Israel

Rabbiner beantworten Fragen zu Corona

Foto: Flash 90

Muss ein praktizierender Jude, der wegen einer Covid-19-Erkrankung seinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren hat, Segenssprüche für Speisen und Getränke aufsagen? Dürfen Leute vom Balkon aus an gemeinsamen Gebeten im Hof teilnehmen? Und was macht ein Ultra-Orthodoxer, der am Schabbat unfreiwillig eine Wärmekamera am Eingang eines Krankenhauses aktiviert?

Mit diesen Fragen beschäftigen sich ultraorthodoxe Rabbiner in Israel, seit die Corona-Pandemie den Alltag bestimmt. Denn Abstandsregeln und landesweite Lockdowns machen auch das Leben religiöser Juden komplizierter: Alltägliche Riten und Gebräuche orthodoxer Gemeinden können kaum noch umgesetzt werden, denn vieles spielt sich in Gruppen und öffentlichen Versammlungen ab. Das macht es für fromme Juden besonders schwierig, ihren Lebensstil beizubehalten.

Ein Rabbiner antwortet auf eine Anfrage zur Segnung von Speisen für jene, die wegen des Corona-Virus ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren haben.

Nun hat ein religiöser Verlag in Jerusalem einen 600-seitigen Leitfaden von 46 prominenten Rabbinern veröffentlicht. Die Themen reichen von Beschneidungen unter Einhaltung der Abstandsregeln (erlaubt) über gemeinsame Mahlzeiten am Schabbat bis zu Gebeten mit Mindestteilnehmerzahl vom Balkon (kompliziert).

GEDÄRME Ein Rabbiner antwortet hier beispielsweise auf eine Anfrage zur Segnung von Speisen für jene, die wegen des Corona-Virus ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren haben. Sein Urteil: Gebete seien nach wie vor erforderlich, denn »auch wenn man den Geschmack des Essens nicht wahrnimmt, so profitieren doch die Gedärme und sind gesättigt von den Speisen und ihren Nährstoffen«. In einer zweiseitigen Abhandlung zitiert er danach rabbinische Quellen aus dem Talmud.

Die Sammlung mit dem Titel »Hawieni Hadaraw« ist nur eine Publikation von vielen Broschüren, Büchern, Radio- und Social-Media-Fragen und Antworten, die in den vergangenen Monaten zur Halacha veröffentlicht wurden.

»Immer wenn einem Rabbiner eine Frage gestellt wird, muss er im Wesentlichen tun, was ein Richter tun würde, und frühere Fälle hervorholen, auf denen er aufbaut, um zu seiner Entscheidung in diesem speziellen Fall zu kommen«, erklärt Issamar Ginzberg, ein Jerusalemer Charedi.

»Hätten die Leute es nicht, würden sie sich auf alle möglichen Arten irren«, betont Feldman. »Es hat sehr viel Nutzen.«

Wie viele Menschen der Corona-Sammlung nun folgen werden, ist unklar. Doch es werden sehr viele sein, sagt Ginzberg. »Es ist eher ein juristisches Lehrbuch als ein Roman auf der Bestsellerliste.«

KRISE Herausgeber des »Hawieni Hadaraw« ist der Rabbiner Natan Feldman, nach dessen Worten rund 3000 Exemplare verkauft wurden: »Hätten die Leute es nicht, würden sie sich auf alle möglichen Arten irren«, betont Feldman. »Es hat sehr viel Nutzen.«

Die ultraorthodoxe Minderheit Israels ist von der Corona-Pandemie überproportional betroffen, ihre Städte und Viertel gehören zu den Krisengebieten des Virus. Insgesamt hat Israel rund 200.000 Infizierte und mehr als 1300 Tote gemeldet, wobei die Zahlen nicht nach Bevölkerungsgruppen aufgeschlüsselt werden.

Doch religiöse Viertel waren zum Teil schwer betroffen, weil sie meist ärmer und dichter bebaut sind, enge Beziehungen zwischen den Gemeindemitgliedern bestehen und Synagogen eine zentrale Rolle spielen.

Die moderne Technologie half bei manchen Herausforderungen des Lockdowns, doch verursachte sie auch zusätzliche Probleme.

Einige ultraorthodoxe Schulen blieben offen, obwohl Anfang September ein landesweiter Lockdown den Anstieg der Corona-Infizierten unter Kontrolle bringen sollte. Einige Rabbiner widersetzten sich auch Anweisungen zur Beschränkung der Personenzahlen bei Gebeten, vor allem für die Hohen Feiertage mit den Versammlungen zu Jom Kippur am vergangenen Sonntag und Montag. Die Regierung versuchte, mithilfe von religiösen Führern Gesundheitsregeln und Vorsichtsmaßnahmen publik zu machen.

VERBOTE Viele Fragen handeln von den Schwierigkeiten, im Freien und mit Abstandsregeln Gebete abzuhalten, die traditionell ein Quorum von zehn erwachsenen Männern erfordern. Die Rabbiner hatten unterschiedliche Ansichten darüber, inwieweit die Teilnahme an einem Minjan in einem Gemeinschaftshof vom Balkon aus erlaubt ist.

Die moderne Technologie half bei manchen Herausforderungen des Lockdowns, doch verursachte sie auch zusätzliche Probleme: Kann man zum Beispiel ein Krankenhaus am Schabbat betreten, wenn eine Wärmekamera am Eingang bei jedem Besucher Fieber misst?

Die Aktivierung eines solchen elektronischen Geräts könnte gegen mehrere Verbote verstoßen, betont der prominente Rabbiner Asher Weiss. Von bloßen Besuchen im Krankenhaus riet er daher ab. Wer jedoch medizinische Hilfe benötige, solle das Krankenhaus betreten und nicht sein Leben gefährden.

In der Zukunft könnte die Anleitung auch als Erinnerung an die Sorgen der jüdischen Gemeinde während der Corona-Pandemie dienen.

Weiss‘ Fazit steht in der Einleitung des 600-Seiten-Wälzers: Man müsse »besonders darauf achten, die Anweisungen qualifizierter medizinischer Beamter und die Vorschriften des Gesundheitsministeriums zu befolgen und sie nicht zu verletzen«. Auf Interview-Anfragen reagierte er nicht.

Für Herausgeber Feldman ist die Sammlung religiöser Corona-Regeln nicht nur eine Anleitung für die, die sich an die Halacha halten wollen. In der Zukunft könne sie auch als Erinnerung an die Sorgen der jüdischen Gemeinde während der Corona-Pandemie dienen: »Wenn es, Gott bewahre, eine weitere Pandemie im kommenden Jahrhunderte geben sollte, so wird es zumindest eine Erinnerung, eine Art Unumgänglichkeit für die kommenden Generationen geben.« dpa

Modschtaba Chamenei

Wo ist der neue Ayatollah?

Der »Oberste Führer« des Iran ist seit seiner Wahl nicht öffentlich aufgetreten. Ist er noch am Leben?

von Sabine Brandes  07.04.2026

Teheran

Landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur im Iran

Mehrere Autobahnen und Eisenbahnbrücken wurden angegriffen. Israels Premierminister Netanjahu bestätigt die Angriffe und sagt, dass die Ziele von den Revolutionsgarden genutzt würden

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke

Israels Militär droht mit Angriffen auf das iranische Schienennetz. Nur wenige Stunden später meldet der Iran die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke

 07.04.2026

Haifa

Vier Opfer eines iranischen Angriffs als Mitglieder einer Familie identifiziert

Die Eheleute Wladimir Gershovitz und Lena Ostrovsky Gershovitz, deren Sohn Dimitri sowie dessen Frau Lucille-Jane sind am Sonntag bei einem Raketeneinschlag in Haifa getötet worden. Die Anteilnahme im Land ist groß

 07.04.2026

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Fünf Gründe, den jüdischen Staat zu lieben – mit all seinen Stärken und Schwächen

von Daniel Neumann  07.04.2026

Iran-Krieg

Medien: USA greifen Dutzende Ziele auf Ölinsel Charg an

Bereits Mitte März hat das US-Militär die Insel Charg im Persischen Golf bombardiert. Nun berichten US-Medien über neue Angriffe

 07.04.2026 Aktualisiert

Türkei

Schüsse vor Israels Konsulat in Istanbul – Ein Angreifer tot

Vor dem israelischen Konsulat in Istanbul sind Schüsse gefallen. Einer von drei Angreifern wird nach offiziellen Angaben getötet. Was steckt dahinter?

 07.04.2026 Aktualisiert

Teheran

Bericht: Synagoge in Teheran bei israelischem Angriff beschädigt

Ein Luftangriff hat laut iranischen Angaben eine Synagoge in Teheran schwer beschädigt. Was bisher bekannt ist

 07.04.2026

Jerusalem

Nach Rassismus-Skandal: Netanjahu entlässt seinen Kabinettschef

Zvi Agmon soll sephardische Abgeordnete rassistisch beleidigt haben. Seinen Posten als Kabinettschef muss er nun räumen

 07.04.2026