sie die beiden Kinoketten Curzon und Odeon sowie die British Academy of Film and Television (Bafta) auf, »Seret« keine Bühne zu geben.

Die Künstler begründeten den Boykottaufruf damit, dass der Staat Israel »das Festival fördert und finanziell unterstützt«. Indem die Kinos sich als Gastgeber zur Verfügung stellen und »vom Geld des israelischen Staates profitieren, ignorieren sie den Ruf der palästinensischen Zivilgesellschaft von 2004 nach Sanktionen gegen Israel« und würden »zu stillen Komplizen der Gewalt gegen das palästinensische Volk«.

Jerusalem Die Gründerinnen des Festivals, Anat Koren, Odelia Haroush und Patty Hochmann, standen dem Aufruf gelassen gegenüber. Sie dankten der Regierung in Jerusalem, dass sie »dabei hilft, Israels Kreativität einem britischen Publikum zu präsentieren«. Das Festival sei »ein Schaufenster für die vielen Stimmen in ganz Israel, einschließlich der arabischen Israelis und der Palästinenser sowie religiöser und weltlicher Gruppen«.

Auch die Kinokette Curzon reagierte auf den Boykottaufruf. Man vermiete das ganze Jahr über an viele verschiedene Festivals, hieß es in einer Erklärung. »Wir haben es bisher nicht in Betracht gezogen, Fragen zur Finanzierung eines Festivals zu stellen und betrachten die Buchung eines Festivals nicht als politische Stellungnahme.«

Zu keiner Zeit hatten die Organisatoren des »Seret«-Festivals daran gezweifelt, auch in diesem Jahr wieder israelische Filme in London zu zeigen. Jerusalems Botschafter in Großbritannien, Daniel Taub, hob bei der Eröffnung des Festivals am vergangenen Donnerstag hervor, worum es bei »Seret« vor allem gehe: darum, »Brücken zu bauen«.

Von unerwarteten Brücken erzählte Regisseur Lior Raz, dessen Fernsehserie Fauda (2014) beim Festival gezeigt wurde. Der Film erzählt von israelischen Spezialeinheiten, die verdeckt unter Palästinensern leben und operieren.

Raz sagt, die Hamas habe die Serie als gefährliche Propaganda eingestuft, die Palästinenser auf keinen Fall anschauen sollen. Doch sie taten es. Raz berichtete beim Festival davon, dass er auch von palästinensischen Zuschauern Mails erhalten und sich so ein Dialog eröffnet habe.

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