Covid-19 in Israel

Schritte zur Öffnung

Geschäfte und Märkte sind in Israel noch immer geschlossen. Foto: Flash90

Einig waren sich die Minister bei der Sitzung am Montagabend selten. Das Coronakabinett hatte getagt, um weitere Öffnungen zu beschließen. Was dabei herauskam, waren Maßnahmen, deren Logik den meisten Israelis verborgen bleibt. Seit dem 18. September 2020 befindet sich Israel in einem zweiten Lockdown, der nur langsam aufgehoben werden soll.

STUFEN Statt neun soll es jetzt nur noch sieben oder sogar nur fünf Schritte im Öffnungsplan des Gesundheitsministeriums geben, der zuvor neun Stufen umfasst hatte. Darüber soll am kommenden Donnerstag erneut beraten werden.

Die Öffnung der Schulen ab 1. November wurde beschlossen. Demzufolge sollen die Klassen eins und zwei in kleinen Gruppen (deren Größe noch nicht bekannt gegeben wurde) in den Klassenräumen lernen. Die Gruppen kommen an unterschiedlichen Tagen in die Schulen. Damit würde es maximal an drei Tagen der Woche Unterricht für die sechs- und siebenjährigen Mädchen und Jungen in Israel geben.

Ich kenne kein Welt der Land, das in Kapseln lernt.

Finanzminister Yisrael Katz

Diese Regelung stößt vor allem bei Eltern auf Unverständnis – besonders die Tatsache, dass die an den Unterricht anschließende Nachmittagsbetreuung in denselben Schulen bis zu 28 Kinder für die erste und zweite Klasse erlaubt ist. Auch die Klassen drei und vier werden in regulärem Umfang in den Schulgebäuden lernen.

Doch auch Schulleiter können die Entscheidung nicht nachvollziehen. Zumal sie getroffen wurde, nachdem die lokalen Behörden dem Kabinett einen Alternativplan vorgeschlagen hatten, mit dem sie – ohne zusätzliche Gelder - auch die ersten beiden Klassen in die Schulen zurückgebracht hätten. Der Plan wurde vom Finanzministerium unterstützt.

ERFOLG Finanzminister Yisrael Katz selbst wollte die Öffnung der Klassen eins und zwei während der Debatte in voller Größe erreichen, hatte jedoch keinen Erfolg. »Ich kenne kein Land der Welt, das in Kapseln lernt«, so sein Kommentar. Der Grund für die nur teilweise Öffnung der untersten Klassen sei Geldmangel, hatte Premier Benjamin Netanjahu angegeben. Es werde dafür kein zusätzliches Budget geben.

Geschäfte, die Kunden bedienen, waren das nächste Streitthema. Gesundheitsminister Yuli Edelstein weigerte sich, bei der Öffnung von Läden nachzugeben. »Wir spielen hier mit Feuer«, wetterte er bei der Sitzung.

KUNDEN So soll zunächst lediglich die Bedienung von einem Kunden pro Geschäft ermöglicht werden. Es dürfen damit beispielsweise Friseur- und Schönheitssalons ab 1. November wieder Kunden bedienen. Auch sollen dann nicht-notwendige medizinische Behandlungen durchgeführt werden können.

Derweil vermeldet das Gesundheitsministerium die niedrigste Positivrate seit vier Monaten. Am Montag wurde bei 2,1 Prozent der mehr als 36.000 durchgeführten Tests das Covid-19-Virus festgestellt. Derzeit befinden sich 467 Patienten mit einer Erkrankung durch Corona in Krankenhäusern, 193 von ihnen werden künstlich beatmet.

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