Gaza

Zehn Jahre nach dem Abzug

Caravillas im Süden Israels Foto: Flash 90

Zehn Jahre ist es her, dass die zweifarbige Revolution durch Israel schwappte. Das Land war tief gespalten. Die einen trugen Orange, die anderen Blau. Den Sommer 2005 beherrschte ganz der Rückzug aus dem jüdischen Siedlungsblock Gusch Katif im Gazastreifen, initiiert von dem damaligen Ministerpräsidenten Ariel Scharon – in der Hoffnung auf einen Frieden mit den Palästinensern.

Blaue Bänder und Aufkleber zierten die Autos und Taschen der Befürworter des Plans (Hebräisch: Hitnatkut). Orange war die Farbe der Gegner. Viele Israelis solidarisierten sich damals mit den Bewohnern der jüdischen Enklave, die nach dem Sechstagekrieg in den 70er-Jahren gegründet worden war.

Doch aller Protest half nichts. Im August wurden die 21 Gemeinden, die zu Gusch Katif gehörten, geräumt. Innerhalb von nur sieben Tagen wurden die 9000 Einwohner in andere Gegenden des Landes gebracht, der Großteil von ihnen in temporäre Behausungen in der südlichen Stadt Nitzan, die sogenannten Caravillas.

dramatisch Die meisten von ihnen waren freiwillig gegangen, hatten ihre Habseligkeiten gepackt und sich auf den Weg in die von der Regierung bereitgestellten Häuser gemacht. Doch es spielten sich auch dramatische Szenen ab: Gewalttätige Jugendliche beschimpften die Soldaten als Nazis, warfen Steine und verbarrikadierten sich. Aufgebrachte Mütter banden sich und ihre Kinder in ihren Häusern fest und mussten von den Soldaten schließlich weggetragen werden. Viele dieser Bilder haben sich bis heute tief in der israelischen Psyche eingebrannt. Es war eine schwere Zeit für alle Beteiligten.

Insgesamt wurden damals 1900 Häuser, 400 landwirtschaftliche Betriebe, 88 Schulen, Kindergärten und Betreuungseinrichtungen sowie 38 Synagogen zerstört. Nach Angaben der Gruppe »Freunde von Gusch Katif« leben zehn Jahre nach dem Abzug noch immer 34 Prozent der einstigen Siedler in den Caravillas. Eigentlich hätten diese nur für einige Monate Unterkunft sein sollten. Doch auf ihre permanenten Häuser warten die Bewohner immer noch. Genauso wie auf den Frieden mit den Palästinensern.

Jerusalem

Benjamin Netanjahu bei Wahl vorn - aber ohne Mehrheit

Bleibt der heutige Ministerpräsident an der Macht? Oder kommt es zum Regierungswechsel? Der Politikveteran gibt sich in der Wahlnacht trotz unklarem Ausgang siegesgewiss

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Israel

Wahltag in Blau-Weiß

Bis zuletzt warben die Parteien vor den Wahllokalen um Stimmen - und von denen gab es viele zu holen: Die Wahlbeteiligung war so hoch wie seit 1988 nicht mehr. Ein 94-Jähriger gab seine Stimme mit letzter Kraft ab und starb kurz darauf

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Eisenkot will Netanjahu ablösen

Netanjahus Likud liegt zwar laut ersten Prognosen vorn, doch seinem Lager fehlen viele Sitze zur Mehrheit. Ex-Militärchef Eisenkot will die Regierung ablösen – doch gelingt ihm das?

 27.10.2026

Knesset-Wahl

Lapid: Öffentlichkeit hat Netanjahu-Lager »nach Hause geschickt«

Netanjahus Likud-Partei wurde zwar laut Prognosen stärkste Kraft im Parlament, kommt aber mit ihren Partnern nicht auf eine Mehrheit. Die Opposition sagt, seine Regierung sei damit »gefeuert«.

 27.10.2026

Israel

Eisenkot-Lager liegt vor Netanjahu-Lager

Die Likud-Partei des Premiers wurde allerdings ersten Prognosen zufolge stärkste Kraft. Der Wahlausgang ist alles andere als eindeutig

 27.10.2026 Aktualisiert

Entscheidung

Keine längeren Öffnungszeiten trotz hoher Wahlbeteiligung

15 Stunden haben die Israelis Zeit, ihre Stimme abzugeben. Ein Antrag, die Abstimmung zu verlängern, scheiterte

von Sabine Brandes  27.10.2026

Knesset-Wahl

Überschwemmungen behindern Wahl im Süden Israels

Überflutete Zufahrtsstraßen, abgeschnittene Orte: Im Süden Israels kamen manche Einwohner nicht zu ihrem Wahllokal. Reicht die Zeit noch, bevor die kleinen Wahllokale schließen?

 27.10.2026

Israel

Wer wählt wen und warum?

Von unerschütterlicher Bibi-Treue bis zur Sehnsucht nach einem Neuanfang: Wir haben Israelis gefragt, wem sie ihre Stimme gegeben haben

von Sabine Brandes  27.10.2026