Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Foto: picture alliance / SIPA

Lange Zeit präsentierte sie sich als Brückenbauerin zwischen Europa und den USA. Als einzige europäische Regierungschefin nahm sie an seiner Amtseinführung in Washington teil. »Trump-Flüsterin« wurde sie von einigen sogar genannt. Doch nun hat das eigentlich gute Verhältnis zwischen Italiens rechter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und US-Präsident Donald Trump deutliche Risse bekommen. »Die Brücke ist eingestürzt«, so beschreibt die italienische Zeitung »La Repubblica« das Verhältnis der beiden.

»Ich bin schockiert über sie. Ich dachte, sie hätte Mut. Ich habe mich geirrt«, sagte Trump der Zeitung »Corriere della Sera« am Dienstag in einem Telefoninterview. Meloni sei »nicht mehr dieselbe Person«. Außerdem sei sie es, die »inakzeptabel ist, weil es ihr egal ist, ob der Iran eine Atomwaffe hat und Italien in zwei Minuten in die Luft sprengen würde, wenn er (der Iran) die Möglichkeit dazu hätte«.

Am Tag zuvor hatte Meloni nach den verbalen Angriffen des US-Präsidenten den Papst verteidigt. Trumps harsche Kritik an den wiederholten Friedensappellen von Leo XIV. nannte sie »inakzeptabel«. Mit ihrer Reaktion ließ sich Meloni zunächst Zeit. Offenbar hatte sie gezögert. Bisher lautete ihr Motto mit Blick auf Trump: »Ich bin anderer Meinung, aber ich verurteile nicht«, wie es italienische Medien nennen.

Doch innenpolitisch geriet Meloni bereits vor geraumer Zeit wegen ihrer Beziehung zu Trump in ein Dilemma. Die Aktionen des US-Präsidenten lehnen zahlreiche Italiener vehement ab. Zuerst waren da der US-Angriff auf Venezuela und die Drohung in Richtung Grönland – inzwischen auch der Iran-Krieg. Einer vom TV-Sender »Sky TG24« Anfang März in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge lehnt die Mehrheit der Italiener diesen Krieg ab.

Beziehung zu Trump wurde zum Drahtseilakt

Die Forderungen aus der Opposition nach einer Verurteilung der Worte des US-Präsidenten gegen den Papst – und wohl auch der Blick auf die Umfragewerte – veranlassten Meloni dann doch zu einer direkten Reaktion: »Ich finde die Worte des Präsidenten gegenüber dem Heiligen Vater inakzeptabel«, ließ sie zahlreiche Stunden nach Trumps Post über ihr Büro ausrichten.

Seit Anfang des Jahres wurde ihre Strategie, sich als treue Verbündete und Freundin von Trump zu geben und zur gleichen Zeit die Interessen Italiens und der EU zu vertreten, zum Drahtseilakt. Vorsichtig distanzierte sie sich bereits im Januar vom US-Präsidenten nach dessen Zollankündigungen gegen mehrere EU-Länder im Grönland-Konflikt. Als »Fehler« bezeichnete sie diese, außerdem sagte sie, eine Militäraktion der USA würde sie »eindeutig nicht gutheißen«. Es war ihre erste offene Kritik am Vorgehen Trumps.

Der Ende Februar begonnene Iran-Krieg brachte Meloni dann erneut in Bedrängnis. Sie kritisierte zwar die iranische Staatsführung scharf, von Anfang an aber lehnte sie eine italienische Beteiligung an den amerikanisch-israelischen Angriffen auf die Islamische Republik ab. 

Spätestens nach ihrer Niederlage bei der Volksabstimmung über eine Justizreform Ende März dürfte Meloni klar geworden sein, dass ihr ihre bisherige Strategie innenpolitisch zum Verhängnis werden könnte. Einige Beobachter meinen, ihr Verhältnis zu Trump habe zur Niederlage bei dem Referendum beigetragen. Eine Woche nach der Abstimmung verweigerte Italien mehreren US-Flugzeugen die Landung auf dem Stützpunkt Sigonella auf Sizilien für den Krieg gegen den Iran.

Ist Melonis Distanz zu Trump die neue Strategie?

Bei Trump, der internationale Partner wiederholt dafür kritisiert hat, sich aus seiner Sicht nicht aktiver im Iran-Krieg einzubringen, dürfte sich Wut angestaut haben. Nun trifft die Wut auch jene Frau, die er zuvor überschwänglich lobte und unter anderem »unglaublich« und eine »sehr erfolgreiche Politikerin« nannte.

Trumps Attacke gegen Meloni sorgte in Italien für große Aufregung, sogar die sozialdemokratische Oppositionsführerin Elly Schlein zeigte sich solidarisch mit der rechten Regierungschefin. Nach dem ersten Schock meinen politische Kommentatoren aber, der jüngste Schlagabtausch könne Meloni innenpolitisch nützlich sein – und womöglich sogar Kalkül der Ministerpräsidentin gewesen sein. 

Die Beziehung zu Trump sei für Meloni zu einer »untragbaren Belastung und wachsenden Bedrohung für die Zustimmungswerte« geworden, schreibt die Zeitung »La Stampa«. Die Regierungschefin habe nun »ein Problem gelöst«.

Wenige Stunden vor der Breitseite aus Washington machte Meloni bei einer Weinmesse übrigens öffentlich, dass Italien eine Verteidigungsvereinbarung mit Israel aussetzen will. Aus Israel heißt es, das Memorandum habe sowieso kaum inhaltliche Substanz gehabt und die italienische Entscheidung habe entsprechend keine praktische Bedeutung. In Italien, wo Israels Vorgehen seit langem am Pranger steht, dürfte auch dieses Signal aber angekommen sein.

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Meloni kann sich vielleicht auch damit trösten, dass sie nicht die einzige europäische Regierungschefin ist, mit der sich Trump überworfen hat. Auch das Verhältnis zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron – erinnert sei an die Einladung Trumps zur französischen Militärparade am Nationalfeiertag – ist deutlich abgekühlt. Zuletzt äußerte sich Trump über Macron mehrfach abfällig – dieser sei ohnehin bald weg vom Fenster. Über Großbritanniens Premierminister Keir Starmer, mit dem er vor Monaten noch im Gleichklang von ihrem guten Verhältnis schwärmte, sagte er jüngst, man habe es eben nicht mit Winston Churchill zu tun.

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