Feiertag

Schawuot in neuer Freiheit

Schawuot-Feier im Kibbutz Emek Yisrael (Israel-Tal). Foto: Flash90

Dieses Schawuotfest wird im Land, wo Milch und Honig fließen, besonders süß. Und das nicht nur durch die zahllosen Käsekuchen und Blintzes, die ab Donnerstagabend serviert werden, sondern durch die wiedergewonnene Freiheit. Rechtzeitig zum Wochenfest sind in ganz Israel die Restaurants und Cafés sowie wieder mehr Naturparks geöffnet.

Denn traditionell gehören für viele Israelis nicht nur die Milchspeisen und das nächtliche Torastudium zum Fest, sondern auch der Brauch, die außergewöhnliche Natur des Landes zu besuchen. Die israelische Natur- und Parkbehörde kündigte am Mittwoch an, dass sie sechs weitere Parks zugänglich macht: die Reservate Yotvata Hai-Bar, Tel Beer Schewa, Bio Ramon Living Desert und Avdat, die Nimrod Festung sowie das Mizpe Ramon Besucherzentrum.

MUSEEN Auch die Museen laden an diesem schul- und arbeitsfreien Tag zum Besuch ein. Die meisten bieten aber wegen des Coronavirus noch immer Online-Veranstaltungen an. So das Israel Museum in Jerusalem: Am Donnerstag veranstaltet es für Kinder einen Recycling-Kurs zum Mitmachen am Bildschirm.

Die Stadtverwaltung Tel Aviv eröffnet an diesem Tag gemeinsam mit der Yehoshua Rabinowitz Stiftung for the Arts »Exit Strategies«, eine außergewöhnliche Ausstellung, die die Öffentlichkeit zum Anschauen von 40 Kunstwerken einlädt, die unter freiem Himmel in der ganzen Stadt verteilt sind. Mit der Aktion sollen lokale Künstler unterstützt werden, die unter der Coronakrise leiden.

Schawuot ist mit einem Feiertag in Israel und zwei Feiertagen in der Diaspora das kürzeste der drei biblischen Wallfahrtsfeste. Pessach und Sukkot dauern jeweils eine Woche. Am Wochenfest feiern die Juden den Erhalt der Tora auf dem Berg Sinai (Matan Tora) und gleichzeitig die neue Ernte.

Genannt wird es außerdem Jom Ha’Bikurim, der Tag der ersten Früchte. Traditionell liest man bis in die Nacht aus dem Heiligen Buch und lässt sich dazu frisch geerntete Köstlichkeiten und Milchprodukte aller Art schmecken. Oft in weißer Kleidung, die für das Neue steht und Blumenkränzen im Haar.

Die Kibbutzim und Moschawim freuen sich, jetzt wieder Besucher einladen zu dürfen.

Besonders wichtig ist Schawuot in den Kibbutzim und Moschawim, die eine bedeutende Rolle in Israels Landwirtschaft haben. In moderner Zeit verbinden sie mit dem alten Fest die Verbindung zwischen dem jüdischen Kalender und ihren Produkten. Sie freuen sich besonders, denn jetzt dürfen sie wieder Besucher zu ihrer Parade aus geschmückten Treckern, Landmaschinen, den Erzeugnissen der erfolgreichen Ernte und manchmal sogar den ersten Babys einladen.

TEMPEL In der Antike wurden während des Pilgerfestes die ersten Früchte zum Tempel gebracht. Darunter auch die sieben Arten aus der Tora: Weizen, Hafer, Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln. Auch heute bringen Vertreter aus der Landwirtschaft noch symbolisch Körbe mit Köstlichkeiten nach Jerusalem. Allerdings legen sie sie nicht vor einem Altar ab, sondern beschenken den Präsidenten des Landes in seiner Residenz.

Präsident Reuven Rivlin besuchte zum Feiertag die Jeschiwa Kfar Haroeh. Er wurde mit Liedern begrüßt und studierte mit den Studenten gemeinsam die Tora. »Wir haben ein Land, klein und geliebt. Ein Land, das stärker ist als seine Teile, das mit allen Herausforderungen fertig wird, und das im Angesicht jeder Schwierigkeit wächst«, sagte der Präsident.

»Doch wieder ertönt heute: ›wir und sie‹. Ich sage: ›Haltet ein, lasst uns einen Moment pausieren.‹ Wir müssen auf unser Zuhause Acht geben. Meinungsverschiedenheiten sind erlaubt, doch lasst uns nicht in Hass verfallen, auch nicht, wenn es sehr schwer und schmerzhaft ist«, betonte er.  

Dann sprach er über die Gründer der Jeschiwa, Rabbi Mosche Zvi Neria und Rabbi Avraham Zuckerman, »die Generationen von Schülern nach den Worten des Rabbi Akiva unterrichteten: ›Liebe deinen Nächsten wie dich selbt‹. Denn dies, so Rivlin, «ist die wichtigste Regel der Tora».

Kommentar

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