Rumänien

Bukarest entschädigt

Parlament in Bukarest Foto: Thinkstock

Am Dienstag hat das rumänische Parlament ein Gesetz verabschiedet, auf das viele Juden lange gewartet haben. Es soll die Rückgabe von Eigentum regeln, das während der Schoa konfisziert wurde. »Immer mehr Länder erkennen, dass es dringend notwendig ist, den Restitutionsprozess abzuschließen, solange die Holocaust-Überlebenden noch da sind«, erklärte Gideon Taylor, Chef der World Jewish Restitution Organisation (WJRO).

Ob das rumänische Gesetz tatsächlich die zügige Rückgabe allen während der Schoa konfiszierten Eigentums bedeuten wird, bleibt abzuwarten. Denn anders als das serbische Pendant, das das Parlament in Belgrad im Februar verabschiedete, stellt das rumänische Regelwerk keinen Sonderfonds zur Verfügung. Vielmehr wird durch den beschlossenen Text eine Eilverordnung der Regierung bestätigt. Demnach sollen die Ansprüche von Schoa-Überlebenden vorrangig behandelt werden.

Diktatur Seit mehr als 20 Jahren bemüht sich Rumänien, die vielen Eigentumsfragen seiner Vergangenheit zu klären. Neben den rund 40.000 noch offenen Restitutionsansprüchen aus der jüdischen Gemeinde, die sich auf die Zeit der Schoa beziehen, bleiben mindestens 100-mal so viele Fälle ehemaliger Eigentümer jüdischer sowie nichtjüdischer Herkunft, deren Immobilien während der sozialistischen Diktatur konfisziert und bis heute nicht zurückgegeben wurden. Darüber hinaus bestehen kollektive Ansprüche religiöser Gemeinden aller Art.

Die ersten Versuche, all diese Fragen zu regeln, hat Bukarest vor mehr als zehn Jahren unternommen, als dies ein wichtiger Punkt in den EU-Beitrittsverhandlungen war. Doch schnell stellte sich heraus, dass die verfügbaren Ressourcen nur für einen Bruchteil der Ansprüche reichen. Vielerorts sind die konfiszierten Gebäude mittlerweile abgerissen worden, sodass nur eine finanzielle Entschädigung infrage kommt.

aktien Auch konnten die damaligen Eigentümerverhältnisse oft nicht hinreichend rekonstruiert werden, was zu langwierigen Prozessen und nicht selten auch zu Missbrauchsfällen führte. Trotzdem hielten die Gesetzgeber am Prinzip fest, alle Ansprüche und Gruppen gleich zu behandeln und die Entschädigungssummen grundsätzlich nicht zu begrenzen. Bisher hat die jüdische Gemeinde rund 30 Millionen Euro in Form von Geld und Aktien zurückbekommen – ein Bruchteil der tatsächlich während des Holocaust konfiszierten Werte.

Pikant ist, dass die Evangelische Kirche der Siebenbürger Sachsen, die mit ihren Restitutionsansprüchen viel erfolgreicher war, heute vor massiven finanziellen Problemen steht: Die Verwaltung der zurückgegebenen Immobilien, zu denen viele Denkmäler zählen, ist nämlich alles andere als billig.

Auschwitz-Birkenau

»Ich war kein Kind mehr, ich war kein Mensch mehr, ich war A27633«

Gemeinsam mit der Gedenkstätte organisierte der Jüdische Weltkongress eine virtuelle Gedenkveranstaltung

 27.01.2021

Zürich

Reihentest in der Gemeinde

Am Donnerstag und Freitag werden Schüler und Mitarbeiter zweier jüdischer Schulen auf das Coronavirus getestet

 27.01.2021

Italien

Asteroid nach Auschwitz-Überlebenden benannt

Himmelskörper trägt künftig den Namen von Liliane Segre

 26.01.2021

Schoa

Namensschilder von Kindern in NS-Vernichtungslager Sobibor gefunden

Die Marken wurden von den Eltern gemacht, um ihre Kinder wiederzufinden

 26.01.2021

USA

UNO-Generalsekretär spricht zum Schoa-Gedenktag in New Yorker Synagoge

Antonio Guterres: »Wir müssen ein globales Bündnis gegen Antisemitismus schaffen«

 26.01.2021

Argentinien

Antisemitische Verfolgungsjagd

Fünf Tage nach einem gewaltsamen Angriff auf eine jüdische Familie wurden zwei Verdächtige festgenommen

 26.01.2021

Pandemie

Schweiz: Mutierte Corona-Variante an jüdischen Schulen

Laut Gesundheitsdirektion Zürich wurden insgesamt über 30 Menschen positiv getestet

 25.01.2021

Wien

Trauer um Arik Brauer

Der Universalkünstler starb im Alter von 92 Jahren

von Sandra Walder  25.01.2021

Österreich

Zurück an der Ringstraße

Als Kind musste Erika Freeman vor den Nazis aus Wien fliehen. Vor einigen Jahren kam sie zurück und pendelt heute zwischen New York und ihrer alten Heimat

von Peter Bollag  24.01.2021