USA

Datteln, Dank und Diskussionen

Moderne Tu-Bischwat-Haggadot wollen dem Neujahrsfest der Bäume neuen Sinn geben

von Daniela Breitbart  22.01.2013 10:16 Uhr

Betont den mystischen Aspekt von Tu Bischwat: Debra Whitalls Haggada

Moderne Tu-Bischwat-Haggadot wollen dem Neujahrsfest der Bäume neuen Sinn geben

von Daniela Breitbart  22.01.2013 10:16 Uhr

Was wäre ein Feiertag ohne festliches Essen? Äpfel und Honig an Rosch Haschana, Hamantaschen an Purim, Latkes an Chanukka und Mazzot an Pessach – der Verzehr symbolischer Speisen gehört zum Feiertag wie die Segenssprüche, die ihn begleiten. Jüdische Feiertage sind nicht nur eine spirituelle, sondern auch eine sinnliche Erfahrung.

Tu Bischwat ist da keine Ausnahme. An diesem Tag, dem Neujahrsfest der Bäume, werden Nüsse und Früchte gegessen, vor allem solche, die in Israel wachsen und gedeihen: Oliven, Datteln, Feigen, Granatäpfel und viele mehr.

Tradition Im 16. Jahrhundert entstand in kabbalistischen Kreisen um Rabbi Yitzchak Luria aus Safed die Tradition, einen speziellen Seder abzuhalten, der, nach dem Vorbild von Pessach, den Genuss von vier Gläsern Wein (oder Traubensaft) sowie den Verzehr bestimmter Baumfrüchte in einer festgelegten Reihenfolge vorschrieb.

Die geschriebene Anleitung zu einem solchen Seder wird Haggada genannt, und weil es weder eine traditionelle Erzählung noch eine besondere Liturgie für Tu Bischwat gibt, können die Autoren ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Die amerikanische Sektion des Jewish National Fund (JNF) hat auf ihrer Website fünf Haggadot zum Herunterladen zusammengestellt.

Die vom JNF selbst herausgegebene Haggada »Branch Out« richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche und bietet einen eher spielerischen Zugang zum Feiertag. Alle Segens- und Danksprüche sind bebildert und auf Hebräisch und Englisch präsentiert. Die Haggada enthält Spiele, Tänze, Lieder, Rätsel und Rezepte.

Weniger als praktische Anleitung denn als Einführung in den Feiertag hat Rabbinerin Bonnie Lee Leavy ihre Haggada konzipiert. In einem durchgehenden Fließtext schildert sie den geschichtlichen und philosophischen Hintergrund von Tu Bischwat, den sie mit persönlichen Interpretationen und Anekdoten ergänzt.

Umweltschutz Eine sehr moderne Form der Haggada ist die sogenannte Umwelt-Haggada. Sie umfasst neben den traditionellen Segenssprüchen und Anleitungen wissenschaftliche Fakten zum Thema Wald und Wasser, Umweltschutz und Ökologie. Jedem Abschnitt folgen praktische Tipps zum Vermeiden von Luftverschmutzung und Wasserverschwendung sowie Fragen für Diskussionsrunden.

Debra Whitall betont in ihrer Haggada »Celebrating the Tree of Life« den mystischen Aspekt von Tu Bischwat. Sie kreist konsequent um das Baumthema und zitiert dabei nicht nur die Tora, Rabbiner und den Zohar, sondern auch Gandhi, chinesische Sprichwörter und Woody Allen. Die studierte Forstwissenschaftlerin will die Verbindung von Judentum und Natur aufzeigen. »Ich befürchte, dass wir immer städtischer werden und die Verbindung zur Natur verlieren«, sagt sie und klagt: »Tu Bischwat ist ein so wichtiger Feiertag – aber er bekommt viel zu wenig Aufmerksamkeit.«

Tatsächlich führen nicht alle Gemeinden die Seder-Tradition fort, wie Rabbiner Mark Zimmerman von der Gemeinde Beth Shalom in Atlanta bestätigt: »Wir haben den Seder eingestellt, weil wir nicht genug Interessenten hatten.«

Österreich

Sieben Räume Liebe

Von Lilith bis Leidenschaft: Die Ausstellung »Love me Kosher« im Jüdischen Museum Wien

von Stefan Schocher  02.10.2022

Italien

»Warum jetzt schon verurteilen?«

Nach der Wahl der rechtsextremen »Fratelli d’Italia« zeigt sich die jüdische Gemeinde abwartend

von Daniel Mosseri  01.10.2022

Mexiko

»Jüdische Taliban« fliehen aus Haft

Rund 20 minderjährige Mitglieder der Lev-Tahor-Sekte türmen aus staatlicher Unterbringung im Süden des Landes

 30.09.2022

Nach Haftentlassung

Putin-Kritiker verlässt Russland

Der jüdische Oppositionelle Leonid Gosman ist wieder frei und nach Israel ausgereist

 29.09.2022

Jerusalem

Wie viele Juden weltweit gibt es?

Die Jewish Agency for Israel hat ihre neue Statistik vorgestellt

 28.09.2022

Moskau

Düstere Botschaft von Putin an Russlands Juden

Rosch-Haschana-Gruß aus dem Kreml klingt wie eine Drohung – Jerusalem verurteilt Referendum in der Ostukraine

von Sabine Brandes  28.09.2022

Interview

»Kanonenfutter für Putin«

Der israelische Historiker Samuel Barnai über die Folgen von Putins Teilmobilisierung und der Scheinreferenden in den besetzten ukrainischen Gebieten

von Michael Thaidigsmann  28.09.2022

Italien

»Parallelen zu den 30er-Jahren«

Vor den Wahlen äußern sich Juden in Südtirol besorgt und wütend über die postfaschistische Partei »Fratelli d’Italia«

von Blanka Weber  25.09.2022

USA

Süße Frucht fürs süße Jahr

Im Süden Kaliforniens werden Granatäpfel angebaut – auch für Rosch Haschana

von Daniel Killy  24.09.2022