Jerusalem

Schaufenster des Kinos

Kino mitten in Jerusalem Foto: Flash90

Er war eine der schillerndsten Figuren der internationalen Politik: Richard Holbrooke. Als Kind deutscher Juden, die in den 30er-Jahren emigrierten, wurde er der erste jüdische US-Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland.

Sein Sohn David hat mit The Diplomat eine Dokumentation über das bewegte Leben seines Vater gedreht, und diesen Film beim Internationalen Filmfestival von Jerusalem (JFF), das am heutigen Sonntag zu Ende geht, vorgestellt. »Dieser Film hält auch uns Israelis den Spiegel vor«, sagte Noa Regev, die junge neue Direktorin des JFF »Unsere Politiker könnten von Holbrooke lernen, wie man aus ideologischen Fallen herausfindet und Brücken baut. Außerdem zeige der Film, wie internationale Politik wirklich funktioniert.«

Seit 2014 leitet die junge Filmwissenschaftlerin in Personalunion das Filmfestival und die Jerusalemer Cinematheque. Die Fußstapfen, in die Regev dabei tritt, könnten kaum größer sein: Vergangenem März starb 93-jährig Lia van Leer, die legendäre Gründungsdirektorin der Cinematheque und des JFF und »grande dame« des israelischen Kinos.

»Lia war eine unvergleichliche Persönlichkeit. Wir werden nie vergessen, was sie geschaffen hat, und sind ihrer Mission verpflichtet.« Auch in Zukunft werde das JFF sich auf Autorenfilme konzentrieren, auf individuelle Handschriften von Filmemachern. »Wir wollen Filme zeigen, die das israelische Publikum ohne uns nicht zu sehen bekommt.«

Kritik Das heißt Filme ohne israelischen Verleih und Neuentdeckungen, aber auch Filme, die politisch gerade nicht opportun sind. »Wir haben bislang keinerlei Zensur-Probleme«, betonte Regev zu Beginn ihrer zweiten JFF-Ausgabe als Direktorin, »aber natürlich gab und gibt es immer wieder vereinzelte Kritik an bestimmten Filmen. Das ist gut, denn wir wollen Debatten auslösen und Denkanstöße geben.« Das Festival solle nach seinem Ende in den Köpfen und Herzen der Menschen weiterleben.

Der Erfolg beim Publikum gibt ihr recht. Die JFF-Kinos waren voll, und oft ausverkauft, das Publikum war in jeder Hinsicht gemischt, sehr neugierig und kam nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Das JFF ist das bedeutendste Schaufenster des israelischen Kinos ist: »Ein wichtiges Anliegen ist es«, so Regev, »Menschen aus anderen Ländern nach Jerusalem zu locken, und ihnen zu zeigen, was Israel zu bieten hat.«

Wie beispielsweise Tova Ashers A.k.a. Nadia, das Drama einer Frau, die seit 20 Jahren das Leben einer jüdischen Karrierefrau lebt. Keiner weiß und sie selbst hat fast vergessen, dass ihre Mutter eine Araberin war. Doch irgendwann kommt das Verdrängte zurück. Oder Avishai Sivans Tikkun, in dem eine ultra-orthodoxer Student eine Nahtoderfahrung macht und fortan von Albträumen gequält und in seinem Glauben erschüttert wird.

Zombie Zu einem Renner am ersten Wochenende wurde Jeruzalem. Die Brüder Yovav und Dorin Paz haben einen überaus vergnüglichen Zombie-Film gedreht, der komplett in der Altstadt von Jerusalem spielt. Als sich die Untoten aus dem Grab erheben, kann auch die Armee nicht viel machen – eine Gruppe hübscher Touristinnen, Soldaten, einem Apokalyptiker und einem Verrückten irrt durch die Gassen und kämpft im Paranoia-Chaos ums Überleben. Der Film ist auch eine kluge Umdeutung von Terrorangst und Anti-Terrorkampf. Jeruzalem ist ein Beispiel für die ästhetische Verjüngungskur, die Regev dem Festival verordnet hat.

Ramallah

Abbas kündigt Wahlen an

Der Chef der Palästinensischen Autonomiebehörde legt den 28. November als Termin für die Neuwahl des Parlaments fest, 2027 soll auch über die Präsidentschaft neu abgestimmt werden.

 10.07.2026

Großbritannien

»Wir haben das nicht richtig gemacht«

Andy Burnham, designierter Nachfolger von Keir Starmer als Labour-Chef und Premierminister, kündigt eine Kurskorrektur in der britischen Nahostpolitik an

von Michael Thaidigsmann  10.07.2026

Verteidigung

Israelisches Startup will »Iron Dome gegen Drohnenschwärme« bauen

Israel hat einen hochmodernen Schutz gegen Raketen, doch Drohnen haben die Kriegsführung grundlegend verändert.

 10.07.2026

Maccabia

Zwischen Medaillen und Menschlichkeit

Für die Schweizer Delegation ist klar, das Spiel ist wichtig, aber neue Freundschaften sind wichtiger

von Nicole Dreyfus  10.07.2026

Opfer der Hamas

Yarden Bibas pflanzt mit Mike Huckabee Baum für seine Familie

Die Ex-Geisel und der US-Botschafter wollen damit die Erinnerung an Kfir, Ariel und Shiri wachhalten, die von Terroristen ermordet wurden

 10.07.2026

Negev

Netanjahu und Armeechef: Israel ist jederzeit zu neuem Militäreinsatz gegen Iran bereit

»Der Krieg ist nicht vorbei«, sagt der israelische Ministerpräsident. »Neben alten Herausforderungen entstehen ständig neue«

 10.07.2026

Humanitäre Hilfe

Israel weist Berichte über Versorgungsengpässe in Gaza zurück

Einem neuen Bericht zufolge sind seit der Waffenstillstandsvereinbarung vom Oktober 2025 1800 Millionen Tonnen an Lebensmitteln nach Gaza gelangt. Israel sagt, das sei mehr als vor dem Krieg

 09.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  09.07.2026

Dublin

Irland beschließt Einfuhrstopp für Waren aus israelischen Siedlungen

Nach acht Jahren Debatte hat das irische Unterhaus ein Importverbot für Produkte aus israelischen Siedlungen im Westjordanland gebilligt

 09.07.2026