Jerusalem

Netanjahu will mehr Zeit für Regierungsbildung

Likud-Vorsitzender Benjamin Netanjahu Foto: Flash90

Der designierte Premierminister Benjamin Netanjahu will Präsident Isaac Herzog um eine Verlängerung der Frist zur Regierungsbildung bitten. Das berichten israelische Medien am Mittwoch.

Während Netanjahu bis zum 11. Dezember Zeit hat, um eine regierungsfähige Koalition auf die Beine zu stellen, gestalten sich offenbar die Verhandlungen mit seinen potenziellen Koalitionspartnern schwieriger als angenommen.

FORDERUNGEN Aufgrund teils überzogener und sogar widersprüchlicher Forderungen der verschiedenen Parteien hat sich das Gestalten einer Regierung als schwer fassbar und zeitaufwendig erwiesen. Zudem führen Zugeständnisse an einen Partner dazu, dass andere ihre Forderungen verschärfen. Besonders komplex scheinen die Gespräche mit dem Anführer des Religiösen Zionismus, Bezalel Smotrich, zu sein.

Herzog ist ermächtigt, eine Nachfrist von 14 Tagen zu gewähren. Zusammen mit drei rechtsextremen und zwei ultraorthodoxen Parteien hätte Netanjahus Likud insgesamt 64 Mandate in der 120 Sitze zählenden Knesset in Jerusalem.

Smotrich, der Verteidigungsminister werden wollte, könnte nun doch zustimmen, das Finanzministerium zu übernehmen.

Bislang hat der Likud nur mit zwei seiner potenziellen Partner, Otzma Yehudit und Noam, Koalitionsvereinbarungen unterzeichnet. Die Gespräche mit den anderen drei Parteien, Religiöser Zionismus, Schas und Vereinigtes Tora-Judentum, gehen derweil weiter.

Unterdessen könnte Smotrich, der den Posten des Verteidigungsministers anstrebte, jetzt doch zustimmen, das Finanzministerium zu übernehmen. Am Dienstag hieß es von beiden Parteien, dass man in den Verhandlungen vorangekommen sei. Es ist jedoch noch kein Abkommen festgezurrt.

GESETZE Außerdem hat der Likud damit begonnen, Unterschriften von 61 Parlamentariern zu sammeln, die benötigt werden, um den Knessetsprecher zu ersetzen. Der aktuelle Plan des Likud sieht vor, einen seiner eigenen Abgeordneten, Yariv Levin, ins Amt zu hieven. Das wäre der erste Schritt, um schnell zwei Gesetze zu verabschieden, noch bevor die neue Regierung vereidigt wird.

Denn Netanjahu wird die zusätzliche Zeit nicht ausschließlich nutzen, um die Details der Koalitionsverträge mit künftigen Ministern auszuarbeiten. Er habe angeblich vor, ein Gesetz durch die Knesset zu bringen, das es dem wegen Steuervergehen vorbestraften Vorsitzenden der Schas-Partei Arie Deri ermöglichte, ein Ministeramt zu übernehmen. Deri soll Israels nächster Innenminister werden – ein Amt, das er innehatte, als er angeklagt wurde.

Bislang weigern sich sieben Abgeordnete des Vereinigten Tora-Judentums, die Liste zu unterzeichnen.

Der andere Gesetzesvorschlag sieht vor, die Polizeiverordnung zu ändern, um dem designierten Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, die Befugnis zu geben, selbst Richtlinien für die Polizei festzulegen. Ben-Gvir ist der Vorsitzende der rechtsextremistischen Otzma Yehudit und selbst mehrfach wegen Gewalttaten und Anstachelung zur Gewalt verurteilt worden.

VERSPRECHUNGEN Bislang weigern sich sieben Abgeordnete des streng religiösen Vereinigten Tora-Judentums, die Unterschriftenliste zu unterzeichnen. Sie behaupten, der Likud habe der Partei Versprechungen gemacht, die er jetzt nicht mehr einhalten wolle.

Knessetsprecher Mickey Levy sagte am Dienstag: »Entgegen verschiedener Berichte beabsichtige ich nicht, die Wahl des nächsten Sprechers absichtlich zu verzögern. Eine geordnete Machtübergabe ist aus meiner Sicht ein höchster demokratischer Wert. Sobald ein Antrag von 61 Knessetmitgliedern eingeht, werde ich ihn prüfen und die Knesset in Übereinstimmung mit dem Gesetz sowie den Urteilen des Obersten Gerichtshofs innerhalb weniger Tage einberufen.«

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026