Beziehungen

Zarte Fühler

Kippa aus Kuba: Souvenir in der Adath-Israel-Synagoge in Havanna Foto: dpa

Israels Flagge ist wieder auf Kuba zu sehen – vorläufig allerdings nur an den Wänden des Jüdischen Gemeindezentrums in der Hauptstadt Havanna. Denn offiziell herrscht zwischen der sozialistischen Karibikinsel und dem jüdischen Staat seit September 1973 Eiszeit. Fidel Castro hatte kurz vor dem Jom-Kippur-Krieg die diplomatischen Beziehungen gekappt und unmittelbar nach Ausbruch der Kampfhandlungen Soldaten und Ausrüstungen nach Syrien entsandt. Für den eng mit Moskau verbündeten Máximo Lider, zu Deutsch »Größten Führer«, war Israel nichts anderes als ein Vasall der Vereinigten Staaten.

Umgekehrt unternahm Jerusalem mit Rücksicht auf Washington, das über Jahrzehnte hinweg eine rigorose Embargopolitik gegen Kuba fuhr, herzlich wenig, um den einmal abgerissenen Faden wiederaufzunehmen. Doch langsam scheint Bewegung in die Sache zu kommen.

Familienurlaub So bereiste im Oktober 2017 Kulturministerin Miri Regev die Insel. Es war der erste Besuch eines israe­lischen Kabinettsmitglieds in Havanna seit 1973. Das Ganze sei ausschließlich privater Natur, bemühte sich ihr Büro zu betonen. »Es handelt sich um einen Familienurlaub.« Auch das Außenministerium in Jerusalem erklärte, dass es keinerlei Absprachen gebe. Zudem soll es nicht zu Begegnungen mit offiziellen Vertretern gekommen sein.

Trotzdem mehren sich die Gerüchte um eine Wiederaufnahme der Beziehungen. Laut einem Bericht des israelischen TV-Senders Arutz 10 fanden mehrfach Treffen zwischen beiden Seiten statt – insbesondere, nachdem US-Präsident Barack Obama 2014 die alte Sanktionspolitik gelockert und wieder eine US-Botschaft auf der Insel eröffnet hatte.

Um gleichfalls die Möglichkeiten einer Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen auszuloten, griff Jerusalem wie bereits zuvor Washington auf die Dienste Kanadas zurück. Grünes Licht kam dazu von Dore Gold, dem Generaldirektor des israelischen Außenministeriums. Und bereits Mitte 2016 reiste Modi Efraim, dort zuständig für Lateinamerika, heimlich nach Kuba.

handel Themen der Gespräche waren nicht nur Tourismus und Handel. Israel bat die kubanische Führung, ihre Unterstützung israelfeindlicher Initiativen bei den Vereinten Nationen einzustellen. Im Gegenzug wünschte sich Havanna ein Ende der israelischen Beteiligung an der amerikanischen Sanktionspolitik. Doch dann wurde Donald Trump US-Präsident und änderte den Kurs seines Vorgängers. Und so wurde auch nichts aus dem israelisch-kubanischen Honeymoon.

»Natürlich haben wir ein Interesse daran, mit Kuba genau wie mit den anderen Staaten, die vor Jahren ihre diplomatischen Beziehungen zu uns abgebrochen hatten, neue Kontakte herzustellen«, erklärt Yoed Magen vom Außenministerium – und dort verantwortlich für Mittelamerika, Mexiko und die Karibik – ganz diplomatisch. »Aber das wird nicht einfach – und so ist es nun einmal.«

Dabei klang das 2016 noch etwas anders: »Wir haben unser Abstimmungsverhalten bei den Vereinten Nationen gegenüber Kuba ebenso wie die Amerikaner verändert. Wie auch immer – die Beziehungen zwischen den USA und Kuba sind eine Sache. Sie sind nicht ausschlaggebend für uns und wir garantiert nicht für sie. Es ist alles viel komplizierter.« Darüber hinaus machte Magen vorsichtige Andeutungen: »Wenn es wirklich geheime Gespräche mit Kuba wie kürzlich mit Nicaragua geben sollte, kann ich das nicht weiter kommentieren.«

Dabei ist – wie so oft – die Wirtschaft viel weiter als die Politik. So reiste auf Einladung der kubanischen Handelskammer vor einiger Zeit eine 14-köpfige Delegation israelischer Geschäftsleute auf die Karibikinsel, wo sie laut Gabriel Hayon, Chef der israelisch-lateinamerikanischen Handelskammer, herzlichst empfangen wurde. »Auf kubanischer Seite waren viele offizielle Vertreter an den Gesprächen beteiligt. Sie repräsentierten Bereiche, die uns besonders interessieren: Pharmazie, Tourismus sowie Landwirtschaft und Infrastruktur.« Dennoch erschweren die Nichtexistenz diplomatischer Beziehungen und der chronische Mangel an Devisen Investitionen.

Zitrusplantage Dabei war Antisemitismus nie ein Problem auf Kuba. Zwar leben nicht mehr wie vor einem Jahrhundert 24.000 Juden auf der Insel, sondern schätzungsweise nur noch zwischen 1000 und 2000 – die meisten davon in der Hauptstadt. Auch durften vor rund 20 Jahren im Rahmen der »Operation Zigarre« mehr als 400 kubanische Juden nach Israel auswandern.

Und Rafi Eitan, Ex-Mossad-Mann und Leiter der Jagd auf Adolf Eichmann, war nicht nur ein persönlicher Freund Fidel Castros; darüber hinaus hatte er handfeste wirtschaftliche Interessen auf der Insel. Mit seinem Unternehmen Grupo BM trimmte er eine 40.000 Hektar große Zitrusplantage auf Erfolg und mischte im Rahmen von Joint Ventures seither kräftig im Immobiliengeschäft mit.

»Es ist wohl kein Geheimnis, dass israelische Unternehmen, die auf Kuba irgendwie aktiv sind, das Embargo als Hindernis sehen«, sagt Ronen Peleg, Exportmanager bei Grupo BM. »Die meisten halten sich deshalb bedeckt, um keinen Ärger zu bekommen.«

Dabei hat Israel genau das zu bieten, was Kuba dringend braucht. »Ich glaube, dass israelisches Know-how viel dazu beitragen kann, Kubas Landwirtschaft zu modernisieren und die Erträge der Bauern zu verbessern«, zeigt sich Hayon überzeugt. Die vorsichtigen Annäherungen ließen ihn und andere Interessenten hoffen. Doch dann drehte Trump die Uhr wieder zurück. »Aber das sollte eigentlich nichts mit uns zu tun haben. Schließlich ist Kuba kein Feind von Israel mehr.«

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