Israel

Vierte Impfung für über 60-Jährige

Der nächste Booster-Shot soll jetzt in Israel erfolgen. Foto: Flash 90

Als erstes Land der Welt will Israel eine vierte Verabreichung des Corona-Impfstoffes für über 60-Jährige, einige Risikogruppen und medizinisches Personal anbieten. Premierminister Naftali Bennett rief alle Bürger, die die Kriterien erfüllen, auf, sich impfen zu lassen.

Er habe die Krankenkassen angewiesen, eine weitere breite Impfkampagne vorzubereiten. »Dies sind wunderbare Neuigkeiten, die uns helfen werden, die Omikron-Welle zu überwinden, die die Welt überschwemmt. Die israelischen Bürger haben als erste auf der Welt die dritte Impfdosis erhalten, und wir führen weiter mit der vierten«, so Bennett.

VIER MONATE Das Expertengremium, eine Regierungsbehörde namens »Pandemic Treatment Staff«, rät medizinischem Personal, Erwachsenen über 60 Jahre und anderen Risikogruppen, sich die vierte Dosis des Vakzins abzuholen, wenn seit der dritten Impfung mindestens vier Monate vergangen sind.

68 Prozent der Experten hatten den Schritt befürwortet. Die Entscheidung bedarf der endgültigen Zustimmung des Generaldirektors des Gesundheitsministeriums, Nachman Ash, bevor sie in Kraft tritt.

Derzeit wird am größten israelischen Krankenhaus zur Wirksamkeit einer vierten Impfung geforscht.

Israel war zuvor Pionier einer dritten Auffrischimpfung, hatte diese im Sommer für Risikogruppen eingeführt und schon wenige Wochen später auf die allgemeine Bevölkerung ausgedehnt, vor einem Großteil der übrigen Welt. Bis heute haben mehr als vier der rund neun Millionen Israelis den Booster erhalten.

ANTIKÖRPER Derweil wird am größten israelischen Krankenhaus, dem Sheba Medical Center, zur Wirkung einer vierten Impfdosis geforscht. Die Leitung erklärte, dass die Studie mit etwa 200 Freiwilligen durchgeführt wird, jedoch noch nicht veröffentlicht sei. Es ginge vor allem um die Anzahl der Antikörper nach einer vierten Spritze. Es sei die erste derartige Studie weltweit, die in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium durchgeführt werde.

Professor Galia Rahav, Leiterin der Abteilung für Infektionskrankheiten am Sheba und Mitglied des Expertengremiums, sagte, die Entscheidung, die zusätzlichen Booster zu empfehlen, sei »nicht leicht«, da nur wenige Daten vorliegen, die zeigen, dass der Schutz durch die dritte Impfung nachlässt. »Gleichsam aber gibt es erschreckende Zahlen aus der ganzen Welt«, sagte sie im Armeeradio und bezog sich auf den sich schnell ausbreitenden Omikron-Stamm.

Ein 75-Jähriger starb an der Delta-Variante – nicht an Omikron, gab das Gesundheitsministerium bekannt.

In Israel sind bislang 341 Omikron-Fälle bestätigt, mehr als 800 Infektionen werden »stark verdächtigt«, von der Variante herzurühren. Ein 75-jähriger Mann, der am Dienstag im Soroka Medical Center in Beersheba an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben war, hatte die Delta-Variante – und nicht Omikron, wie von israelischen Medien zuvor berichtet worden war. Das teilte das Gesundheitsministerium am Mittwoch mit.

Anfang der Woche waren die Neuinfektionen gestiegen. Mit 1004 Fällen war am Sonntag die höchste Zahl seit Oktober erreicht, am Montag lag sie bei 1306, am Dienstag bei 909. Die Positivrate der Coronatests liegt derzeit bei 1,1 Prozent. Währenddessen bleibt die Zahl der schwerkranken Patienten in israelischen Krankenhäusern bislang mit 80 relativ niedrig.

REISEVERBOTE Unterdessen hat das Corona-Kabinett Restriktionen zur Eindämmung von Infektionen erneuert, einschließlich einem Einreiseverbot für Ausländer bis zunächst Ende des Jahres, Reiseverboten in einen Großteil der Länder und die Beschränkung des Personals an öffentlichen Arbeitsplätzen auf die Hälfte.

Am Dienstagabend wurde außerdem beschlossen, Schulklassen in Orten mit hoher Inzidenz, in denen weniger als 70 Prozent der Schüler eine Erstimpfung erhalten haben, in den Fernunterricht zu schicken. Von Januar an müssen Eltern Kosten für Antigen-Tests für Schüler selbst übernehmen. Zusätzlich soll es nun doch striktere Maßnahmen für Einkaufszentren geben.

In eigener Sache

Jüdische Allgemeine depubliziert Texte von Stephan-Andreas Casdorff

Die Prüfung mit spezialisierter Software legt Nahe, dass zwei Kommentare des »Tagesspiegel«-Editor-at-Large in dieser Zeitung von einer KI geschrieben wurden

 15.06.2026

Nahost

Hisbollah: Waffenruhe gilt auch für Libanon

Die geplante 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran gelte auch für den Libanon, behauptet die Terror-Miliz. Doch eine Bestätigung gibt es dafür nicht

 15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Reisen

2,4 Millionen Israel-Flugtickets könnten storniert werden

Noch immer nehmen US-Maschinen den größten Teil des Ben-Gurion-Flughafens in Beschlag. Verkehrsministerin Regev warnt vor Schäden in Milliardenhöhe

von Sabine Brandes  15.06.2026

Rehovot

Israelis entwickeln neue Methode zur Suche nach außerirdischem Leben

Wissenschaftler des Weizmann-Instituts haben ein statistisches Analysewerkzeug entwickelt, das anhand von Molekülmustern erkennt, ob bestimmte Stoffe biologischen Ursprungs sind

 15.06.2026

Tel Aviv

Naftali Bennett: »Netanjahu kann es einfach nicht mehr«

»Er kann keine Kriege gewinnen. Er kann die Kriminalität nicht bekämpfen. Er kann die Preise nicht senken. Er kann die Ultraorthodoxen nicht in die israelische Gesellschaft integrieren«, sagt der Kandidat der Partei »Zusammen«

 15.06.2026

Kommentar

Die Welt atmet auf, viele Juden tun es nicht

Weder Hamas noch Hisbollah sind verschwunden. Das iranische Regime sitzt weiterhin in Teheran, mit derselben Ideologie, die den 7. Oktober verursacht hat

von Guy Katz  15.06.2026

Washington D.C.

Trump über Netanjahu: Er hat kein Urteilsvermögen

Der amerikanische Präsident beschwert sich über Israels jüngste Attacken auf Hisbollah-Ziele in der libanesischen Hauptstadt: »Warum musste Bibi einen verdammten Angriff durchführen?«

 15.06.2026

Palästinensische Gebiete

Abbas kündigt Präsidentschaftswahlen für 2027 an

Es wären die ersten seit 20 Jahren

 14.06.2026