In Jerusalem ist bei einer Veranstaltung ein neuer Guinness-Weltrekord erzielt worden: Mehr als 1000 Nieren-Spender wurden gemeinsam fotografiert. Anlass war die Feier von 2000 Lebendspenden in Israel – ein Meilenstein, der laut der Organisation Matnat Chaim (hebräisch »Geschenk des Lebens«) nun offiziell anerkannt werden soll. Israelische Medien wie die »Times of Israel« berichteten.
Die Zahl der Spender und die Bedeutung der Aktion wurde bei der Zeremonie auch von Staatspräsident Isaac Herzog betont. Er kritisierte die ursprüngliche Entscheidung der Organisation Guinness World Records scharf, die Anerkennung zunächst abzulehnen. »Bis vor wenigen Tagen«, sagte Herzog, habe Guinness Israel nicht anerkennen wollen, »nicht wegen der Zahlen, sondern weil es Israel ist.« Die spätere Kehrtwende wertete er als Reaktion auf eine »moralisch fehlerhafte Entscheidung«, die »glücklicherweise rückgängig gemacht wurde«.
Matnat Chaim weist darauf hin, dass Israel laut globalen Gesundheitsdaten weltweit führend bei Lebend-Nierenspenden pro Kopf sei. Insgesamt wurden bisher 2030 Lebendtransplantationen über die Organisation durchgeführt. Der bisherige Guinness-Rekord lag bei 410 Organspendern, die 2018 in den USA gemeinsam fotografiert wurden.
Druck und Proteste
Die anfängliche Ablehnung durch Guinness World Records hatte im Dezember für Aufsehen gesorgt: Die Organisation habe erklärt, »keine Rekordanträge mehr aus Israel oder den palästinensischen Gebieten anzunehmen«, was als politisches Signal interpretiert wurde. Nach öffentlichem Druck und Protesten wurde die Entscheidung zurückgenommen – und die Aufnahme in das offizielle Guinness-Buch erwartet.
Herzog nutzte die Veranstaltung in Jerusalem auch, um die Spender als moralisches Vorbild zu loben. Jeder von ihnen habe »die Gewissheit gewählt, das Leben eines anderen Menschen zu retten, statt persönliche Risiken zu scheuen«, sagte er. Diese Haltung sei ein Beispiel für »moralische Exzellenz« und eine klare Verpflichtung zur »Heiligkeit des Lebens«, selbst wenn die Welt »manchmal ihren moralischen Kompass verliert«.
Bei der Veranstaltung waren auch Spender selbst zu Wort gekommen. Kobi Zemer Tov (40) erzählte laut »Times of Israel«, wie er im November einem Nierenspenderprogramm beitrat, um das Leben seines Schwiegervaters Tal (66) zu retten. »Ich würde es wieder tun«, sagte er. »Man bekommt mehr, als man gibt.«
»Paar-Tausch-Programm«
Tal war 2024 nach routinemäßigen Bluttests in schwerer Niereninsuffizienz gewesen und musste innerhalb weniger Tage mit der Dialyse beginnen. Da seine Frau und Tochter als Spenderinnen nicht geeignet waren, erklärte sich Zemer Tov trotz großer Angst vor Krankenhäusern und Nadeln bereit.
Da seine Blutgruppe jedoch nicht zu Tal passte, vermittelte Matnat Chaim die Familie in ein sogenanntes »Paar-Tausch-Programm«: Unverträgliche Spender-Empfänger-Paare werden dabei mit anderen Paaren getauscht, sodass gegenseitige Transplantationen möglich werden. Nach mehreren Monaten fand sich ein passender Partner, und die Operation wurde vor zwei Monaten im Sheba Medical Center in Tel Hashomer durchgeführt.
Zemer Tov spendete seine Niere an einen 37-jährigen Mann, während Tal eine passende Niere von einem anderen Spender erhielt. Bereits einen Tag nach dem Eingriff waren Tals Blutwerte wieder normal. »Es war unglaublich«, sagte Zemer Tov. »Trotz der Schmerzen konnte er plötzlich wieder gehen. Es fühlte sich wie ein Wunder an.«
Historischer Meilenstein
Matnat Chaim wurde 2009 vom inzwischen verstorbenen Rabbi Yeshayahu Heber gegründet und begleitet Spender während des gesamten Prozesses. Rachel Heber, Vorsitzende der Organisation und Trägerin des Israel-Preises für ihr Lebenswerk, bezeichnete die Veranstaltung als historischen Meilenstein für Israel und die israelische Medizin.
Sharona Sherman, CEO von Matnat Chaim, sagte, das Ziel sei, Israel zum ersten Land der Welt zu machen, in dem es keine Warteliste für Nierentransplantationen mehr gebe. Man arbeite weiter daran, die Spendenbereitschaft zu erhöhen und so viele Leben wie möglich zu retten. im