Scharon-Park

Neues Grün auf altem Hügel

Schöne Aussichten: Blick vom Belvedere auf die Skyline von Tel Aviv Foto: Ulrike Schleicher

Wenn er fertig ist, wird der Ariel‐Scharon‐Park bei Tel Aviv dreimal so groß sein wie der Central Park in New York. Aber nicht nur die Dimension ist beeindruckend, sondern auch seine Geschichte: Der Öko‐Park, der auf einem und rund um einen 60 Meter hohen Hügel entsteht, war einst die größte Mülldeponie Israels.

An einem Tag im Jahr 2003 bewies Israels damaliger Premierminister Ariel Scharon Weitblick: Er beschloss, die Mülldeponie Hiriya bei Tel Aviv in das größte ökologische Projekt des Landes zu verwandeln. Sein Sohn – ein Umweltaktivist – war daran nicht unbeteiligt. Er fuhr mit Scharon auf den weithin sichtbaren Hügel, der je nach Windrichtung stinkende Schwaden in die umliegenden Städte wehte. Auf dem Gipfel angekommen, stockte dem Premier der Atem – womöglich wegen des Geruchs, bestimmt aber wegen der Aussicht: Von hier aus eröffnet sich dem Blick ein großer Teil des Landes.

Auch heute sind Besucher zuallererst fasziniert von den sich ihnen bietenden Perspektiven. Eine der frühesten Attraktionen war eine Terrasse – Belvedere genannt – mit riesigen Sonnenschirmen aus Holz. Von hier sieht man im Westen das blaue Meer und im Süden und Norden die Skylines der umliegenden Städte.

Fruchtbar Inzwischen ist ein Drittel des Parks fast fertig, im Sommer finden Konzerte statt, ein Radweg führt rund um den Berg, und man kann kostenlose Führungen buchen. »Anfang Dezember werden das Besucherzentrum, ein Café und der See fertig sein«, erklärt Alex Kaplan. Der 41‐Jährige ist Marketingmanager der für die Entwicklung des Parks verantwortlichen Firma und seit Beginn der Arbeiten vor sechs Jahren dabei. Jedes Jahr stehen rund 100 Millionen Schekel aus öffentlichen Mitteln zur Verfügung, um das einst stinkende Ungeheuer in eine grüne Lunge zu verwandeln.

»Schon die Briten haben ihren Müll hier abgeladen«, erzählt Kaplan. Damals allerdings existierte hier noch ein arabisches Dorf mit dem Namen Kheir. Das bedeutet »gut« und bezog sich auf die fruchtbare Erde, die es damals an dieser Stelle gab. Als das Dorf während des Unabhängigkeitskrieges 1948 zerstört wurde, wurde aus Kheir das hebräische Hiriya, und aus der guten Erde wurde eine schlechte: Bis 1998 wurde hier der Müll aus ganz Israel deponiert.

»Der Berg wuchs und wuchs«, sagt Kaplan. Und abgesehen von der hypothetischen Gefahr, dass er hätte zusammenfallen können und der Müll die nahen Flüsse Ayalon und Shapirim verseucht hätte, gab es bereits ganz reale Probleme mit dem Grundwasser. Hinzu kamen Tausende von Vögeln, die sich dort von den Essensresten ernährten und den Flugverkehr gefährdeten. Und eben der Gestank. »Es war klar, dass man diesen Schandfleck nicht sich selbst überlassen konnte«, sagt Kaplan. Nur eine Lösung hatte keiner.

Visionen Doch wie so oft in solchen Fällen tauchte ein Mann mit Visionen auf: Martin Weyl, Vorsitzender der ökologisch ausgerichteten Beracha‐Stiftung. Ihm schien der Tafelberg prädestiniert für eine neue Bestimmung. Aber es war schwer, die Öffentlichkeit zu überzeugen: »Niemand konnte sich vorstellen, dass hier etwas Gutes entstehen könnte«, sagt Kaplan.

Ein internationaler anonymer Wettbewerb im Jahr 2005, den der Münchner Landschaftsplaner Peter Latz gewann, brachte den Durchbruch: Latz entwarf eine mediterrane Landschaft mit Palmen auf dem Plateau, das von einer naturbelassenen Ebene sowie Obstplantagen und Feldern umsäumt wird. Hier – insgesamt sind es 800 Hektar – sollen die Bewohner des dicht besiedelten Raumes künftig Radfahren, Spazierengehen, Konzerten lauschen und Israels Vegetation erleben: Kaplan deutet auf Rosmarin‐, Thymian‐ und Salbeibüsche. »Kräuter, die typisch sind.«

Olivenbäume, die woanders einer Straße im Weg standen, wurden umgepflanzt und sind jetzt Wegbegleiter zum Aussichtspunkt. Der künftige See wird von Palmen beschattet. Das gesamte Baumaterial – angefangen von den Terrassen aus Betonquadern, über die Holzplanken bis zu den Eisenzäunen – stammt aus Recycling. »Peter Latz achtet sehr auf solche Details«, weiß Kaplan. Er besuche den Park mehrmals im Jahr und begleite jeden Schritt der Arbeiten.

Recycling Ein enormer Aufwand war und ist die Aufbereitung des Abfalls im Untergrund. Zuerst wurde alles mit einer Folie abgedeckt, ein unterirdisches Kanalisationssystem sammelt das giftige Sickerwasser, das dann in einer biologischen Abwasserreinigungsanlage aufbereitet wird. »Das Methangas, das bei der Verrottung entsteht, dient einer Textilfabrik zur Energiegewinnung«, erklärt der ehemalige Mitarbeiter des Umweltministeriums. In etwa acht Jahren werde der Prozess abgeschlossen sein, schätzt er. Damit der Berg nicht ins Rutschen gerät, wird ein Betongürtel um das gesamte Gelände gezogen.

Nicht alles jedoch wird paradiesisch werden. Mit voller Absicht. Am Fuße des Ariel‐Scharon‐Parks laden Lastwagen weiterhin Abfall ab, der inzwischen zum Großteil sortiert und recycelt wird. Alex Kaplan erläutert: »Wir wollen den Besuchern zeigen, dass Müll ein Teil unseres Lebens ist und wir lernen müssen, verantwortungsbewusst damit umzugehen.«

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