Jerusalem

Netanjahu plant Reise nach Kairo für milliardenschweren Gasdeal

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Foto: copyright (c) Flash90 2025

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bereitet eine Reise nach Kairo vor, um dort ein weitreichendes Abkommen über die Lieferung von Erdgas an Ägypten zu unterzeichnen. US-Diplomaten seien in den vergangenen Tagen eng in die Planung eingebunden, berichten die »Times of Israel« unter Berufung auf eine hochrangige amerikanische Quelle.

Demnach soll Netanjahu bei dem geplanten Besuch mit Präsident Abdel-Fattah al-Sissi zusammentreffen – ein Treffen, das er als historischen Schritt darstellen wolle. Beobachter sehen darin auch den Versuch, sich kurz vor den nächsten Wahlen einen außenpolitischen Erfolg zuzuschreiben und innenpolitischen Kontroversen die Schlagkraft zu nehmen. Aus dem Umfeld des Premierministers kam zunächst ein Dementi.

Israels Botschafter in den USA, Jechiel Leiter, spielt laut dem Bericht eine zentrale Rolle bei den Vorbereitungen. Er koordiniere sowohl mit Washington als auch mit arabischen Staaten, nachdem der bisherige Stratege Ron Dermer sein Amt niedergelegt hatte. Für Netanjahu wäre es die erste offizielle Visite in Ägypten seit 15 Jahren.

Lesen Sie auch

Innenpolitisch umstritten

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit Beginn des Gaza-Krieges belastet. Es gab zwei Jahre lang keine direkten politischen Kontakte, abgesehen von sicherheitsrelevanter Zusammenarbeit der Geheimdienste. Streitpunkte sind unter anderem die Lage am Grenzübergang Rafah, der Umgang mit geflüchteten Palästinensern sowie mögliche ägyptische Beiträge zu einer internationalen Stabilisierungstruppe für Gaza. Zuletzt sorgten auch Schmuggelversuche mit Drohnen für zusätzlichen Ärger.

Im Zentrum der geplanten Reise steht ein langfristiger Gasvertrag im Umfang von rund 35 Milliarden Dollar. Während beide Staaten wirtschaftlich profitieren würden, ist der Deal innenpolitisch umstritten. Energieminister Eli Cohen bremst bislang: »Ich werde Netanjahu kein Abkommen unterschreiben lassen, bevor alle Details geklärt sind, einschließlich der sicherheitspolitischen Differenzen mit den Ägyptern«, sagte er der Times of Israel.

Netanjahu hingegen sieht in dem Projekt die Chance, nach dem Krieg außenpolitische Handlungsfähigkeit zu demonstrieren und seinen Anspruch zu untermauern, Israels Energiepotenzial langfristig für die Staatsfinanzen nutzbar zu machen. ja

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Oppositionspoker: Lapid will Eisenkot ins Team holen, Gantz kritisiert Bündnis

Das Bündnis »Gemeinsam« will mehr Parteien ins Boot holen, um die Chancen für einen Sieg gegen Benjamin Netanjahus Likud zu erhöhen

 29.04.2026

Aschkelon

Charedi-Extremisten stürmen Haus des Chefs der Militärpolizei

Gegner der Wehrpflicht auch für Ultraorthodoxe haben die Familie des IDF-Offiziers bedroht. Eine gefährliche »rote Linie« sei überschritten, sagt die Armee

 29.04.2026

Jerusalem

Haben die Raketenlieferungen nach Deutschland Israel gefährdet?

In Israel ist eine Diskussion über die Frage entbrannt, ob es richtig war, inmitten iranischer Raketenangriffe Arrow-Abfangraketen zu exportieren

 29.04.2026

Israel

Herzog setzt sich für Deal in Netanjahu-Prozess ein

US-Präsident Trump drängt darauf, dass der in einem Korruptionsverfahren angeklagte israelische Regierungschef Netanjahu begnadigt wird. Israels Präsident Herzog strebt eine Einigung an.

 28.04.2026

Nahost

Verdrehte Moral

Es ist geradezu atemraubend, mit welcher Inbrunst das Opfer-Täter-Verhältnis hierzulande verkehrt wird, wenn es um Israels Reaktion auf islamistische Terrororganisationen geht

von Jacques Schuster  28.04.2026 Aktualisiert

Israel

Gefängnis fürs Grillen

Mehr Strafen für Verstöße gegen »religiöse Disziplin«

von Sabine Brandes  28.04.2026

Nahost

Sa’ar: Israel hat »keine territorialen Ambitionen im Libanon«

Israels rechtsextremer Finanzminister Smotrich hat kürzlich gefordert, Israels neue Grenze im Norden müsse ein Fluss im Libanon sein. Israels Außenminister widerspricht.

 28.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026