Davos

Bergbahn vermietet keine Schlitten an Juden

Mit diesem Aushang teilte die Bergbahnbetreiberin »Pischa« mit, dass sie keine Sportgeräte an ihre »jüdischen Brüder« vermieten will Foto: Privat

Davos

Bergbahn vermietet keine Schlitten an Juden

In dem Schweizer Kurort werden Juden immer wieder diskriminiert

 12.02.2024 09:43 Uhr

Die schwierige Geschichte von Davos mit seinen jüdischen Gästen ist seit gestern um ein Kapitel länger. Die lokale Bergbahnbetreiberin »Pischa« ging nun gar so weit, dass sie keine Sportgeräte mehr an Juden zu vermieten will. In einem auf Hebräisch verfassten Aushang steht: »Aufgrund diverser sehr ärgerlicher Vorfälle, darunter auch des Diebstahls eines Schlittens, vermieten wir keine Sportgeräte mehr an unsere jüdischen Brüder.« Die JA konnte mit einem orthodoxen jüdischen Touristen in Davos sprechen, der von einem Bekannten darauf aufmerksam gemacht worden ist.

Im Gespräch mit der JA erzählt S. R., der nicht namentlich genannt werden möchte, dass ein Freund von ihm ein Airboard, einen Luftkissenschlitten, bei der Bergbahnstation mieten wollte. Als dieser den Aushang ignorieren und das Gerät gegen Bezahlung anmieten wollte, erklärte ihm das Personal vor Ort, man könne an ihn als Juden nicht vermieten. Auf die Frage warum, wurde der Wintergast auf den Aushang verwiesen, mit der Erklärung, das sei die Entscheidung des Managements, man könne nichts machen. Auf Anfrage der Schweizer Pendlerzeitung »20 Minuten« bestätigt das Management den Aushang und das Vermietungsverbot an Juden. In einem Schreiben: »Wir wollen den täglichen Ärger nicht mehr und machen darum von unserem Recht Gebrauch, zu entscheiden, wer unser Eigentum mieten kann und wer nicht«, heißt es im Statement.

Die Schweizer Polizei hat die Ermittlungen wegen einer möglichen Diskriminierung aufgenommen, sagte ein Polizeisprecher. Beamte hätten demnach den Zettel begutachtet.

Offenbar machte die Bergbahn mit einigen jüdischen Gästen keine guten Erfahrungen. »Wir müssen dann die Schlitten wieder einsammeln, sofern sie noch zu finden sind.« Ein anderes Beispiel, das genannt wird, ist, dass Schlitten und Airboards gar nicht mehr oder defekt zurückgebracht werden. »Wir wollen das Risiko nicht mehr tragen, dass irgendwann einer dieser Gäste einen schweren Unfall baut und uns dafür zur Rechenschaft zieht.«

In der Stellungnahme betont die Bergbahn, dass sich die Gäste den Schweizer Regeln und Gepflogenheiten anpassen sollten. »Dass wir ihnen nichts mehr vermieten wollen, hat nichts mit Glauben, Hautfarbe oder persönlichen Neigungen zu tun, sondern nur damit, dass wir keine Lust mehr haben auf diese täglichen Diskussionen und Reibereien.« Fakt ist aber, dass aufgrund des angeblichen Verhaltens von Einzelnen alle Juden ausgeschlossen werden sollen. Offensichtlich empfindet man in Davos die Diskriminierung aller jüdischen Gäste als normal und als gutes Recht.

Manch einer fühlt sich da an dunkle Zeiten erinnert. Auf Anfrage der JA zeigt sich der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) schockiert: »Dass ein solches Schreiben öffentlich aufgehängt wird, ist erschreckend. Der Inhalt ist höchst diskriminierend und antisemitisch. Auch wenn das Unternehmen vereinzelte schlechte Erfahrung gemacht haben sollte, ist das kein Grund dafür, diese zu pauschalisieren.« Der SIG prüfe nun weitere Schritte.

In Davos mag man offenbar keine jüdischen Gäste. Seit Jahren kommt es im beliebten Ferienort in den Schweizer Bergen zu Konflikten zwischen jüdischen orthodoxen Gästen und den Tourismus-Verantwortlichen vor Ort. Erst im letzten August gingen die Wogen hoch, als der Geschäftsführer des Tourismusverbandes »Destination Davos Klosters«, Reto Branschi, sagte, jüdische Touristen in Davos seien in besonderer Weise für die Vermüllung der Landschaft verantwortlich zu machen. Es sei, so Branschi damals im Interview mit der »Bündner Zeitung«, »auffällig, dass das Problem jeweils in den Hauptferien der orthodoxen jüdischen Gäste stark zunimmt. Dieses Phänomen sehen wir schon seit einigen Jahren.« Auch die JA berichtete.

Verantwortliche Touristiker vor Ort schließen offenbar gerne vom Verhalten einzelner auf die ganze jüdische Gästegruppe. Der nationale und internationale Aufschrei damals war groß. Dem Image von Davos als weltoffener Kurort hat das wohl kaum genützt. Aber offenbar gehört ein solches Verhalten in Davos zum guten Ton. Man zeigt sich weltoffen, und heißt am World Economic Forum (WEF) Vertreterinnen und Vertreter vieler Nationen willkommen – aber die Willkommenskultur endet offensichtlich dort, wenn es um jüdische Gäste geht.

Auch wenn die Bergbahnbetreiber vielleicht zur Rechenschaft gezogen werden, an der Tatsache, dass in Davos Juden offenbar unerwünscht sind, wird sich so schnell nichts ändern. Manch jüdischer Gast wird sich wohl in Zukunft zweimal überlegen, ob er seine Ferien in diesem Umfeld verbringen möchte. ja

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