Nachruf

Anne Franks Stiefschwester Eva Schloss mit 96 Jahren gestorben

Eva Schloss (1929 - 2026) Foto: picture alliance / empics

Die Holocaust-Überlebende und Bildungsaktivistin Eva Schloss, Stiefschwester von Anne Frank, ist tot. Sie wurde 96 Jahre alt. Schloss, die mehr als sieben Jahrzehnte in London lebte, engagierte sich bis ins hohe Alter für Erinnerungsarbeit und gegen Antisemitismus. Ihr Tod wurde am Samstag von ihrer Familie bestätigt.

Auch König Charles III. würdigte Schloss in einer persönlichen Erklärung. Der Monarch, der sie 2022 bei einem Besuch eines jüdischen Gemeindezentrums in Nordlondon kennengelernt hatte, erklärte, er und Königin Camilla hätten sie »zutiefst bewundert«. Er sei »privilegiert und stolz« gewesen, sie gekannt zu haben.

In seiner Erklärung schrieb der König weiter: »Die Schrecken, die sie als junge Frau erleiden musste, sind kaum vorstellbar. Dennoch widmete sie den Rest ihres Lebens dem Kampf gegen Hass und Vorurteile sowie der Förderung von Güte, Mut, Verständnis und Widerstandskraft.«

Lesen Sie auch

Deportation nach Auschwitz

Eva Schloss wurde 1929 als Eva Geiringer in Wien geboren und wuchs dort mit ihren Eltern und ihrem Bruder auf. Später lebte die Familie in Amsterdam, wo sie im selben Viertel wohnte wie Familie Frank. Dort lernte sie Anne Frank kennen. Als sich die Lage unter der deutschen Besatzung zuspitzte, tauchten die Geiringers über zwei Jahre hinweg an wechselnden Orten unter, bevor sie von einem NS-Sympathisanten verraten wurden.

An ihrem 15. Geburtstag wurde Eva Schloss gemeinsam mit ihrer Familie verhaftet, verhört und im Mai 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurden sie und ihre Mutter von Vater und Bruder getrennt. Beide wurden ermordet. Schloss selbst überstand das Lager gemeinsam mit ihrer Mutter.

Nach dem Krieg zog Eva Schloss nach Großbritannien, heiratete 1952 Zvi Schloss und gründete eine Familie mit drei Töchtern. Als ihre Mutter Elfriede 1953 Otto Frank heiratete, wurde Eva Schloss zur Stiefschwester von Anne Frank. In Interviews sprach sie später immer wieder über ihre Erinnerungen an sie. 2017 sagte sie: »Anne war viel reifer und erwachsener als ich. Sie besuchte eine Montessori-Schule und war mir im Schuljahr voraus. Ich ging auf eine ganz normale Schule.«

Lesen Sie auch

Österreichische Staatsbürgerschaft

Schloss war Mitgründerin und Ehrenpräsidentin des Anne Frank Trust, dessen Schirmherrin Königin Camilla ist. Über Jahrzehnte hinweg setzte sie sich international für Holocaust-Bildung ein und sprach vor jungen Menschen über ihre Erfahrungen. 2021 nahm sie im Alter von 92 Jahren wieder die österreichische Staatsbürgerschaft an.

In einer Erklärung schrieb ihre Familie, man hoffe, dass ihr Vermächtnis durch Bücher, Filme und Bildungsangebote weiterwirke. »Wir sind unglaublich stolz auf alles, wofür Eva stand und was sie erreicht hat – doch im Moment trauern wir«, hieß es.

Der Geschäftsführer des Anne Frank Trust, Dan Green, bezeichnete Eva Schloss als »ein Leuchtfeuer der Hoffnung und Widerstandskraft«. Ihr unermüdlicher Einsatz gegen Vorurteile habe das Leben unzähliger Menschen geprägt.

100. Geburtstag von Kardinal Lustiger

Der jüdische Kardinal: Zwei Welten in einem Leben

Den einen zu jüdisch, den anderen zu katholisch: Aron Jean-Marie Kardinal Lustiger vereinte Welten in sich, die in der Geschichte schmerzhaft gegensätzlich waren. Er lebte seine Doppelwelt und half, Brücken zu bauen

von Andrea Krogmann  15.09.2026

USA

Das süße Licht von Zusha

Seit 13 Jahren machen Shlomo Gaisin und Zack Goldschmiedt charedische Popmusik – mit Riesenerfolg

von Sophie Albers Ben Chamo  13.09.2026

Kino

Unter einem guten Stern

Jüdische Themen sind im französischen Kino immer wieder sehr gut aufgehoben. Auch »Nur ein kleines bisschen Glück« trifft mit Leichtigkeit mitten ins Herz

 11.09.2026

Kommentar

Ja, du bist gemeint!

Im Leben gibt es Menschen, die erkennen, was vor sich geht, und andere, die einfach blind den Trends folgen. Warum ich an der Seite meiner jüdischen Freunde stehe

von Boy George  11.09.2026

Rückkehr

Wiener Stadttempel nach Restaurierung wiedereröffnet

Nach mehr als zehn Monaten Bauzeit konnte die jüdische Gemeinde in Wien wieder in ihre Synagoge zurückkehren. Nun steht ein großes Fest an - auch zum runden Jubiläum des größten Gotteshauses seiner Art in Österreich

von Johannes Peter Senk  10.09.2026

9/11

Das Gift des Terrors

Ein Vierteljahrhundert nach den islamistischen Anschlägen auf Amerikas Zentren der Macht findet tatsächlich ein Regime Change statt. Allerdings nicht in den Täterländern, sondern in den USA. Ein persönlicher Rückblick

von Hannes Stein  10.09.2026

Schweiz

Neues Holocaust-Memorial in Bern

In Bern soll bis Ende 2027 eine Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus errichtet werden, das den Namen »Unfolded minute« trägt

von Nicole Dreyfus  09.09.2026

Emirate

Generation Golf

Dubai boomt als Reiseziel für Israelis. Doch schon vor dem Beitritt zu den Abraham-Abkommen ist eine Gemeinde gewachsen, für die der jüdische Alltag in einem arabischen Land Normalität ist

von Mark Feldon  09.09.2026

Meinung

Ein Sonntag genügt!

Was gehen uns in der Schweiz die Wahlen in Sachsen-Anhalt an? Auf den ersten Blick nicht viel. Auf den zweiten wird klar: Das Problem ist nicht nur die Partei selbst

von Zsolt Balkanyi-Guery  08.09.2026