Brüssel

»Barbarischer Akt«

Noch immer läuft die Fahndung nach dem Täter, der am Samstagnachmittag im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen ermordet hat, auf Hochtouren.

Bei den Opfern handelt es sich um ein Paar aus Tel Aviv, eine Französin und einen belgischen Museumsangestellten, der nach dem Anschlag schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde, dort aber am Sonntag seinen schweren Verletzungen erlag.

Reaktionen Der israelische Premier Benjamin Netanjahu sagte, das Attentat »ist das Ergebnis der ständigen Hetze gegen Juden und ihren Staat«. Avigdor Lieberman, israelischer Außenminister, nannte das Attentat einen »Terroranschlag«, der das Ergebnis »anti-israelischer und antisemitischer Hetze« sei.

»Diese abscheuliche Tat hat uns alle sehr erschüttert«, äußerte sich Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Sollte sich die Annahme bewahrheiten, dass es sich um einen gezielt antisemitischen Angriff handelt, wäre eine neue, brutale Dimension des irrationalen Menschenhasses erreicht, dem alle in Politik und Gesellschaft entschlossen entgegentreten müssten: »Gerade in Anbetracht der Europawahl ist dieser infame Angriff als ein Angriff auf uns alle zu deuten, den es absolut und eindeutig zu verurteilen gilt. Hier sind alle Menschen in unserem gemeinsamen europäischen Haus gefragt, nun Solidarität, Engagement und ehrliche Anteilnahme zu zeigen.« Er hoffe, so Graumann weiter, dass der Täter schnell gefasst werde. »In Gedanken und mit unseren Herzen sind wir bei den Angehörigen der Opfer. Ihnen gilt unser tiefes Mitgefühl.«

Julien Klener, Präsident des Consistoire Central Israélite de Belgique (CCIB), sprach von einem »Drama«.

Henri Gutman, Präsident des Centre communautaire laïc juif (CCLJ), verurteilte in einem offiziellen Statement die Tat als einen »barbarischen Akt«. Er hoffe, dass die Polizei alles dafür tun werde, dass eine solche Tat sich in Belgien nicht wiederhole.

Joël Rubinfeld von der Ligue belge contre l’antisémitisme (LBCA) nannte es einen »terroristischen Akt«. Das Attentat sei das unvermeidbare Resultat einer von Hass aufgeladenen Stimmung.

Ronald S. Lauder, Präsident des World Jewish Congress, bezeichnete die Tat als »abscheulichen Akt des Terrors, der auf Juden ausgerichtet war«. Heute »trauere die gesamte jüdische Welt um die unschuldigen Opfer, die ihr Leben bei diesem schrecklichen Angriff verloren haben«.

Toulouse Lauder stellte auch eine Verbindung zu den Morden an einer jüdischen Schule in Toulouse vor zwei Jahren her. In der kommenden Legislaturperiode des europäischen Parlaments müssten die Politiker des Kontinents sich verstärkt gegen Antisemitismus einsetzen.

Moshe Kantor, Präsident des European Jewish Congress (EJC), forderte die Regierung auf, gesetzlich härter gegen Antisemitismus vorzugehen und die Sicherheit an jüdischen Einrichtungen zu erhöhen. Kantor sagte: »Der EJC hat seit zwei Jahren – seit den Morden an der jüdischen Schule in Toulouse – davor gewarnt, dass solche Taten immer wieder geschehen werden, wenn keine zusätzlichen Kräfte eingesetzt werden, um eine Sicherheit in unseren Gemeinschaften zu garantieren.«

Die belgische Innenministerin Joëlle Milquet verurteilte die Tat auf das Schärfste. Der belgische Außenminister Didier Reynders twitterte, er sei in Gedanken bei den Opfern.

Berlin Auch das Jüdische Museum Berlin hat mit Fassungslosigkeit auf den tödlichen Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel reagiert. »Unsere Gedanken sind bei den Opfern des Attentats und ihren Angehörigen«, erklärte Museumssprecherin Katharina Schmidt-Narischkin.

Die Gewalttat treffe »nicht nur die Verstorbenen, ihre Familien und die Mitarbeiter des Museums, sondern alle Besucher, die sich für Geschichte und Kultur des Judentums interessieren«. Zur Sicherheitslage rund um das Berliner Museum sagte die Sprecherin weiter, zwischen dem Museum und dem Landeskriminalamt Berlin bestehe seit Langem eine Kooperation in Sicherheitsfragen.

Die Berliner Polizei gewährleiste deswegen seither einen durchgängigen Objektschutz. »Seit den tragischen Ereignissen in Brüssel besteht erhöhte Aufmerksamkeit«, fügte sie hinzu. Darüber hinaus habe das Jüdische Museum Berlin seit Jahren einen privaten Sicherheitsdienst mit dem Objektschutz beauftragt und verfüge über technische Sicherheitseinrichtungen.

Tathergang Der mutmaßliche Täter soll kurz vor 16 Uhr mit einem Rucksack aus einem Audi ausgestiegen und in das Museum gelaufen sein, wo er das Feuer eröffnete. Dann soll er mit einem Auto geflüchtet sein.

Noch am Samstagabend wurde das Alarmniveau für jüdische Einrichtungen in ganz Belgien auf die höchste Stufe gehoben. Die Antwerpener Polizei hatte bereits unmittelbar nach der Tat ihre Wachsamkeit in den jüdischen Gegenden im Zentrum erhöht – »falls auch in Antwerpen etwas passieren sollte«, so eine Polizeisprecherin.

Als Reaktion auf den Anschlag wurde die abschließende Debatte der Spitzenkandidaten der belgischen Parteien am Vorabend der Parlamentswahl abgesagt.

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