Friedensverhandlungen

Tür für Gespräche offen

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe die Wahl: »Frieden mit Israel oder ein Abkommen mit der Hamas«, sagte Benjamin Netanjahu. Foto: Flash 90

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass sich die radikal-islamische Hamas und die laizistische Fatah zur Aussöhnung bereit erklären und Neuwahlen Grundlage für eine legitimierte Regierung in Gaza und der Westbank sein sollen. Zuletzt war das 2011 der Fall. Mehrere Fristen zur Umsetzung des Vorhabens sind bislang jedoch immer erfolglos verstrichen.

Trotzdem reagierte Israel auf die jüngste Entwicklung mit großem Unmut. Nach einem Treffen des Sicherheitskabinetts am Donnerstag gab Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bekannt, dass die Friedensgespräche vorerst ausgesetzt werden. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas habe die Wahl: »Frieden mit Israel oder ein Abkommen mit der Hamas«, sagte er dem Sender NBC.

»Das Kabinett habe einhellig beschlossen, dass Israel nicht mit einer Palästinenserregierung verhandle, die von einer Terrororganisation unterstützt wird, die zur Zerstörung Israels aufruft«, hieß es in einer Pressemitteilung.

Zölle Zudem werde Israel mit einer Reihe von Maßnahmen reagieren. Neben einer Anti-Abbas-Kampagne soll etwa der Transfer von Geldern an die palästinensische Autonomiebehörde (PA) eingeschränkt werden. Bei den fraglichen Geldern handelt es sich um Steuern und Zölle, die Israel für die Palästinenser beim Im- und Export erhebt. In etwa einer Woche sollte die PA das Geld erhalten. In welchem Ausmaß gekürzt wird, ist noch unklar. Justizministerin und Chefunterhändlerin Zipi Livni (Hatnua) erklärte, man wolle keinesfalls riskieren, »dass die PA nicht mehr handlungsfähig ist«.

Um den einmütigen Beschluss sei im Sicherheitskabinett stundenlang und hart gerungen worden, berichtete Yedioth Ahronoth. Keineswegs nämlich seien sich die Regierungsparteien darüber einig gewesen, wie man mit dem jüngsten Versöhnungsversuch bei den Palästinensern im Licht der kriselnden, offiziell jedoch noch bestehenden Friedensverhandlungen verfahren solle.

So sei Livni dafür eingetreten, die Tür zu Friedensverhandlungen nicht ganz zu schließen, während Netanjahu und der Chef von Habait Hajehudi, Naftali Bennett, dazu gedrängt hätten, die Gespräche völlig einzustellen: »Wir sprechen nicht mit Mördern«, wurde Bennett zitiert. Später soll Netanjahu eingelenkt haben: »Ich hoffe, Abbas ändert seine Meinung. Wenn er Frieden will, bin ich da.«

Gelder Die Einwände der israelischen Armeeführung sollen nach einem Bericht der Zeitung schließlich den Ausschlag gegeben haben, dass man sich auf moderate Sanktionen einigte und die Gespräche lediglich vorerst einstellt. So befürchtet Stabschef Benny Gantz, dass das Einfrieren der Gelder – wie schon einmal – dazu führt, dass die Sicherheitskräfte der PA kein Geld mehr erhalten, nicht mehr arbeiten und die Situation in den besetzten Gebieten deshalb eskalieren könne.

Dies sei nicht im Interesse Israels. Erst vergangene Woche etwa hätten palästinensische Sicherheitskräfte in Dschenin Waffen des islamistischen Dschihad konfisziert und deren Anhänger festgenommen.

Die Palästinenser wollen nach eigenen Angaben erst in fünf Wochen eine Einheitsregierung bilden. Eine tatsächliche Beteiligung der Hamas an einer Regierung könnte es erst nach Neuwahlen geben. Sie sollen entsprechend einer Vereinbarung zwischen der Fatah und der Hamas erst in sechs Monaten abgehalten werden. In einer zunächst gebildeten Übergangsregierung aus Experten sollten keine Hamas-Mitglieder sitzen, hieß es im Gazastreifen.

zweistaatenlösung Palästinensische Funktionäre versuchten, die Wogen zu glätten. Ein hochrangiges Mitglied der PLO, Dschibril Radschub, betonte, die Palästinenser würden auch nach einer Versöhnung weiter die Zweistaatenlösung anstreben, auf Gewalt verzichten und Israels Existenzrecht anerkennen.

Vielleicht diene eine Verhandlungspause dazu, beide Parteien zur Besinnung zu bringen, ließ US-Präsident Barack Obama am Freitag verlauten. Beide hätten in der Vergangenheit Schritte unternommen, die der Sache nicht dienten. Die USA seien trotzdem weiterhin bereit, Friedensverhandlungen zu unterstützen.

Beirut

Israel: Haben hochrangigen Hisbollah-Kommandeur getötet

Im Krieg zwischen Israel und der libanesischen Terrororganisation ist keine Deeskalation in Sicht. In der Nacht trifft ein heftiger israelischer Angriff erneut Ziele in Beirut

 01.04.2026

Ramallah

Generalstreik: Palästinenser protestieren gegen israelisches Todesstrafe-Gesetz

Ein Generalstreik legt das Westjordanland und Ost-Jerusalem lahm. Palästinenser protestieren gegen das neue israelische Gesetz zur Todesstrafe für Terroristen

 01.04.2026

Wahlkampf in Israel

Opposition stellt Netanjahus Kriegsbilanz infrage

Der Ministerpräsident sei »nicht in der Lage, eine strategische Lösung zu erreichen«, sagt Oppositionsführer Jair Lapid

 01.04.2026

Nahost

11-jähriges Mädchen bei iranischem Streubombenangriff schwer verletzt

Die Lage im Überblick

 01.04.2026

Meinung

Hauptsache, Israel steht am Pranger!

Palmsonntag in Jerusalem und auf Social Media: Ein Rückblick

von Wolf J. Reuter  01.04.2026

Standpunkt

Die Militäroperation gegen das Mullah-Regime ist die Chance für den Nahen und Mittleren Osten

Ein Gastbeitrag von Roderich Kiesewetter, Bundestagsabgeordneter (CDU) und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses

von Roderich Kiesewetter  31.03.2026

Krieg

Israel geht von Sturz der iranischen Führung aus

Vom Iran geht laut Israels Regierungschef Netanjahu derzeit keine existenzielle Bedrohung mehr für Israel aus. Er sagt, Irans Führung sei »schwächer denn je«

 31.03.2026

Faktencheck

Gerüchte über Netanjahus Tod werden unbelegt verbreitet

Im Iran-Krieg wird immer wieder behauptet, der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sei tot. Aktuelle Videos von ihm sollen KI-generiert sein. Doch dafür gibt es keinen Beleg

 31.03.2026

Analyse

Ist das wirklich nicht unser Krieg?

Ein atomar bewaffneter Iran wäre nicht nur ein Albtraum für Israel, sondern auch eine reale Bedrohung für Europa

von Roman Haller  31.03.2026