Tel Aviv

Proteste von äthiopischen Juden nach Polizeigewalt

Äthiopische Juden protestieren gegen den Tod eines 18-Jährigen. Foto: Flash90

Nach dem Tod eines Juden mit äthiopischen Wurzeln bei einem Polizeieinsatz in Israel sind Proteste im ganzen Land eskaliert. Tausende aus Äthiopien stammende Juden demonstrierten am Dienstagabend gegen Polizeigewalt und Rassismus.

83 Menschen wurden laut Rettungsdienst verletzt, darunter 47 Polizisten. Mindestens 60 Demonstranten wurden laut Polizei festgenommen. Demonstranten setzten Fahrzeuge in Brand und blockierten zentrale Kreuzungen unter anderem in Tel Aviv. Nach Medienberichten standen zeitweise schätzungsweise 60.000 Menschen im Stau.

Polizist Am Sonntag hatte nach Polizeiangaben in der Hafenstadt Haifa ein Polizist in seiner Freizeit einen Streit beobachtet. Er habe die sich streitende Gruppe angesprochen, welche ihn daraufhin mit Steinen beworfen habe. Er habe um sein Leben gefürchtet und geschossen.

Ein 18-jähriger Jude mit äthiopischen Wurzeln wurde tödlich getroffen. Augenzeugen berichteten laut israelischen Medien, der Polizist sei nicht in Gefahr gewesen und habe die Jugendlichen mit der Waffe bedroht.

Präsident Reuven Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigten in Stellungnahmen Anteilnahme an der Trauer und Verständnis für die Kritik der Demonstranten. Sie riefen jedoch zu einer Beruhigung der Lage und zum Dialog auf.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Integration Bereits im Januar war es nach einem ähnlichen tödlichen Vorfall zu Protesten in Tel Aviv gekommen. Ende 2017 lebten nach Angaben des israelischen Statistikbüros rund 149.000 Juden mit äthiopischen Wurzeln in Israel.

Ihre soziale Integration gestaltet sich mitunter schwierig: Am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder der Vergabe staatlicher Leistungen sehen sich viele diskriminiert. Es kam zudem wiederholt zu rassistischen Übergriffen.  dpa

Knesset-Wahlen

Ein Wegweiser durch den Dschungel der israelischen Politik

Am 27. Oktober wählt Israel. Sie wollen mitreden, aber können die Parteien nicht auseinanderhalten? Willkommen im Klub. Die Israelis können es auch nicht

von Guy Katz  31.08.2026

Interview

»Israel ist stärkste Macht in der Region«

Dan Schueftan war Sicherheitsberater unter Israels Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin und Ariel Scharon. Heute sieht er das Land so dominant wie nie zuvor – und Europa auf einem ideologischen Irrweg

von Detlef David Kauschke  31.08.2026

Rehovot

Israelische Forscher melden Erfolg bei Krebsforschung

Forscher des Weizmann Institute of Science entdeckten gemeinsam mit amerikanischen Wissenschaftlern einen bislang unterschätzten Mechanismus bei der Entstehung genetischer Mutationen

 31.08.2026

Ofer Winter

Analyse

Wer hat Angst vorm Winter?

Vor den Wahlen wächst im Likud die Sorge vor Ofer Winter. Der Ex-General will das rechte Lager verändern und unterstützt trotzdem Netanjahu als Premier

von Sabine Brandes  31.08.2026

Jerusalem

Frauen in Israels Politik: Der nächste Rückschritt droht

Eine »Ynet«-Recherche zeigt: Von Gleichberechtigung kann bei den meisten Parteien keine Rede sein. Es gibt nur eine echte Ausnahme

 31.08.2026

Gedenken

Die »schönen Sechs« - wir vergessen nicht

Vor zwei Jahren wurden Hersh Goldberg-Polin, Carmel Gat, Almog Sarusi, Ori Danino, Eden Yerushalmi und Alexander Lobanov von der Hamas in Gaza ermordet

von Sabine Brandes  31.08.2026

Jerusalem

Bennett für Begnadigung Netanjahus – unter einer Bedingung

»Ich möchte nicht, dass er im Gefängnis landet«, sagt der frühere Ministerpräsident und Oppositionspolitiker

 31.08.2026

Jerusalem

Netanjahu: Protokolle werden »die Wahrheit« über den 7. Oktober zeigen

»Sie haben mich gefragt, was passiert wäre, wenn sie mich geweckt hätten. Es wäre nicht passiert«, so Israels Ministerpräsident

 31.08.2026

Geiselverhandlungen

Israels geheimer Draht zur Hamas

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Geheimdienstes Schin Bet enthüllt in einem Interview erstmals direkte Gespräche mit der Führung der Terrororganisation nach dem 7. Oktober 2023

von Sabine Brandes  30.08.2026