Genf

Terrorismus statt Rechnen

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Die NGO »UN Watch« hat den Bericht »Schulen im Griff des Terrors« veröffentlicht. Dieser versucht aufzudecken, wie sich die Hamas systematisch in das Bildungssystem der UNRWA, das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten, in Gaza und im Libanon eingeschaltet und dieses unterwandert hat – insbesondere durch die Besetzung wichtiger UNRWA-Positionen mit Hamas-Mitgliedern, durch Einfluss auf Lehrpläne und Gewerkschaften sowie durch Unterdrückung von Reformen.

Der Bericht der NGO, die ihren Sitz in Genf hat, dokumentiert, wie die Hamas in der Vergangenheit ihre Mitglieder – darunter Suhail Al-Hinvdi und Fateh Sharif – in leitende Positionen als Schuldirektoren, Lehrer und Gewerkschaftsführer versetzt hat. Trotz öffentlicher Beweise für ihre terroristische Zugehörigkeit kapitulierte die UNRWA wiederholt vor der Terrororganisation und gab auf deren Druck nach. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die UNRWA »Klassenzimmer in Brutkästen für Radikalisierung und Terrorismus verwandelt« hat.

Pädagogische Positionen innerhalb der UNRWA

Der Fall von Suhail Al-Hindi in Gaza veranschaulicht laut Bericht dieses Vorgehen. Jahrelang diente Al-Hindi gleichzeitig als Hamas-Funktionär sowie als UNRWA-Schuldirektor und Gewerkschaftsführer und beaufsichtigte Lehrer und Schüler. Selbst als ihn die UNRWA im Jahr 2011 suspendierte, weil er zusammen mit Hamas-Führern öffentlich aufgetreten war, zwangen koordinierte Massenproteste das Hilfswerk dazu, nachzugeben und formell zuzustimmen, Mitarbeiter nicht für »externe Aktivitäten« zu disziplinieren.

Al-Hindi beeinflusste damit die UNRWA auch nach seinem Rücktritt im Jahr 2017 weiter und wurde dafür gefeiert, dass er sich gegen die Holocaust-Aufklärung und Karten zur Anerkennung der Legitimität Israels aussprach.

Im Libanon verlief mit Fateh Sharif die Sache offenbar ähnlich: Als UNRWA-Schuldirektor und Vorsitzender der libanesischen Lehrergewerkschaft verbündete er sich öffentlich mit der Hamas und wies die Lehrer unter seinem Kommando an, die Hamas-Ideologie zu verbreiten. Trotz jahrelanger dokumentierter Beweise suspendierte ihn die UNRWA erst 2024 unter dem Druck von Spendern – kurz bevor er bei einem israelischen Angriff starb, woraufhin die Hamas ihn offen als ihren Führer im Libanon anerkannte. Sharifs Mitarbeiter, die ebenfalls eng mit der Hamas verbunden waren, bekleideten weiterhin leitende pädagogische Positionen innerhalb der UNRWA.

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Die Ergebnisse von UN Watch passen zu israelischen Geheimdienstinformationen, nach denen über 15 Prozent der leitenden UNRWA-Ausbilder in Gaza Mitglieder der Hamas sind. Durch die Kontrolle der Gewerkschaften hatte die Hamas Versuche zur Reform der Lehrpläne blockiert, die Durchsetzung der Neutralitätspolitik verhindert und Aktivisten in Positionen der Bildungsbehörde versetzt. Diese Dynamik hat die internationalen Mitarbeiter des UNRWA wiederholt gezwungen, sich aus Angst zurückzuziehen.

Reformen und stärkere Kontrollen

Der Bericht kommt zum Schluss, dass das Problem des UNRWA systemisch sei. Das Hilfswerk sei strukturell von den Gewerkschaften, die durch die Hamas kontrolliert sind, abhängig geworden und hat seine Schulen in Zentren der Radikalisierung und nicht der Bildung verwandelt.

»Wenn keine grundlegenden Reformen durchgesetzt werden – einschließlich einer internationalen Aufsicht über die Einstellung von Mitarbeitern, einer strengen Überprüfung der Beschäftigten und der Auflösung politisierter Gewerkschaften«, heißt es im Bericht, »laufen die Geberregierungen Gefahr, einen Kreislauf von Indoktrination und Terrorismus unter dem Deckmantel der humanitären Hilfe fortzusetzen«. UN Watch fordert daher, dass die Auslandszahlungen der Geberländer an UNRWA an echte Reformen und stärkere Kontrolle gebunden werden.

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