Gaza/Israel

»Sie fassen Mädchen an, und jeder weiß es«

Protestmarsch gegen Antisemitismus in London Foto: IMAGO/Avalon.red

Mehrere Wochen waren sie in der Hand der Hamas in Gaza – jetzt berichten einige der 110 bislang frei gekommenen Geiseln von schweren Misshandlungen und Vergewaltigungen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur »Associated Press« zufolge, der sich auf israelische Ärzte stützt, wurden mindestens zehn der Geiseln – sowohl Frauen als auch Männer – in der Gefangenschaft geschlagen oder sexuell missbraucht.

Einzelheiten wollte der Mediziner nicht nennen. Bereits bei einem Treffen am Dienstag einer Gruppe von freigelassenen Geiseln sowie Familienangehörigen der noch in Gaza festgehaltenen Menschen hätten einige ausführlich ihre Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch geschildert, sagten Teilnehmer im Anschluss.

Aviva Siegel, die letzte Woche aus der Gefangenschaft der Hamas befreit wurde und ihr Ehemann, der noch als Geisel festgehalten wird, sagte Berichten zufolge während des Treffens, dass einige der weiblichen Geiseln von ihren Hamas-Bewachern »angefasst« worden seien.

Die Tageszeitung »Haaretz« zitierte eine andere Geisel, die Folgendes aussagte: »Sie fassen Mädchen an, und jeder weiß es. Ich werde keine Einzelheiten nennen, aber wir hatten eine Vorschrift, dass sich niemand bewegen darf, ohne dass ihn jemand bewacht.« Außerdem seien den Geiseln keine oder die falschen Medikamente verabreicht worden, so die Frau.

Laut AP-Bericht warnte eine andere Freigelassene vor der Idee Israels, die unterirdischen Tunnel der Hamas zu fluten. Das würde auch die verbleibenden Geiseln – ihre Zahl wird auf 138 geschätzt – in Gefahr bringen, da diese in den Tunneln versteckt würden, so die Frau. Offenbar sind rund 15 der am 7. Oktober Entführten in der Geiselhaft ums Leben gekommen.

Auch am 7. Oktober selbst, dem Tag des Angriffs der Hamas auf Israel, kam es zu zahlreichen Vergewaltigungen durch Mitglieder der Terrororganisation. Zumeist wurden die Taten von der Hamas selbst gefilmt. Eine Zeugin berichtete bereits im November von einer Gruppenvergewaltigung durch die Angreifer und beschrieb, wie eine andere Frau von mehreren Männern sexuell missbraucht und verstümmelt wurde, wobei einer der Männer in den Kopf schoss. Die Zeugin sagte weiter, das Opfer sei »lebendig« und »auf den Beinen gewesen« und habe aus dem Rücken geblutet.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Unterdessen hat die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric Egger, israelische Kritik an der Arbeit ihrer Hilfsorganisation im Hinblick auf die Geiseln zurückgewiesen. Im »Deutschlandfunk« sagte Spoljaric Egger am Donnerstag: »Unsere Gespräche finden mit beiden Parteien (der Hamas und Israel) statt – täglich, auf allen Ebenen. Wir sind sehr deutlich in diesen Gesprächen. Wir sprechen die Dinge konkret an und wir fordern die Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf beiden Seiten. Das ist ganz klar. Wir machen da keinen Unterschied. Und für uns sind alle Zivilisten wichtig und gleichwertig. Also, uns sind die Geiseln so nah wie die Kinder in Gaza. Wir müssen beide schützen können. Wir müssen beiden helfen können. Wir machen da keinen Unterschied.«

Auf die Frage, warum man auch zwei Monate nach dem Terrorangriff der Hamas keinen Zugang zu den Geiseln erhalten habe, sagte die IKRK-Präsidentin: »Wir fordern ganz klar Zugang zu den Geiseln. Wir möchten feststellen, wie es ihnen geht. Wir möchten ihnen medizinische Unterstützung bringen.« Ihre Organisation werde weiterhin alles daran setzen, die Verschleppten zu besuchen. mth

Terror

Hisbollah greift Israel an: Mehrere Soldaten verletzt

Im Norden des jüdischen Staates werden zwei Soldaten in Krankenhäuser gebracht. Einer von ihnen ist schwer verwundet. Ein weiterer Soldat wird im Süd-Libanon getroffen

 08.05.2026

Vorwurf

»Kult-Rabbi« aus Meron verhaftet

Ein Gemeindeführer der Breslov-chassidischen Bewegung soll seine Autorität für sexuelle Übergriffe missbraucht haben

von Sabine Brandes  08.05.2026

Gesellschaft

Regierung will Rückkehrrecht ändern

Entsprechend des Entwurfs sollen künftig nur noch orthodoxe Übertritte zum Judentum anerkannt werden

von Sabine Brandes  08.05.2026

Tel Aviv

Erster Hantavirus-Fall in Israel registriert

Die betroffene Person soll sich vor mehreren Monaten während eines Aufenthalts in Osteuropa angesteckt haben

 08.05.2026

Jerusalem

Bennett verklagt Ministerin und Fernsehsender wegen Behauptungen über psychische Erkrankung

Der Oppositionspolitiker fordert laut israelischen Medienberichten Schadenersatz in Höhe von zwei Millionen Schekel (0,59 Millionen Euro)

 08.05.2026

Jerusalem/Washington D.C./Ankara

Israel und USA wollen neue Gaza-Flottille stoppen, bitten Türkei um Hilfe

Konkret geht es demnach um 15 Boote, die sich in türkischen Häfen befinden und Teil der sogenannten »Global Sumud Flotilla« werden sollen

 08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Tel Aviv

Sirenen und Schlagzeilen

Unsere Israel-Korrespondentin Sabine Brandes über das Arbeiten im Ausnahmezustand

von Sabine Brandes  07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 18 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026