Nachrichten

Wetter, Geld, Gewicht

Schön und nass: Herbst in Israel Foto: Flash90

Wetter
An diesem Wochenende war der Sommer endgültig vorbei. Nachdem die Menschen vor wenigen Tagen noch bei über 30 Grad in ihren Laubhütten schwitzten, mussten sie jetzt ihre Regenschirme und Pullover herausholen. Ein seltener tropischer Sturm fegte mit starken Niederschlägen über Israel und die Anrainer hinweg. Im Süden des Landes wurde vor Blitzfluten gewarnt, bei denen Wassermassen wie aus dem Nichts durch die Wüste donnern können. Sämtliche Naturparks und touristische Anlagen wurden aus Sicherheitsgründen geschlossen. Die Winde erreichten Geschwindigkeiten von mehr als 110 Kilometern pro Stunde, die Temperaturen sanken. Im Gazastreifen wurde der Notstand ausgerufen, in Ägypten starben elf Menschen bei Überschwemmungen.

Plan
Die Jewish Agency wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Aus diesem Anlass stellte sie am Wochenbeginn einen neuen strategischen Plan vor. Zukünftig will sich die Organisation vor allem auf die Verbindung zwischen Israel und den jüdischen Gemeinden in der Diaspora sowie die globale Bekämpfung von Antisemitismus konzentrieren. Neben Geldern zum Schutz von jüdischen Gemeinden außerhalb Israels soll ein Schwerpunkt auf die Kommunikation mit den Regierungen jener Länder gelegt werden, in denen Juden angegriffen werden, darunter auch Deutschland. Für den Kampf gegen Antisemitismus und Antizionismus an Universitäten sollen junge Schlichim (Gesandte) in die ganze Welt geschickt werden. Zuvor hatte sich die Jewish Agency fast ausschließlich um die Alija und Eingliederung von Juden in Israel gekümmert.

Gewicht
Die Israelis werden immer dicker. Ein aktueller Bericht der OECD zeigt, dass 50,9 Prozent der Bewohner übergewichtig sind, 27 Prozent sogar adipös, und warnt, dass die Lebenserwartung dadurch um durchschnittlich drei Jahre und vier Monate verkürzt wird. Einen besonderen Fokus legt die Studie auf Kinder, von denen bereits mehr als jedes dritte (35 Prozent) zu viele Kilos auf die Waage bringt. Diese Zahl ist wesentlich höher als in den meisten Mitgliedstaaten der OECD. Die Studie listet auch die Kosten auf, die durch die Behandlung der Gesundheitsprobleme aufgrund von Übergewicht entstehen: Rund zehn Milliarden Euro müssen jährlich aufgewendet werden – Tendenz steigend.

Hilfe
44 kurdische Kinder sind in diesem Jahr im Scheba-Krankenhaus in Israel behandelt worden. Sie erhielten dringend benötigte Hilfe und lebensrettende Operationen, die in ihren Heimatländern nicht durchgeführt werden können. Der neueste Patient ist ein dreijähriger Junge, der von israelischen Spezialisten am offenen Herzen operiert wurde. »Es ist schwer zu beschreiben, wie nett und herzlich die Kurden sind«, sagt David Mischali, Leiter der Herz-OP-Abteilung. Die Visa für die Kinder und ihre Eltern werden von der Organisation Schewet Achim besorgt, eine christlich-zionistische Gruppe, die Kindern im Irak, Syrien und Gaza zu lebensrettenden Herzoperationen verhilft. Seit 2003 sind mehrere Hundert kurdische Kinder durch die Organisation nach Israel gebracht worden.

Unfälle
Es war eines der tödlichsten Wochenenden auf Israels Straßen seit langer Zeit. Neun Menschen starben bei Unfällen, darunter zwei Teenager, die von Autos angefahren wurden, als sie auf Elektro-Rollern unterwegs waren. Ein Mann wurde tödlich verletzt, als er in der Stadt Beit Schemesch in einen geparkten Bus raste, ein anderer auf der Ayalon-Autobahn bei Tel Aviv, nachdem er mit seinem Motorrad liegen geblieben war und ihn ein Auto überfuhr. Zwei junge Menschen starben, als sich ihr Auto im Norden des Landes überschlug. Die Zahl der Verletzten in den vergangenen Tagen liegt bei mehr als 200. Nach offiziellen Angaben des Verkehrsministeriums starben 2019 bereits 275 Menschen, 38 mehr als in derselben Zeitspanne im Jahr zuvor.

Geld
Seit dem Jahr 2000 hat sich der Reichtum der Israelis mehr als verdoppelt und steht derzeit bei nahezu einer Billion Euro. Das gibt Credit Suisse im »Global Wealth Report 2019« an. Das Vermögen der Israelis ist mit 0,3 Prozent zwar nur ein kleiner Teil des gesamten Vermögens auf unserem Planeten, doch die Bevölkerung des kleinen Nahoststaates macht gerade einmal 0,001 Prozent aus. Allerdings gilt auch hier: Die Reichen werden reicher, die Armen ärmer. Derzeit gibt es 131.000 Millionäre im Land, in den kommenden fünf Jahren wird diese Zahl um mehr als 30 Prozent auf 174.000 steigen. Noch gelten die USA als wohlhabendste Nation, gefolgt von China.

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Oppositionspoker: Lapid will Eisenkot ins Team holen, Gantz kritisiert Bündnis

Das Bündnis »Gemeinsam« will mehr Parteien ins Boot holen, um die Chancen für einen Sieg gegen Benjamin Netanjahus Likud zu erhöhen

 29.04.2026

Aschkelon

Charedi-Extremisten stürmen Haus des Chefs der Militärpolizei

Gegner der Wehrpflicht auch für Ultraorthodoxe haben die Familie des IDF-Offiziers bedroht. Eine gefährliche »rote Linie« sei überschritten, sagt die Armee

 29.04.2026

Jerusalem

Haben die Raketenlieferungen nach Deutschland Israel gefährdet?

In Israel ist eine Diskussion über die Frage entbrannt, ob es richtig war, inmitten iranischer Raketenangriffe Arrow-Abfangraketen zu exportieren

 29.04.2026

Israel

Herzog setzt sich für Deal in Netanjahu-Prozess ein

US-Präsident Trump drängt darauf, dass der in einem Korruptionsverfahren angeklagte israelische Regierungschef Netanjahu begnadigt wird. Israels Präsident Herzog strebt eine Einigung an.

 28.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  28.04.2026 Aktualisiert

Israel

Gefängnis fürs Grillen

Mehr Strafen für Verstöße gegen »religiöse Disziplin«

von Sabine Brandes  28.04.2026

Nahost

Sa’ar: Israel hat »keine territorialen Ambitionen im Libanon«

Israels rechtsextremer Finanzminister Smotrich hat kürzlich gefordert, Israels neue Grenze im Norden müsse ein Fluss im Libanon sein. Israels Außenminister widerspricht.

 28.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026