Soziale Medien

»Looks« im Luftschutzbunker

»Bunker-Selfie«: Der Komiker Shahar Cohen bespaßt die Israelis. Foto: Screenshot Instagram

Soziale Medien

»Looks« im Luftschutzbunker

In Zeiten des Krieges lenken sich Israelis mit Galgenhumor von der anstrengenden Realität ab

von Sabine Brandes  15.06.2025 16:53 Uhr

Liad Bor dreht sich vor seiner Handykamera hin und her. Er trägt ein schlabbriges T-Shirt, Shorts und Badelatschen. »Look eins für den Bunker: Oy, der Iran hat mich aus dem Bett gerissen, ich habe mir übergeworfen, was gerade herumlag.« Gespielt blasiert fragt der israelische Influencer, was seine Follower von den Klamotten halten. Posts wie diese haben derzeit in den sozialen Medien Hochkonjunktur. Je anstrengender die Realität, desto häufiger lenken sich die Israelis mit Humor ab.  

Einige Sekunden darauf zeigt sich Bor in dem Clip in Instagram mit frischem Hemd in Weiß und beigefarbener Cargohose. »Look zwei: nett und elegant. Die Raketen haben mich erwischt, als ich fertig zum Ausgehen war.« Im dritten Outfit ist er in eine Bettdecke eingewickelt, seine nackten Beine ragen heraus. »Look drei: Sirene fast verschlafen, in letzter Sekunde in den Bunker gerannt und gerade noch alles eingepackt…«

Geschmacksgrenzen gibt es wenige

Influencer spielen mit den Situationen der israelischen Realität und überspitzen das, was für Einheimische normal, für Außenstehende jedoch oft vollkommen unwirklich scheint. Die Social-Media-Comedians sind frech, unverfroren und ganz und gar überzogen. Geschmacksgrenzen gibt es wenige.

Viele Israelis empfinden schwarzen Humor in der oft extremen Realität als willkommene Abwechslung. Er hilft, sich vom Stress der anhaltenden Angriffe abzulenken und sich in gewisser Weise zu distanzieren. Doch er spiegelt auch die Widerstandsfähigkeit der Israelis wider.

»Galgenhumor passt zu uns«, findet Sivan Biton, die während des iranischen Angriffs in der Nacht zum Sonntag in einem öffentlichen Bunker in Tel Aviv Schutz gesucht hat. »Unsere Realität ist so oft der totale Irrsinn. Was andere als verrückt bezeichnen, ist für uns Alltag. Um nicht durchzudrehen oder zu verzweifeln, sollte man alles auf die Schippe nehmen und vor allem über sich selbst lachen.« Sie findet, dass dies den Israelis »ziemlich gut gelingt«.

Sivan Biton: »Wenn man im Nahen Osten leben will, ohne den Verstand zu verlieren, muss man eine gehörige Portion Humor haben.«

Zwischen ihren Freunden und innerhalb der Familie werden ständig Videos, Bilder und Anekdoten hin und her gesandt, die die Lage im Land ins Lächerliche ziehen. »Wenn man im Nahen Osten leben will, ohne den Verstand zu verlieren, muss man eine gehörige Portion Humor haben«, meint die junge Israelin.  

Shahar Cohen hat sie definitiv. Der Komiker, in Instagram bekannt als »My Life«, nimmt die Israelis mit Vorliebe auf den Arm. Mit schwarzer Langhaarperücke und Vollbart spielt er »Nofar«, eine junge Israelin, die sich in Gen-Z-Slang durch den Alltag kämpft.

Im neuesten Sketch begibt sich Nofar während eines Alarms in Sicherheit. Allerdings hat sie Bedenken, ob alles seine Richtigkeit hat. »Warte mal, seid ihr sicher, dass wir überhaupt im Bunker sein müssen?«, fragt sie im knallroten Abendkleid und sichtlich genervt . »Was heißt überhaupt ‚Red Alert‘? Also ich verstehʼ nichts mehr in diesem Land …« Auch der Ton der App gefällt ihr nicht. »Als ob hier gleich irgendwelche Aliens landen.«

Shahar Cohen alias Nofar ist über die Grenzen Israels bekannt

Shahar Cohen alias Nofar ist mit mehr als 144.000 Followern mittlerweile über die Grenzen Israels bekannt und beliebt und tourt mit seiner Show »My Life« durch die Welt. Zurzeit ist er allerdings zu Hause und besucht seine Landsleute in den Schutzräumen, um sie in schweren Stunden zu bespaßen. »Selfies im Bunker« inklusive.

Längst eine Institution ist die seit mehr als 20 Jahren im Fernsehen laufende Satiresendung »Eretz Nehederet« (Wunderbares Land). Die Show nimmt vor allem Politiker und Berühmtheiten aus der israelischen Gesellschaft aufs Korn und fängt die Stimmung im Land ein.

Einer der Macher, Muli Segev, ist überzeugt, dass schwarzer Humor die Menschen nicht nur ablenken, sondern ihnen auch Trost spenden kann. »Es ist das alte jüdische Geheimnis: Wir lachen dem Tod einfach ins Gesicht.«

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

Benjamin Netanjahu

Meinung

Nicht wegen des Krieges: Warum Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirklich zurücktreten sollte

von Roman Haller  07.08.2026

Thailand

Israelische Mutter und Tochter nach Angriff im Krankenhaus

Die Touristinnen wurden auf der Insel Koh Phangan von einem Mann attackiert, der zuvor Israels Vorgehen im Gazastreifen kritisiert hatte. Eines der Opfer erlitt eine Gehirnblutung

 07.08.2026

Washington/Rom

USA: Annäherung bei Gesprächen zwischen Libanon und Israel

Man sei sich »nun deutlich näher« bei der Frage, was getan werden müsse, um die sogenannten Pilotzonen weiterzuführen und auszubauen, sagt ein Sprecher des US-Außenministeriums

 07.08.2026

Westjordanland

Mutter und Sohn entgehen Lynchversuch nach Irrfahrt in Dschenin

»Dutzende Araber versuchten, die Türen zu öffnen, warfen Steine auf uns und versuchten, uns anzuhalten«, sagt die Frau

 07.08.2026

Nahost

UNICEF-Erhebung: Kaum Mangelernährung bei Kindern in Gaza

»Im Gazastreifen herrscht keine Hungersnot«, heißt es im israelischen Außenministerium. Dies sei das eindeutige Ergebnis

 07.08.2026