Tourismus

Nächster Stopp Tel Aviv

Siegesgewiss: Tel Aviv ist cool, jung und angesagt. Foto: Flash 90

Paris kennen wir, London auch und Amsterdam sowieso. Wer seinen Kleiderschrank aufmöbeln will, jettet für 20 Euro in die französische Metropole – wenn keine Vulkanwolke den Flugverkehr einschränkt. Dann geht es auch für ein Musicalwochenende an die Themse, auf ein paar Tage Kultur nach Budapest, Wien oder Prag. Europas offene Grenzen und günstige Tickets machen es möglich. Städtereisen sind gefragt wie nie. Doch wie wäre es stattdessen mit Bauhaus, Boutiquen und Beach? Tel Aviv, Israels zweitgrößte Stadt, lädt ein. In einer gemeinsamen Aktion von Stadtverwaltung und Tourismusministerium soll »die Stadt, die niemals schläft«, zur Weltstadt werden und Gäste aus der ganzen Welt anlocken.

»Ich wohne in Jerusalem, gehe aber in Tel Aviv aus, ob in einem der hervorragenden Restaurants essen, mit Freunden in eine Bar oder zu einer der vielen Kulturveranstaltungen«, sagt Tourismusminister Stas Misezhnikov. »Tel Aviv hat so viel zu bieten, ich liebe diese Stadt«. Nach Berlin und Warschau stehe sie momentan an dritter Stelle der In-Städte. Der Minister jedoch macht klar: »Unsere Stadt kann mit den anderen beiden mithalten, fast alle Besucher, die hier waren, sind begeistert und kehren zurück. Wir haben bislang nur noch nicht gelernt, das richtige Marketing zu machen.«

CityBreak Das soll nun anders werden. Mit einem Aktionsplan soll Tel Aviv zur Marke gemacht werden, die in der Welt mithalten kann. Als Erstes wird es statt den bislang angebotenen Wochenreisen drei- bis fünftägige Pakete mit Namen »Citybreak« geben. Werbung für diese »Pause in der Stadt« wird demnächst in vielen überregionalen Zeitungen Europas gemacht. Vor allem zu herausragenden Veranstaltungen sollen die Besucher kommen, für die Tel Aviv bereits bekannt ist, betonte die Marketingfrau der Stadt, Hila Oren: die jährliche Gay-Parade, zu der jedes Mal Tausende schwule und lesbische Gäste aus dem Ausland eintreffen, der Tel Aviv Marathon oder die Laila Lawan, in der sämtliche Museen, Restaurants und Bars getreu dem Motto der Stadt die ganze Nacht geöffnet sind. Demnächst werden Rothschild Boulevard, Dizengoff, Ben Yehuda Straße und Co. auch per Zweirad zu erkunden sein. Innerhalb eines Jahres sollen 2.000 Fahrräder an hundert Stationen zum Verleih mit Kreditkarte bereit- stehen. Schon heute gibt es in der Stadt um die 100 Kilometer Radweg.

Flugverbindung Israel ist schnell zu erreichen. Neben Lufthansa, EL AL und Israir bietet nun Air Berlin mittlerweile neun wöchentliche Direktflüge an – ab Berlin, Düsseldorf, Köln und München. Ab 99 Euro pro Strecke. In kaum vier Flugstunden ist man am Ben-Gurion-Flughafen. Und es muss nicht immer die klassische Rundreise durchs Heilige Land mit biblischen Stätten, Totem Meer oder Ausgrabungen von Nord nach Süd sein. Tel Aviv hat viel zu bieten: Eine kaum überschaubare Fülle an Restaurants, Bars, Kneipen und Cafés, Shoppingmöglichkeiten in großen Einkaufszentren, ausgefallenen Designerläden mit Produkten, die es in Europa so nicht gibt, orientalischen Märkten vom Schuk Hacarmel bis zum Flohmarkt in Jaffa. Hinzu kommen Kunst und Kultur. Allein ein Spaziergang durch die weiße Stadt lässt das Herz von Architekturfans höher schlagen. Viele der Bauten sind Bauhaus-Gebäude, die alle nach und nach wieder restauriert werden. Die Oper, Theater und Tanzzentren veranstalten Shows von Weltruf, hinzu kommt ein ausgelassenes Nachtleben. Das alles direkt am Mittelmeer. Aus dem Club direkt an den Strand – in Tel Aviv jederzeit möglich.

Unterkunft Einhellige Meinung ist, dass Tel Aviv in jedem Fall einen Besuch wert ist, dieser jedoch oft zu teuer ausfalle, da es an bezahlbaren Unterkünften mangele. Eli Cohen, Chef des israelischen Hotelverbandes weiß: »Tel Aviv braucht zusätzlich zu den bestehenden Angeboten auch noch Boutiquehotels, also kleine aber gute Unterkünfte.« Tatsächlich reihen sich an der Strandpromenade Hilton, Sheraton, Dan und ähnliche Ketten aneinander, in denen eine Nacht hunderte von Euros kostet. Sogar der Minister pflichtete Cohen bei: »Wenn ich privat verreise, will ich auch nicht mein ganzes Geld für teure Hotels, sondern für Kultur oder Restaurants ausgeben. Die meisten, die nach Tel Aviv kommen, wollen das auch nicht.« Bürgermeister Ron Huldai versprach: »Wenn es Boutiquehotels braucht, dann wird es welche geben.« Allerdings machte er deutlich, dass man Tel Aviv so nicht mit Berlin, Wien oder ähnlichen Städten vergleichen könne. »Im Grunde genommen sind wir eine Kleinstadt, Wien ist achtmal so groß, London sogar 30-mal. Das müsse man bedenken, wenn man Forderungen stellt.« Trotzdem zitierte Huldai voller Stolz aus dem »Time Magazine«, das Tel Aviv vom Unterhaltungswert in einem Atemzug mit Miami und Rio de Janeiro nannte.

Ronen Mayer, Vorsitzender des Nachtclub-Verbandes, ist überzeugt: »Unsere DJs und Clubs sind erste Sahne, die mit allen in der Welt mithalten können. Wir müssen schlicht mehr Werbung machen, dass es hier in Nahost einen total coolen, jungen Ort gibt. Jetzt ist die Zeit, Tel Aviv als das zu zeigen, was es ist: eine Weltstadt.« Moni Bar von Tuifly/Air Berlin bringt es auf den Punkt: »Man kann sich kaum vorstellen, wie viel ungenutztes Potenzial es hier gibt.« Allerdings würden die deutschen Touristen nicht durch Sonne und Strand nach Israel gelockt, da würden sie eher nach Spanien oder Griechenland fliegen. Man müsse sie nach Israel wegen der Mischung locken, für die das Land ja auch bekannt ist. »Es ist die gesamte Atmosphäre hier im Land, die das Besondere ausmacht, das muss man betonen.«

Israel

»Ich habe ein bisschen abgenommen«

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wird in einem Interview gefragt, wie der 7. Oktober ihn persönlich verändert habe. Seine Antwort sorgt für heftige Kritik von der Opposition

 01.07.2026

Jerusalem

Israelische Polizei nimmt mutmaßlichen Iran-Spion fest

Der 20-jährige US-Bürger soll gegen Geld Ziele für das Mullah-Regime ausgespäht haben

 01.07.2026

Libanon

Netanjahu befiehlt Zerstörung der Hisbollah-Infrastruktur

Israels Ministerpräsident weist die Armee an, alle ober- und unterirdischen Anlagen der Hisbollah im Südlibanon zu zerstören. Einen Truppenrückzug schließt er vorerst aus

 01.07.2026

Kommentar

»Eigentlich habe ich noch nie mit einem Juden gesprochen«

Als Antisemitismusbeauftragter jüdisch zu sein ist kein Manko. Im Gegenteil: Es braucht an deutschen Universitäten mehr jüdische Beauftragte

von Guy Katz  30.06.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Funde in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  30.06.2026

Folgen des 7. Oktober

Israel tötet Peiniger von Rom Braslavski

Rund zwei Jahre lang wurde der Deutsch-Israeli von Terroristen des Islamischen Dschihad gequält. Als er von der Tötung »Abu Yusufs« hört, bricht er in Tränen aus

 30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Internationales Rotes Kreuz

Knesset lehnt Gesetz zum Besuchsverbot für Häftlinge ab

Sicherheitsminister Ben-Gvir wollte den Zugang zu palästinensischen Sicherheitsgefangenen verwehren, doch der Gesetzentwurf scheitert an Stimmen der eigenen Koalition

von Sabine Brandes  30.06.2026

Bnei Brak

Rabbiner verflucht Israels Armeechef Eyal Zamir

Ein israelischer Soldat wurde wegen eines religiösen Aufnähers inhaftiert. Das und die geplante Einberufung von Charedim sorgt für Verärgerung bei den Ultraorthodoxen

 30.06.2026