Israel

Naftali Bennett allein zu Hause

Will nicht verreisen, verteidigt aber die Urlaubspläne seiner Familie: Ministerpräsident Naftali Bennett steht in der Kritik. Foto: imago images/UPI Photo

Gilat Bennett ließ sich auch vom öffentlichen Druck nicht überzeugen: Die Gattin des israelischen Ministerpräsidenten Naftali Bennett nahm ihre Kinder und flog kurzerhand in den Urlaub. Wohin, ist nicht bekannt.

»Wenn mich jemand fragen würde, würde ich im Moment nicht empfehlen, bei einer derartigen Unsicherheit ins Ausland zu fliegen«, hatte Bennett erst am vergangenen Freitag seinen Bürgern angesichts der Coronazahlen und der neuen Virusvariante Omikron empfohlen. »Gerade jetzt« müsse man als Regierung und als Bürger besondere Verantwortung an den Tag legen, hatte er angefügt und davon gesprochen, dass die Israelis in diesen Tagen »zusammenstehen, Verantwortung füreinander übernehmen und vorsichtig sein« müssten.

REGELN Medienberichten zufolge hatten Mitarbeiter des Regierungschefs noch versucht, Gilat Bennett von ihren Urlaubsplänen im Ausland abzubringen, aber vergeblich. Von »sturmfreier Bude« konnte für den zuhause gebliebenen Ministerpräsidenten also keine Rede sein - der politische Sturm braute sich schnell zusammen, und Bennett musste heftige Prügel einstecken.

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Auch die Argumente des Premiers, dass seine Familie doch in ein Land zu reisen werde, das nicht auf der roten Liste der aktuell für Israelis verbotenen Reiseziele stehe, fruchtete nicht. Und auch nicht die Zusicherung, dass seine Frau und die Kinder «alle Richtlinien und Regeln» befolgen werde. «Sie werden alle in Übereinstimmung mit den Beschränkungen reisen und natürlich in Quarantäne sein, wie es erforderlich ist», sagte er.

VERDACHTSFÄLLE Er verstehe die Kritik, schrieb Bennett auf seiner Facebook-Seite. «Aber seit Freitag haben wir viel mehr über die Variante erfahren und in welchen Ländern sie sich ausbreitet, und das Kabinett hat Entscheidungen darüber getroffen, in welche Länder man reisen darf und unter welchen Bedingungen.»

Bennett selbst verspürt offenbar wenig Lust zu verreisen – auch nicht dienstlich. Einem TV-Bericht zufolge könnte er die noch für diesen Monat geplante Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate absagen.

Unterdessen wird erwartet, dass die Zahl der Israelis, die sich mit der Omikron-Variante des Coronavirus angesteckt haben, noch erheblich ansteigen wird. Offiziell bestätigt wurde die Variante bislang bei vier Personen. 17 weitere Verdachtsfälle werden aber noch genauer untersucht. Mitte der Woche wurde bekannt, dass zwei Ärzte am Sheba-Krankenhaus in Ramat Gan, von denen einer vor kurzem bei einer Konferenz in London war, sich mit der neuen Virusvariante angesteckt hatten.

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In einem Interview mit der britischen Zeitung «The Guardian» sagte der Sheba-Kardiologe Elad Maor, er sei am 23. November nach Israel zurückgereist. Zuvor habe er an einer dreitägigen Konferenz in London teilgenommen. Der erste Positivtest sei bei ihm vier Tage später gemacht worden, nachdem er leichte Symptome einer Covid-Erkrankung verspürt habe. Auch ein Kollege Maors wurde daraufhin positiv getestet.

In der Erklärung des Gesundheitsministeriums vom Mittwoch, in der weder die Ärzte noch die beiden anderen möglichen Fälle erwähnt werden, heißt es, dass es in Israel insgesamt 17 Verdachtsfälle gebe sowie weitere 17, die als «möglicherweise verdächtig» eingestuft würden. Offenbar gibt es, was die Aussagekraft der Tests angeht, noch gewisse Unsicherheiten. Die Gesundheitsbehörden erklärten, dass Omikron zwar mit bestimmten PCR-Tests nachweisbar sei. Allerdings brauche es noch eine genetische Sequenzierung, um die Ergebnisse zu bestätigen.

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