Islamismus

Terror in Nairobi

Kenianische Polizeikräfte bringen eine der Geiseln und ihr Kind in Sicherheit. Foto: Reuters

Islamismus

Terror in Nairobi

Israelis halfen bei der Befreiung der Geiseln in kenianischer Shoppingmall

von Sabine Brandes  23.09.2013 14:52 Uhr

Noch sind die Angaben widersprüchlich. Doch vieles deutet darauf hin, dass israelische Truppen aktiv dabei halfen, die Geiseln im Westlands-Einkaufszentrum von Nairobi zu befreien. Die Belagerung der Nobel-Shoppingmall in Kenia ging bei Redaktionsschluss am Dienstag bereits in den vierten Tag, Angaben aus dem afrikanischen Land sprechen von mindestens 62 Toten und mehr als 170 Verletzten.

Zehn bis 15 Angehörige der somalischen Islamistengruppe »Al Shabab« hatten das Gebäude am Samstag von zwei Eingängen aus gestürmt, Granaten geworfen und sofort damit begonnen, Menschen zu erschießen. Die der Al Qaida nahestehende Gruppe übernahm im Internet die Verantwortung für den Angriff. Es handele sich dabei um einen Vergeltungsakt gegen Nairobi, um den Einmarsch kenianischer Truppen im Jahr 2011 zu rächen, schrieb die Gruppe. Al Shabab verweigerte jegliche Verhandlungen mit den Behörden. Überlebende berichteten, dass die Terroristen gezielt Menschen erschossen hätten, die weder Arabisch sprechen noch lesen konnten. Muslime wurden angeblich freigelassen.

kooperation Obwohl sowohl israelische als auch kenianische Behörden stets betonten, die Hilfe aus Israel sei »rein beratender Natur«, hatten unbestätigte Quellen am Sonntag berichtet, israelische Truppen seien gemeinsam mit Soldaten aus Kenia in das Einkaufszentrum vorgedrungen. Israel hat seit Jahren enge Verbindungen zu dem Staat im Osten Afrikas. Vor allem bei der Bekämpfung der Terrororganisation Al Qaida, die im Nachbarland Somalia stark vertreten ist, kooperieren die Länder eng.

Obwohl Teile des Einkaufszentrums nach Medienberichten Israelis gehören, sei der Anschlag nicht speziell gegen israelische oder jüdische Besucher des Zentrums gerichtet gewesen, erklärten kenianische Behörden. Die drei Israelis, die sich zu der Zeit der Attacke im Gebäude aufgehalten hatten, konnten sich bereits am Sonntag in Sicherheit bringen. Unter ihnen war auch Jariv Kedar, der am Sonntag im Kanal 2 des israelischen Fernsehens von den Geschehnissen berichtete: »Wir saßen im Artcafé, als wir Schüsse hörten, die immer näher kamen. Dann flogen auf einmal Kugeln über unsere Köpfe. Wir rannten um unser Leben und gelangten so in Freiheit.«

international Das noble Einkaufszentrum wird besonders gern von Kenianern der Mittel- und Oberklasse und von Ausländern besucht. Bei den Toten handelt es sich sowohl um Einheimische als auch um Briten, Franzosen, Kanadier, Inder, Südafrikaner und Chinesen.

Am Montagnachmittag stiegen schwarze Rauchwolken aus der Mall auf. Die Sicherheitskräfte bestätigten, dass es sich um eine ihrer Aktionen gehandelt habe. Dabei sollen zwei der Terroristen getötet und einige Geiseln befreit worden sein. Wie viele Menschen sich zu diesem Zeitpunkt noch in der Hand der Angreifer befanden, war bei Redaktionsschluss ebenfalls unklar.
Der Chef des Militärs, General Julius Karangi, bestätigte, dass es sich bei den Angreifern um Männer aus verschiedenen Nationen handele. »Wir wissen, wer diese Leute sind. Es ist eindeutig eine multinationale Truppe mit Mitgliedern aus der ganzen Welt.«

Israels Staatspräsident Schimon Peres sprach am Sonntag seinem kenianischen Amtskollegen Uhuru Kenyatta sein Beileid in einem Telegramm aus. »Ich übersende mein tiefstes Mitgefühl an die Menschen in Kenia, die diesen schrecklichen Terroranschlag in Nairobi erleben mussten. Wir beten für die Befreiung der Geiseln und die Genesung der Verletzten.«

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  19.07.2026 Aktualisiert

Hightech

Zu Besuch im Silicon Wadi

Israels größter Technologiepark will IT-Talente nach Haifa locken. Das ist gar nicht so einfach

von Valentin Suckut  18.07.2026

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

Jerusalem

Herzog im saudischen Fernsehen: »Mein Traum ist Frieden mit Saudi-Arabien«

Der israelische Präsident äußert sich auch zu den Themen Iran, Syrien, Libanon und Gaza: »Mein Herz schmerzt um jeden unschuldigen palästinensischen Zivilisten, der getötet wird.«

 17.07.2026

Jerusalem

Knesset verabschiedet umstrittene Medienreform – Opposition zieht vor Gericht

Das Gesetz erweitert den Einfluss der Regierung auf den Nachrichtenmarkt erheblich. Nach der Verabschiedung reichten mehrere Organisationen und Oppositionsparteien Klagen beim Obersten Gerichtshof ein

 17.07.2026

Neue Umfrage

Netanjahus Koalition stürzt auf 48 Sitze ab – Opposition kommt auf 62

In Israel zeichnet sich nur gut drei Monate vor der Wahl ein deutlicher Stimmungsumschwung ab

 17.07.2026

Jerusalem

Netanjahu verschiebt USA-Reise wegen Lindsey Grahams Beerdigung

Ursprünglich hatte der israelische Ministerpräsident morgen abfliegen und bis Dienstag in den USA bleiben wollen

 17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Italien

Wenn Anne Frank und Primo Levi mit »Nazis« beschmiert werden

Erneut antisemitischer Vandalismus gegen ein Holocaust-Gedenkgemälde in Mailand

 16.07.2026