Israel

Gerichtshof bremst Premier aus

Der Oberste Gerichtshof fällte ein Urteil gegen Netanjahu. Foto: Flash 90

Es endete in wütendem Geschrei und Beschimpfungen. Die Besetzung der Position des Justizministers in der Kabinettssitzung unter der Leitung von Premier Benjamin Netanjahu am Dienstagabend führte zu einer Warnung des Generalstaatsanwaltes und einem Rüffel des Obersten Gerichtshofes. Erst danach gab der Regierungschef nach.

KANDIDAT Netanjahu hatte zunächst seinen Verbündeten Ofir Akunis (Likud) einsetzen wollen, obwohl die Position entsprechend des Rotationsabkommens der derzeitigen Regierung an einen Kandidaten aus den Reihen der Zentrumspartei Blau-Weiß gehen muss. Nach dem Vorschlag Netanjahus, Akunis and die Spitze des Ressorts zu setzen, schritt Generalstaatsanwalt Avichai Mendelblit ein und rief, dies sei »illegal«.

Während der Sitzung machte Mendelblit klar, dass die Übergangsregierung damit ein Grundgesetz breche. Dieses hatte Netanjahu erst im Jahr zuvor gemeinsam mit Koalitionspartner Benny Ganz von der Partei Blau-Weiß geändert, um eine Rotationsvereinbarungder beiden Politiker im Amt des Regierungschefs durchsetzen. Dennoch drückte der Ministerpräsident die Benennung durch – unter dem heftigen und lautstarken Widerspruch von Blau-Weiß. Netanjahu jedoch beharrte darauf, der Schritt sei »legal«.

»Das Kabinett hätte auf den Einwand des Generalstaatsanwaltes hören müssen. Doch das hat es nicht getan.«

Präsidentin Gerichtshof, Esther Hayut

Nur zwei Stunden später schritt der Oberste Gerichtshof ein. Unter der Leitung von Präsidentin Esther Hayut urteilten die Richter, dass Akunis vorerst nicht als Justizminister fungieren könne, bis das Gericht anders entscheidet, und bremsten Netanjahus Vorhaben damit zumindest vorübergehend aus.

ERKLÄRUNG Hayut erklärte am Dienstagabend, dass das Kabinett auf den Einwand des Generalstaatsanwaltes und höchsten juristischen Berater der Regierung hätte hören müssen. »Doch das hat es nicht getan.« Erst danach gab Netanjahu nach. Am Mittwochmittag veröffentlichte sein Büro folgende Erklärung: »Nachdem seine Kompromissangebote wieder einmal abgelehnt wurden, um die Lähmung zu beenden, hat der Premierminister entschieden, Benny Gantz zum Justizminister der Übergangsregierung zu ernennen.«

Der Posten an der Spitze des Justizministeriums ist seit April vakant. Verteidigungsminister Gantz, Vorsitzender von Blau-Weiß, hatte schon lange gefordert, dass er das Amt übernimmt. Doch Netanjahu hatte anderes im Sinn. Kritiker befürchten, dass der Regierungschef einen ihm freundlich gesinnten Justizminister einsetzen will, um seine persönliche Agenda voranzubringen. Derzeit wird Netanjahu wegen Korruption in drei Fällen in Jerusalem der Prozess gemacht.

PATT Die Israelis hatten am 23. März zum vierten Mal innerhalb von zwei Jahren ihre Stimme für ein neues Parlament abgeben müssen. Doch wieder einmal war das Ergebnis eine Patt-Situation.

Derzeit versuchen sowohl der rechts-religiöse Block sowie der sogenannte Anti-Netanjahu-Block, eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen. Weder der eine noch der anderen hat bislang damit Erfolg. Und so geht der politische Stillstand, der seit mehr als zwei Jahren andauert, weiter.  

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Nach den Wahlen

Streit um Regierungsbildung in Israel eskaliert

Israels amtierender Ministerpräsident Netanjahu fordert eine breite Koalition unter Einschluss der Rechtsextremisten. Oppositionspolitiker Eisenkot weist das Angebot umgehend als PR-Manöver zurück

 07.11.2026

Interview

Kann Israel ohne Amerikas Waffen bestehen?

Der Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold erklärt, was ein Ende der US-Militärhilfe für Israels Sicherheit bedeuten würde und wie sich das Verhältnis zu Washington in Zukunft entwickeln könnte

von Sabine Brandes  07.11.2026

Jerusalem

Israels Präsident vergibt Auftrag zur Regierungsbildung

In Israel beginnt der Countdown zur Regierungsbildung. Präsident Herzog vergibt den Auftrag wahrscheinlich an den Oppositionspolitiker Eisenkot

 07.11.2026

Medizin

Eine neue Lunge und zur Genesung nur Paracetamol

In Israel ist erstmals eine Lungentransplantation mithilfe eines Operationsroboters gelungen. Für den Patienten bedeutet das eine deutlich schnellere Genesung

von Sabine Brandes  06.11.2026 Aktualisiert

Israel

Was sich mit Eisenkot ändern könnte

Eine Mehrheit der Abgeordneten empfiehlt Gadi Eisenkot für den Auftrag zur Regierungsbildung. Doch der Weg ins Amt ist steinig. Und wie weit könnte ein Kurswechsel unter ihm tatsächlich gehen?

von Sara Lemel  06.11.2026

Wahlen

Netanjahus Partner gehen von Bord

Die Charedim erklären sich für ungebunden und entziehen dem Rechtsblock ihre Unterstützung. Herausforderer Gadi Eisenkot hat deutlich mehr Empfehlungen hinter sich

von Sabine Brandes  05.11.2026

Israel

Herzog setzt Gespräche über Regierungsbildung fort

Erst Gespräche mit den kleinen Parteien, am Abend dann mit den stärksten in der neuen Knesset: Präsident Herzog sondiert die Möglichkeiten für eine neue Regierung

 05.11.2026