Feuer

Zerstörung und Solidarität

Eine volle Woche lang wüteten die katastrophalen Brände in Israel. Die Feuer hinterlassen eine großflächige Schneise der Zerstörung: Mehr als 560 Wohnungen und Häuser in verschiedenen Ortschaften sind beschädigt oder zerstört sowie riesige Flächen von Park- und Waldlandschaft verbrannt. 180 Menschen wurden verletzt, die meisten von ihnen durch Rauchvergiftung. Glücklicherweise kam niemand ums Leben.

Am Montagabend verkündeten die Einsatzkräfte, dass sie zu ihrer normalen Routine zurückkehren, nachdem sie acht Tage lang rund um die Uhr 630 Brände in Israel und im Westjordanland bekämpft hatten. Fast 13.000 Hektar Wald-, Busch- und Parklandschaft brannten nieder, zahlreiche Wildtiere verendeten in den Flammen. Experten gehen davon aus, dass die Wiederaufforstung bis zu 30 Jahre dauern kann.

Am Dienstag vergangener Woche waren die ersten Feuer ausgebrochen, nach Angaben von Experten wegen der extrem trockenen Wetterverhältnisse der letzten Monate. Ab Mittwoch dann sollen Brandstiftungen hinzugekommen sein. Das Wort »Pyro-Terror« war in aller Munde. Mehr als 2000 Feuerwehrleute und Hunderte von Soldaten kämpften gegen die Feuer, 1,5 Millionen Tonnen Löschmittel wurden verstreut.

Carmel Vorläufige Schätzungen beziffern den Schaden auf rund zwei Milliarden Schekel, fast 500 Millionen Euro. Damit wäre es für den jüdischen Staat der teuerste Brand aller Zeiten. Das letzte verheerende Großfeuer war 2010 im Carmelgebirge ausgebrochen. Auch hier waren Tausende Hektar Waldfläche verbrannt. Doch damals hatte die Tragödie zudem 42 Menschen das Leben gekostet.

Die Feuerwehren aus Israel sowie Helfer aus Zypern, Spanien, Russland, den palästinensischen Gebieten, Ägypten, Frankreich, Jordanien, Griechenland, den USA, Kanada und der Türkei rückten sofort an, als die ersten Flammen züngelten. Präsident Reuven Rivlin und Premierminister Benjamin Netanjahu dankten allen Staatsoberhäuptern und Einsatzkräften für die herausragende und schnelle Unterstützung.

Haifa Haifa, die drittgrößte Stadt des Landes, ist am schlimmsten betroffen, mindestens 500 Unterkünfte sind unbewohnbar geworden. Große Flächen schwarzer verbrannter Erde schwelen noch immer in der Stadt, Tausende Bewohner sind obdachlos. Hier war Tvika Tsoran, Leiter des Bereichs Haifa der Heimatfront der israelischen Armee (Pikud HaOref), im Einsatz. »Unsere Aufgabe war es, Leben zu retten – und das ist uns gelungen«, lautet sein Fazit. Besonders lobt der Offizier die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden, Polizei, Feuerwehr, Armee und Stadtverwaltung. »Die Kooperation ist die Basis für alles Weitere. Und sie hat besser funktioniert, als ich es mir je habe träumen lassen. Die Synergien waren wirklich großartig. Pikud HaOref von heute ist nicht mehr wie noch vor einigen Jahren. Wir haben unsere Lektion gelernt.«

Die Heimatfront hat die Aufgabe, die Stadtverwaltung auf den Notfall, sei es Krieg, Erdbeben oder ein Großbrand, vorzubereiten. Und nur sie sei in der Lage, innerhalb von kürzester Zeit eine riesige Rettungs- und Hilfsaktion auf die Beine zu stellen, erläutert Tsoran. So seien die Soldaten schon eineinhalb Stunden nach dem ersten Notruf in Haifa eingetroffen. Dann seien die Einwohner über Internet, Radio und SMS informiert und die Rettungsmaßnahmen eingeleitet worden. »Wir liefern alles, ob es um Augentropfen für die Feuerwehrleute geht, Feuerlöscher für die Solda- ten, damit sie kleinere Brände löschen können, oder Drohnen, um die Feuerbewegungen aus der Luft zu beobachten.«

Doch nicht alles ist planbar. An nervenaufreibenden Momenten mangelte es nicht, wie der Leiter erzählt: »Der Stadtteil Romema war kurz davor, in Flammen aufzugehen, und wir standen mit unseren Teams mittendrin. Dann tauchte über uns plötzlich das Löschflugzeug aus Griechenland auf, schüttete riesige Mengen an Meerwasser über uns – und rettete uns so das Leben.«

Auch in den judäischen Bergen vor Jerusalem spielten sich dramatische Szenen ab. Hier waren mehrere Dörfer und Moschawim von Flammen eingeschlossen, Dutzende von Häusern sind völlig niedergebrannt. Eines davon ist das im ganzen Land beliebte Restaurant »Rama’s Kitchen«. Es brannte bis auf die Grundmauern nieder. Chefkoch Tomer Niv, der dort acht Jahre lang am Herd stand, sagte zu Reportern, während die Ruinen hinter ihm qualmten: »Wir haben versucht, es aufzuhalten. Die Feuerwehr war hier, doch die Flammen waren 20 Meter hoch. Was hier verbrannt ist, war für uns sehr wertvoll. Wir müssen das alles erst verdauen, ich kann im Moment gar nicht beschreiben, wie ich mich fühle.«

Hilfe Inmitten der verbrannten Erde blüht die Empathie im Land. Hunderte von Familien, jüdisch, muslimisch, drusisch, christlich, öffneten ihre Häuser für die Obdachlosen. Dutzende von Hilfsorganisationen waren sofort zur Stelle, um den Betroffenen mit Kleidung, Lebensmitteln und Geld unter die Arme zu greifen. Der Chef von Keren Kayemeth LeIsrael und dem Jewish National Fund, Danny Atar, versprach, dass seine Organisation sofort Wohneinheiten für Familien zur Verfügung stellen werde, die ihre Bleibe verloren haben.

Die Polizei gab an, dass etwa ein Drittel aller Brände wahrscheinlich absichtlich gelegt wurde. 50 Menschen wurden festgenommen, zwei arabische Israelis gestanden, lokale Feuer gelegt zu haben. Premierminister Netanjahu warnte, dass dies eine »neue Form des Terrors« sein könnte. Der einstige Premierminister Ehud Barak kommentierte dazu auf einer Veranstaltung: »Es ist klar, dass gegen Brandstifter und Anstifter mit eiserner Faust vorgegangen werden muss. Aber die Drahtzieher repräsentieren nicht die arabische oder palästinensische Bevölkerung.«

Ägypten Barak wies besonders auf die Hilfe hin, die sofort aus Jordanien, Ägypten und von der Palästinensischen Autonomiebehörde nach Israel gesandt wurde, sowie auf die zahlreichen arabischen Familien, die ihren jüdischen Nachbarn Unterschlupf boten.

Das betont auch Tsoran: »Die Zusammenarbeit mit den Helfern aus allen Ländern war einfach unglaublich. Besonders, als wir die 20 palästinensischen Feuerwehrleute getroffen und mit ihnen Hand in Hand gearbeitet haben, war es ein sehr emotionaler Moment. Das war fantastisch. Haifa ist ein Modell für Koexistenz. Hier sehen wir, dass es funktioniert.« Bei der Kooperation habe Politik keine Rolle gespielt. »Wenn man Leben rettet, gibt es keine Unterschiede«, ist der Offizier überzeugt.

Nach acht Tagen gibt die Einsatzleitung Entwarnung, die internationalen Helfer machen sich auf den Heimweg. Zurück bleibt inmitten des Schocks über die Zerstörung das gute Gefühl, dass man auf die Hilfe anderer zählen kann, wenn man sie braucht.

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