Diplomatie

Rückruf aus Protest

Der jordanische Botschafter in Israel, Ghassan Majali Foto: Flash90

Neuer Tiefpunkt in den Beziehungen zwischen Israel und Jordanien: Amman hat seinen Botschafter zurückgerufen, um gegen die Inhaftierung zweier Jordanier in Israel zu protestieren. Gleichzeitig wird in Jordanien ein israelischer Staatsbürger festgehalten, der am Dienstag illegal die Grenze nach Jordanien überquert haben soll.

Forderung Jordaniens Außenminister Aiman al-Safadi forderte am Dienstag die sofortige Freilassung der jordanischen Staatsbürger Hiba al-Labadi und Abdul Rahman Miri, die seit Monaten ohne offizielle Anklage in Israel festgehalten werden. »Wir haben entschieden, unseren Botschafter in Tel Aviv als ersten Schritt zu Konsultationen zurückzurufen«, sagte Al-Safadi. Das israelische Außenministerium äußerte sich am Mittwoch zunächst nicht.

Der Schin Bet wirft den beiden Jordaniern »schwerwiegende Sicherheitsvergehen« vor.

Al-Labadi war nach Medienberichten im August an der israelisch-jordanischen Grenze festgenommen worden, als sie zu einer Familienfeier im Westjordanland reisen wollte. Die Frau mit palästinensischen Wurzeln ist seit mehr als einem Monat im Hungerstreik und wurde bereits in ein Krankenhaus gebracht.

Sicherheit Ein Sprecher des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet teilte am Mittwoch mit, die beiden Jordanier seien im August festgenommen worden, weil man sie »schwerwiegender Sicherheitsvergehen« verdächtige. Nach Medienberichten wird Al-Labadi vom Geheimdienst vorgeworfen, sie habe Kontakt mit der libanesischen Hisbollah-Miliz gehabt. Die junge Frau habe beabsichtigt, im Westjordanland Agenten für Terrororganisation zu rekrutieren. Sie selbst weise die Vorwürfe zurück.

Al-Labadis Anwalt sagte der israelischen Zeitung »Haaretz«, sie habe während eines Besuchs bei ihrer Schwester in der libanesischen Hauptstadt Beirut lediglich einen Moderator eines der Hisbollah zugerechneten Rundfunksenders getroffen.

Friedensvertrag Israel und Jordanien hatten vor 25 Jahren einen Friedensvertrag unterzeichnet. Trotzdem kommt es immer wieder zu diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Ländern.

Im Sommer 2017 hatte ein israelischer Wachmann nach einem Angriff aus Notwehr zwei Jordanier auf dem Botschaftsgelände in Amman erschossen. Israel schloss daraufhin die Botschaft und zog seine Botschafterin ab. Im vergangenen Jahr wurde die Krise beigelegt.  dpa/ja

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Social Media

Shirin David, Bill Kaulitz und die Wassermelonen-Jünger

Bei der Rapperin reicht ein »Free Palestine« für die Verbündeten, bei dem Sänger ein »Tel Aviv! Love!« für die Gegner. Ein Kommentar

von Pola Sarah Nathusius  11.08.2026

Nahost

Israels Armee zerstört Haus im Westjordanland

Hintergrund ist eine tödliche Auseinandersetzung mit Siedlern und Soldaten im vergangenen Monat

 11.08.2026

Jerusalem

Netanjahu setzt umstrittenen Unternehmer auf Likud-Liste

Der neue Kandidat hatte US-Präsident Trump unlängst als »ein moralisch korrumpiertes Stück Scheiße« bezeichnet, revidierte seine Meinung jedoch nun. Derweil deutet sich im Likud ein Streit über Listenplätze an

 11.08.2026

Nahost

Israel erwartet Täuschung durch zwei arabische Staaten

Medienberichten zufolge soll der jüdische Staat mit scheinbaren diplomatischen Annäherungen in Sicherheit gewogen und dann angegriffen werden

 11.08.2026

Nordrhein-Westfalen

Medienminister übt scharfe Kritik an Georg Restle und dem WDR

Nathaniel Liminiski (CDU): »Israel und das Judentum sind kein Freiwild für jeden Vorwurf, auch nicht für Journalisten«

 11.08.2026 Aktualisiert

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  11.08.2026

Diplomatie

Kolumbien erkennt Israels Souveränität über den Golan an

Die neue Regierung in Bogotá will auch die kolumbianische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegen. Unterdessen hat Israel Soforthilfe für die Opfer des schweren Erdbebens in Kolumbien zugesagt

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026