Nahost

Sexuelles Fehlverhalten

ICC-Chefankläger Karim Khan Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Der Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs (ICC), Karim Khan, ist erneut von seinen Aufgaben vorläufig entbunden worden. Das Aufsichtsgremi­um des Gerichts entschied nach einer 18 Monate andauernden Untersuchung zu Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens, den britischen Juristen bis auf Weiteres zu suspendieren. Nach Angaben des Exekutivbüros der Vertragsstaatenversammlung stützt sich die Entscheidung auf Ermittlungen des internen Kontrollamts der Vereinten Nationen, vorliegende Beweismittel sowie die Einschätzung eines eigens eingesetzten Juristengremiums. Über Khans endgültige Zukunft soll nun die Versammlung der 125 ICC-Mitgliedstaaten in einer Sondersitzung beraten.

Die Vorwürfe gegen den 55-Jährigen beziehen sich auf offenbar nicht einvernehmliche sexuelle Kontakte mit einer Mitarbeiterin seines Büros. Laut einem Bericht der UN-Ermittler, aus dem mehrere Medien zitieren, sollen entsprechende Vorfälle sowohl in seinem Dienstbüro als auch in seiner Privatwohnung und während Auslandsreisen stattgefunden haben. Khan weist sämtliche Anschuldigungen zurück. Seine Anwälte erklärten, die Entscheidung sei »rechtswidrig, verfahrensrechtlich unfair und nicht durch Beweise gestützt«. Der Chefankläger bestreite weiterhin jedes Fehlverhalten.

Internationale Aufmerksamkeit hatte Khan insbesondere durch seine Rolle im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg erlangt.

Bereits im Mai 2025 hatte Khan sein Amt vorübergehend ruhen lassen, um sich gegen Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens zu verteidigen. Daher dürfte die aktuelle Suspendierung nur begrenzte Auswirkungen auf die tägliche Arbeit des ICC haben. In wichtigen Verfahren war er zuletzt ohnehin nicht mehr persönlich tätig. Internationale Aufmerksamkeit hatte Khan insbesondere durch seine Rolle im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg erlangt. Im Mai 2024 beantragte er Haftbefehle gegen Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und den damaligen Verteidigungsminister Joav Galant wegen angeblicher Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Laut eines mit dem Verfahren befassten hochrangigen UN-Diplomaten wollte Khan damit auch von den Vorwürfen gegen ihn ablenken.

Die Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens bezeichneten Khan und sein Umfeld wiederholt als politisch motivierte Kampagne. Dahinter stünden, so ihre Darstellung, mächtige politische und nachrichtendienstliche Akteure, die seine Ermittlungen gegen Israel behindern wollten. Das Untersuchungsmaterial soll mehrere Tausend Seiten umfassen.

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