Regierung

Ohne Handschlag

Oppositionsführer Yair Lapid von der Zentrumspartei Jesch Atid (2. v.l.) Foto: Flash90

Der neue Regierungschef ist der alte. Likud-Vorsitzender Benjamin Netanjahu ist als israelischer Premierminister der 37. Regierung vereidigt worden. Es ist seine sechste Amtszeit. Während er vom neuen Knessetsprecher Amir Ohana umarmt und von seiner Familie beklatscht wurde, verweigerte ihm sein Vorgänger den traditionellen Handschlag.

Yair Lapid verließ das Plenum, ohne Netanjahu die Hand zu reichen. Vorher hatte der Vorsitzende der Zentrumspartei Jesch Atid gebeten: »Bitte versuchen Sie, das Land nicht zu zerstören«. Auf dem Schreibtisch des Regierungschefs ließ er nach seinem Auszug Berichten israelischer Medien zufolge eine Nachricht mit nur zwei Worten: »Lapid 2024«.

Das Vertrauen in die Regierung wurde von 63 der 64 Koalitionsmitglieder bestätigt. Ein Parlamentarier befindet sich im Ausland. Es gab 54 Gegenstimmen der 120 Sitze zählenden Knesset.

KÖPFE Während Knessetsprecher Ohana, ein offen homosexuell lebender Mann, zur Knesset sprach, senkten viele Abgeordneten der ultraorthodoxen Parteien ihre Köpfe oder drehten sie weg. Ohanas Lebensgefährte und die beiden Kinder des Paares saßen derweil als Zuschauer auf der Tribüne.

Auch der Vorsitzende der Anti-LGBTQ-Fraktion Noam, Avi Maoz, schaute Ohana nicht an. Doch der Knessetsprecher versicherte von seinem Pult, er sei sicher, dass diese Regierung Familien wie seiner nicht schaden werde.  

Netanjahu stellte anschließend einen Minister nach dem anderen vor. Während die überwiegende Vergabe der Ressorts bereits zuvor bekannt gewesen war, gab es einige Überraschungen. Zum Kabinett gehört Ron Dermer, ehemaliger israelischer Botschafter in den USA, und enger Berater von Netanjahu. Er wird Minister für strategische Angelegenheiten.

»Ich bin nicht in der Lage, weiterhin eine Politik zu vertreten, die sich so radikal von dem unterscheidet, woran ich glaube.«

botschafterin yael german

Außenminister wird für zwei Jahre Eli Cohen vom Likud, dem sein Parteikollege Israel Katz folgen wird. Die neue Koalition besteht aus 31 Ministern und vier Stellvertretern. Es gibt nur fünf Ministerinnen.

Währenddessen schickte Israels Botschafterin in Frankreich, Yael German, einen Brief an den neuen Premierminister, in dem sie ankündigt, dass sie von ihrem Posten in Paris zurücktritt. German gilt als Verbündete von Lapid.

DEMOKRATIE Sie sei stolz darauf, Israel unter der vorherigen Regierung vertreten zu haben, die ihrer Meinung nach auf »Demokratie, Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit« basierte. Netanjahu und seine Koalition beschuldigte sie, gegen die Prinzipien der israelischen Unabhängigkeitserklärung und der Vision eines jüdischen und demokratischen Staates verstoßen zu haben.

»Leider«, schrieb German, »beinhaltet die von Ihnen gegründete und geführte Regierung Vertreter von Parteien, deren extreme Positionen in ihren Richtlinien, in ihrer Politik und in Erklärungen zu Gesetzen – in meinen Augen unrechtmäßigen Gesetzen – zum Ausdruck kommen«.

Die Botschafterin fügte hinzu, dass sie »nicht in der Lage ist, weiterhin eine Politik zu vertreten, die sich so radikal von dem unterscheidet, woran ich glaube«.

Jerusalem

Roman Gofman neuer Leiter von Israels Geheimdienst Mossad

Ein Mann aus dem Militär und Berater Netanjahus wird nun Chef des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Dem umstrittenen Wechsel an der Spitze des Mossad war ein Rechtsstreit vorausgegangen

 02.06.2026

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović, macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Film

Die Entwirrung der UNRWA

Eine neue Dokumentation beleuchtet Geschichte, Auftrag und politische Rolle des Palästinenserhilfswerks

von Maria Ossowksi  02.06.2026

Pride Month

Bennett entdeckt LGBTQ-Community für den Wahlkampf

Der frühere Gegner gleichgeschlechtlicher Partnerschaften fordert heute volle rechtliche Gleichstellung – und erzählt, warum persönliche Erfahrungen seine Sicht verändert haben

von Sabine Brandes  02.06.2026

Gerlingen/Tel Aviv

Bosch reduziert Forschungspräsenz in Israel

Zwei Büros in Tel Aviv und Haifa sollen geschlossen werden. Die Hintergründe

 02.06.2026

Jerusalem

Israels Parlament billigt in erster Lesung eigene Auflösung

In der Koalition von Regierungschef Netanjahu gibt es Streit. Die Charedim pochen deshalb auf einen früheren Wahltermin. Eine weitere Hürde auf dem Weg dahin ist nun genommen

 02.06.2026

Luftfahrt

El Al nimmt Direktverbindung zwischen Tel Aviv und San Francisco wieder auf

Geplant sind drei Flüge pro Woche, die jeweils rund 15 Stunden dauern. Auffällig ist die Flugnummer

 02.06.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Charedim legen mit Massenprotest Verkehr lahm

In mehreren Teilen Israels protestierten sie gegen die Festnahme von Wehrdienstverweigerern

 02.06.2026

Jerusalem

Kritik an Netanjahu wegen Verzicht auf Angriff gegen Hisbollah in Beirut

Der ehemalige Ministerpräsident Naftali Bennett sagt, die Regierung habe »die Kontrolle über die israelische Souveränität verloren«

 02.06.2026