Tmol Shilshom

Oase der Literatur

Wegweiser zum Tmol Shilshom Foto: Ingo Way

Der Schriftsteller und Literaturliebhaber David Ehrlich, Gründer des »Tmol Shilshom«, eines der schönsten Cafés in Jerusalem, ist am Sonntag völlig unerwartet im Alter von 61 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Das teilte sein langjähriger Geschäfts- und Lebenspartner Dan Goldberg auf der Facebook-Seite von Tmol Shilshom mit.

»Mit großer Trauer und unbeschreiblichem Schmerz teile ich mit, dass mein Partner und guter Freund David Ehrlich heute Abend verstorben ist. Es fällt mir schwer, von ihm in der Vergangenheitsform zu reden. Die Güte in ihm, seine Liebe und seine Hoffnung auf eine bessere Zukunft haben ihn immer geleitet«, schrieb Goldberg. Die beiden haben gemeinsam zwei zwölfjährige Zwillingstöchter.

LESUNGEN David Ehrlich wurde 1959 in Ramat Gan geboren. Das Tmol Shilshom eröffnete er 1994, weil ihm die Buch-Cafés, die er in den USA kennengelernt hatte, so gut gefielen.

Am Eröffnungsabend las der Lyriker Jehuda Amichai. Seither gab es zahllose Lesungen mit israelischen und internationalen Autoren wie Amos Oz, David Grossman, Aharon Appelfeld, Etgar Keret, Abraham B. Jehoschua, Batya Gur oder Nadine Gordimer. 2013 erschien auf Englisch Ehrlichs eigener Kurzgeschichtenband Who Will Die Last. Stories of Life in Israel.

Das Tmol Shilshom, benannt nach dem berühmten Roman von Shai Agnon (deutscher Titel: Gestern, vorgestern), hat erst kürzlich sein 25. Jubiläum gefeiert. Seit einem Vierteljahrhundert kann man dort sowohl gut Hallumi-Salat und Schakschuka essen und hausgemachte Limonada oder Tee mit Nana trinken als auch neue wie gebrauchte Bücher kaufen.

Hinterhof Obwohl, oder weil, es sehr versteckt im Hinterhof eines 150 Jahre alten Hauses in der Nähe der Jaffa Street liegt und man dann auch noch eine Treppe in den ersten Stock hochsteigen muss, hat das Café seine treue Stammkundschaft.

Ehrlich hat sein Café durch so manchen Sturm navigiert, durch die Zweite Intifada 2000, während der Raketenangriffe 2014 und 2015, als Touristen ausblieben, oft scharf am Konkurs vorbei. Schließen musste er nie. Vergangene Woche dann kündigte er an, dass das Tmol Shilshom wegen der Corona-Krise bis auf Weiteres dichtmacht. Seine Wiedereröffnung wird David Ehrlich nun nicht mehr erleben.

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Für den frischgebackenen Leiter des ARD-Studios Nairobi ist die »Jüdische Allgemeine« ein Propaganda-Sprachrohr der israelischen Regierung. Eine Entgegnung

von Michael Thaidigsmann  29.06.2026

Rüstungstechnologie

Israelische Raketenabwehr für Katar

Fotos beweisen, dass in katarischen Regierungsmaschinen Militärtechnologie von Elbit verbaut wurde. Dabei pflegen Israel und Katar nicht einmal diplomatische Beziehungen

 29.06.2026

Reaktionen

»Erster Schritt zum Frieden«

Während Jerusalem und Beirut das Abkommen begrüßen, weist die Hisbollah es entschieden zurück

von Sabine Brandes  29.06.2026

Jerusalem

Israel erkennt den Völkermord an den Armeniern an

Die historische Entscheidung birgt diplomatische Sprengkraft. Außenminister Sa’ar bezeichnete die Anerkennung als »moralische Pflicht«

von Sabine Brandes  29.06.2026

Reisen

(Fast) freie Startbahn für den Sommer

Mehr als 200.000 Flugtickets hätten storniert werden müssen, weil am Flughafen Ben Gurion noch immer amerikanische Militärflieger parken. Jetzt gibt es eine Einigung

von Sabine Brandes  29.06.2026

Nahost

Israel greift Ziele in Südsyrien an

Die Armee hat nach eigenen Angaben »mehrere bewaffnete Terroristen« getötet

 29.06.2026

Südlibanon

Israelische Armee zerstört massiven Hisbollah-Tunnel

Der 25 Meter tiefe und 200 Meter lange Tunnel soll nur 10 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt gewesen sein

 29.06.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  28.06.2026

Interview

»Es braucht eine umfassende Kampagne«

Der israelische Diplomat Akiva Tor beklagt, dass das angeschlagene Image seines Landes die nationale Sicherheit des jüdischen Staates gefährdet

von Sabine Brandes  27.06.2026