Medizin

Seit 69 Jahren wohlauf

Nach sieben Jahrzehnten noch fit wie ein Turnschuh. Foto: Flash 90

Israel ist in die Jahre gekommen – doch immer noch quicklebendig und vor allem kerngesund. Am 2. Mai feiert der israelische Staat seinen 69. Geburtstag. Kurz vor dem diesjährigen Unabhängigkeitstag Jom Haazmaut wurde er im »Bloomberg Global Health Index« unter die zehn gesündesten Nationen gewählt (Platz neun). In den fast sieben Jahrzehnten ist viel dafür geschehen. Die Entwicklungen in den Bereichen Medizin, Landwirtschaft und Technologie gehören heute zu den innovativsten in der ganzen Welt.

Natürlich spielt beim Gesundheitsfaktor nicht nur der Körper, sondern auch die Seele eine Rolle. So passt es ins Bild, dass es der jüdische Staat am Weltglückstag im März 2017 unter 165 Ländern auf den elften Rang schaffte. Ein großer Faktor für die Gesundheit ist außerdem das Essen. Mithilfe der mediterranen Ernährung führt Italien in diesem Jahr die Liste der gesunden Nationen an. Auch in Israel schlemmen die Menschen vorwiegend gesund. Sogar am Unabhängigkeitstag selbst wird bei den traditionellen Picknicks in den Parks ein relativ ausgewogenes Mahl gereicht: mageres Fleisch, die Kichererbsenpaste Hummus, Süßigkeiten aus Sesam, dazu viele Salate und frisches Obst.

Errungenschaften In 69 Jahren sind eine Menge gesunder Entwicklungen auf den Markt gebracht worden, viele davon haben sich schon vor Langem bewährt. Eine Auswahl der bedeutendsten Errungenschaften, die das Leben im Jüdischen Staat und der ganzen Welt sicherer, gesünder – und dabei wahrscheinlich auch etwas glücklicher machen.

Die endoskopische Kapsel PillCam, entwickelt von Given Imaging, ist Marktführer auf dem Gebiet der medizinischen Kameras. Die futuristisch anmutende Minikamera in der Pille ist heute Standard bei visuellen Darmuntersuchungen.

Zwei bahnbrechende Arzneimittel für den Einsatz bei chronischen Erkrankungen sind in Israel entwickelt worden. Zum einen Azilect für Patienten, die unter Parkinson leiden. Entwickelt wurde es von Moussa Youdim und John Finberg am Technion in Haifa, kommerzialisiert hat es der Pharmariese Teva. Das Arzneimittel Copaxone, das bei Multipler Sklerose eingesetzt wird, haben Michael Sela, Ruth Arnon und Deborah Teitelbaum am Weizmann-Institut erforscht.

Ormat Technologies entwickelt, baut und betreibt geothermale Kraftwerke in der ganzen Welt, die mittlerweile saubere Energie neben Israel in 20 weiteren Ländern erzeugen. Netafim schützt Trinkwasser durch eine wassersparende Technologie, die immer die korrekte Menge per Tröpfchenbewässerung abgibt. Der weltweite Erfolg ist dem Erfinder Simcha Blass aus dem Kibbuz Hazerim zu verdanken.

Atmung BabySense ist eine Matte, die unter der Matratze von schlafenden Babys liegt und deren Atemgeräusche überwacht. Dieses strahlungsarme Gerät kann Fälle von plötzlichem Kindstod verhindern, indem es einen Alarm aktiviert, wenn das Baby nicht mehr atmet oder sich der Atem wesentlich verlangsamt. Mit einem ähnlichen System prüft das medizinische Personal in israelischen Krankenhäusern Herzschlag, Bewegung und Atmung von Patienten. EarlySense ist ein Sensor unter der Matratze, der nicht bedient werden muss und trotzdem ständig Daten liefert.

Bei den biologischen Insektiziden der Firma Bio-Bee aus dem Kibbuz Sde Eliyahu werden nützliche Insekten und Milben gezüchtet, die die Aussaat schützen. Es werden auch Hummeln für die natürliche Pollination in Gewächshäusern und offenen Feldern geliefert.

IceCure will Tumore vereisen und so eine Operation überflüssig machen. Die sogenannte Cryoablation-Technologie, die bereits in klinischen Versuchen in Japan und den USA Erfolge zeigte, will kleinere gut- sowie bösartige Lungen- und Brusttumore für immer einfrieren.

Viel Presseaufmerksamkeit hat ReWalk für seine Erfindung erhalten. Denn für viele Menschen, die weder gehen noch stehen und sich nur im Rollstuhl fortbewegen können, ist diese »Exoskelett-Gehhilfe« ein Traum, der wahr wird. Mit ihrer Hilfe können Gelähmte aufrecht stehen und sich sogar allein fortbewegen.

früherkennung Das Sniff-Phone will per Geruchsanalyse Krankheiten erkennen. Der nanotechnologische Sensor, entwickelt von Hossam Haick am Technion, soll anhand von Partikeln im Atem die genaue Erkrankung, darunter auch Krebs, ausmachen können. Da das Gerät klein und kompakt ist, kann es überall eingesetzt werden.

TraitUP ist eine neue Technologie der Hebräischen Universität Jerusalem, die es zulässt, dass genetisches Material in Pflanzensamen eingefügt wird, ohne die DNS zu ändern. »Damit können Pflanzen sofort und effizient verbessert werden, sogar bevor sie gepflanzt sind«, erklärten die Wissenschaftler Ilan Sela und Haim Rabinowitch.

Eran Peri, Leiter eines der größten medizinischen Kapitalfonds des Landes, IHCV, meint: »Israel ist ein hervorragender Ort für medizinische Innovation.« Mehr als 1000 Unternehmen im Land entwickeln permanent neue Produkte und Medikamente, rund die Hälfte von ihnen schreiben bereits schwarze Zahlen, jedes Jahr kommen 60 bis 70 neue Firmen hinzu. »Wir stehen weltweit an erster Stelle bei Patenten in der Medizin und an zweiter in Europa für Biologie und Pharmazie«, weiß der Experte, »denn es gibt bei uns ein regelrechtes Ökosystem, in dem jeder finden kann, was er braucht.«

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