Astronautik

Roter Planet vor der Haustür

Science-Fiction-Filme erzählen von anderen Welten, Planeten mit verborgenen Geschöpfen und Raumfahrzeugen, die in Lichtgeschwindigkeit durchs All düsen. In der Negevwüste wurden die unendlichen Weiten jetzt Wirklichkeit. Zumindest als Simulation. Sechs Wissenschaftler und Experten verschiedener Disziplinen »landeten« im Rahmen von D-MARS an einem streng geheimen, isolierten Ort in der unwirtlichen Natur und taten so, als lebten sie auf dem Mars. Die Aktion ist ein Gemeinschaftsprojekt der Ramon-Station und der israelischen Raumfahrtagentur des Wissenschaftsministeriums (Israel Space Agency, ISA), das zum ersten Mal durchgeführt wird.

D-MARS steht für »Desert Mars Analog Ramon Station«. In der Simulation geht es darum, mögliches Leben auf dem Planeten Mars nachzubauen und zu erforschen. Die zwei Frauen und vier Männer werden komplett von der Außenwelt abgeschnitten, während sie ihre verschiedenen Forschungen durchführen. Die Teilnehmer werden in Erinnerung an den ersten israelischen Astronauten Ilan Ramon »Ramonauten« genannt.

Isolation In der kargen, rot schimmernden Wüstennatur könnte man tatsächlich glauben, man sei auf dem Mars. Die Ramonauten in ihren weiß-blauen Raumanzügen samt Helmen des Designers Alon Livneh sehen »echt« aus, wie sie über den sandigen Boden stapfen. »D-MARS ist ein wirklich einzigartiges Projekt. Es wird fast vollständig von Freiwilligen betrieben und simuliert analoge, also ähnliche Bedingungen, wie sie auf dem Mars herrschen«, erklärt Guy Ron, Professor für Nuklearphysik an der Hebräischen Universität und Leiter der Mission, »damit wir neue Herangehensweisen, Prozeduren oder Technologien ausprobieren können, die eventuell dort angewandt werden können.«

Die Pilotphase des Projekts war bereits nach vier Tagen beendet, in den folgenden Abschnitten aber wird die Isolation für die Ramonauten länger dauern. Dabei sollen insgesamt fünf verschiedene Experimente durchgeführt werden. Später können auch Schüler der Raumfahrtakademie und vielleicht sogar normale Bürger eingeladen werden, an einem Abschnitt der Mission teilzunehmen. Auch ist ein Besucherzentrum in der Nähe des Habitats geplant. Anders als die meisten anderen Projekte, versucht D-MARS, neben der Forschung auch die Öffentlichkeit zu interessieren und zu begeistern. Es gibt Kooperationen mit Bildungseinrichtungen im ganzen Land.

Proben Zum Team gehört Hillel Rubinstein (40), Lehrbeauftragter an der Ben-Gurion-Universität, der Missionen zum Mars erforscht und an einem Beobachtungssatelliten arbeitet, der in sehr geringer Höhe funktioniert. »Es ist fantastisch. Wer will nicht einmal ins All?«, fragt er und lacht. Die Mikrobiologin und Immunologin Reut Sorek-Abramovich ist Gründerin der Israelischen Mars-Gesellschaft und schon deshalb wie geschaffen für das Projekt. Sie fungiert als wissenschaftliche Beauftragte und wird unter anderem Erdproben sammeln, um nach Lebensformen zu forschen. Außerdem erstellt sie eine psychologische Studie zum Effekt der Isolation einer kleinen Gruppe.

Guy Ron (42), der Missionsleiter, untersucht Teilchenbeschleuniger an verschiedenen Standorten in der Welt. Im Negev kümmert er sich darum, die kosmische Strahlung zu messen. Er hofft, auf diese Weise seinen Studenten Geschmack auf die Raumfahrt machen zu können. Die 32-jährige Jacqueline Fay ist Direktorin des Mitzpe-Ramon-Musikzentrums, Cellistin und Reiseführerin im Bereich Astronomie. Sie kümmert sich um die Dokumentation und darum, ein Menü für den Mars zu kochen. Der Architekt Alon Shikar ist dafür zuständig, das Wohnen der sechs so angenehm wie möglich zu gestalten, und der Student der Sozialarbeit, Nadav Kushner, ist Medizinbeauftragter des Teams.

Strahlung »Internationale Raumfahrtagenturen sind bereits bei den Vorbereitungen für Reisen zum Mars und lösen viele technische Probleme, die damit zusammenhängen«, sagt der Direktor der ISA, Avi Balsberger. »Zu den Herausforderungen, denen wir uns stellen wollen, gehören der Bau eines Raumfahrzeugs, das den Bedingungen einer derart langfristigen Mission entspricht, der Einfluss von kosmischer Strahlung auf den Menschen, Planung und Bau von Wohneinheiten, das Leben in einer kleinen und isolierten Gruppe sowie die Kommunikation mit der Erde.« Schon jetzt habe Israel Technologien entwickelt, die vor der Strahlung schützen.

Israel ist nicht der einzige Ort, an dem Mars-Simulationen durchgeführt werden. Unter anderem gibt es Stationen in Utah, wohin ein israelischer Doktorand im vergangenen Jahr als Repräsentant des israelischen Wissenschaftsministeriums geschickt wurde.

Mitzpe Ramon sei übrigens eine hervorragende Gegend, um den fernen Planeten zu simulieren, fügt Ron noch hinzu. »Das Terrain, die Isolation, die Trockenheit sind dem roten Planeten sehr ähnlich.« Praktisch liege der Mars also vor der Haustür. »Und das ist für uns natürlich ganz hervorragend.«

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